„Yes we can - Medizinische Erfolge wie im vergangenen Jahrhundert können wir wiederholen“

Anlässlich der Eröffnung des Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit 2016 hat der Leiter des IGES Instituts, Prof. Bertram Häussler, aufgerufen, an die Erfolge der Medizin des vergangenen Jahrhunderts anzuknüpfen.

Berlin, 8. Juni 2016 (IGES Institut) - „Große Erfolge sind auch in Zukunft möglich, wenn wir daraus lernen, wie die Bekämpfung der Herzkrankheiten im vergangenen Jahrhundert gelungen ist“, sagte Häussler in Berlin.
Dort hätten die Erfolge von Forschung und Entwicklung dazu geführt, dass in nur einem halben Jahrhundert die Sterblichkeit an diesen Krankheiten um drei Viertel gesenkt und damit die Lebenserwartung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert deutlich gesteigert werden konnten.

Den Weg habe die Politik in den USA ab den 1950er Jahren geebnet. Sie hätte mit dem so genannten „National Heart Act“ den „ersten medizinischen Großangriff der Geschichte“ eingeleitet. Dieser richtete sich gegen Herz-Kreislauf-Krankheiten, weil sich diese mit Beginn der 20. Jahrhundert zu einer Epidemie entwickelt hätten. Fast jeder zweite sei 1950 daran gestorben, so Häussler.

Herz-Kreislauf- Erkrankungen traten Häussler zufolge plötzlich so massiv zu Tage, weil in den Jahrzehnten zuvor Todesfälle durch Infektionen und die Sterblichkeit von Müttern und Neugeborenen massiv zurück gedrängt werden konnten. Dazu hätten vor allem die Verbesserungen der Hygiene und der Lebens- und Arbeitsbedingungen beigetragen.

Die Folge: Von 1900 bis 1950 sei die durchschnittliche Lebenserwartung in den wichtigsten Industrieländern um 20 Lebensjahre von 46 auf 66 Jahre gestiegen, erläutert Häussler. Weil der Tod in Kindheit und Jugend im 19. Jahrhundert rapide abnahm, seien die Menschen älter geworden und hätten nun an anderen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen sterben können.
 
„Der Herztod-Epidemie trat die US-amerikanische Regierung mit immensen und dauerhaften Investitionen in öffentliche Institutionen entgegen, die breit angelegte Grundlagen und klinische Forschung betrieben“, so Häussler. Sichtbar seien die Erfolge ab den 1970er Jahren geworden, als die durchschnittliche Lebenserwartung von 66 auf 79 Jahre weiter ansteigt.

Geld, Mut, Zuversicht sowie Verständnis von Politik und Regulierern für die Freiheit der Forschung seien nötig, damit der medizinische Fortschritt nicht abgewürgt wird.

„Yes we can, medizinische Erfolge wie bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen können wir wiederholen. Bei Krebs sind wir dafür bereits einen erheblichen Weg gegangen. Aber weitere Krankheiten erscheinen bereits am Horizont“, sagte Häussler.

Impressionen Hauptstadtkongress 2016


Copyright: IGES/Rolf Schulten

Auszug aus dem Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Bertram Häussler ("Die großen Erfolge von Medizin und Gesundheitsversorgung") anlässlich des Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit am 08. Juni 2016 im CityCube Berlin