Fehlende Vernetzung im Gesundheitswesen hemmt digitale Pflege

Drei von vier Pflegediensten dokumentieren noch nicht elektronisch. Als Gründe nennen sie vor allem die Pflicht, weiterhin auf Papier und somit doppelt zu dokumentieren, sowie die generell geringe Vernetzung im Gesundheitswesen.

Titel der Studie: Digitalisierung in der ambulanten Pflege – Chancen und Hemmnisse

Hintergrund: Die Pflege spielt bei der digitalen Transformation des Gesundheitswesens bisher nur eine untergeordnete Rolle..

Fragestellung: Was hemmt die Pflegebranche, IT-Anwendungen zu nutzen, und welche Potenziale bestehen?

Methode: Literaturrecherche, Befragung, Dialog mit Vertretern der Pflegebranche

Ergebnisse: Pflegedienste sind bereit für mehr Digitalisierung. Mangelnde digitale Vernetzung im Gesundheitswesen, Marktintransparenz und rechtliche Rahmenbedingungen hemmen dies jedoch.

Autoren: Grit Braeseke, Sinja H. Meyer-Rötz, Claudia Pflug, Friederike Haaß
    
Auftraggeber: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)

Schlagwörter: Digitalisierung, Pflege, Hemmnisse, Potenziale

Pflegedienste, die hingegen schon mit der elektronischen Pflegedokumentation (ePD) arbeiten, sind zu 70 Prozent zufrieden und sehen einen betriebswirtschaftlichen Nutzen für ihr Unternehmen.

Das geht aus einer Studie des IGES Instituts im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) hervor, bei der 145 Pflegedienste befragt wurden. Ziel der Untersuchung „Digitalisierung in der ambulanten Pflege – Chancen und Hemmnisse“ war es, Ursachen für die noch geringe Technisierung in der ambulanten Pflege auszumachen.

Stärker verbreitet als die ePD ist derzeit die vernetzte Tourenplanung und Leistungserfassung (vTL). Sie dient zur logistischen Unterstützung der Pflegearbeit. Der Befragung zufolge setzen dies schon 71 Prozent der Pflegedienste ein. Die Nutzer sehen auch in diesem Bereich wirtschaftliche Vorteile für sich. 70 Prozent meinen ferner, dass die vTL die Qualität der Pflege und Kundenzufriedenheit stärkt sowie Stress reduziert. Die meisten konnten entsprechende Anwendungen auch selbst finanzieren. Nicht-Nutzern sind jedoch vielfach die technischen Möglichkeiten, potenzielle Vorteile oder Finanzierungsmöglichkeiten unklar.

Insgesamt zeigt die Studie, dass die Digitalisierung der Pflege bei unternehmensinternen Prozessen am weitesten fortgeschritten ist. Weniger verbreitet sind hingegen IT-Lösungen, die näher an den pflegebedürftigen Menschen sind wie die ePD. Als größtes Hemmnis nennen Branchenvertreter, dass es bisher kaum Möglichkeiten gibt, digital vorhandene Daten anderen Leistungserbringern oder Kostenträgern sicher zu übermitteln.

Generell haben Pflegedienste der Befragung zufolge ein großes Interesse an digitalen Lösungen. Allerdings wird der Markt derzeit als sehr intransparent empfunden. Nur sechs Prozent lehnen eine weitere Digitalisierung komplett ab. Und nur vereinzelt befürchten Pflegedienste, dass es zu einer weiteren Arbeitsverdichtung kommt oder die Technik als Überwachung empfunden wird. Am meisten wünschen sie sich zukünftig digitale Signaturen und Verordnungen, digitale Abrechnung mit Kranken- und Pflegekassen, IT-Vernetzung mit anderen Leistungserbringern, etwa mit Hausärzten, oder Smart-Home-Anwendungen.

Um die Pflegebranche künftig digitaler zu gestalten, empfehlen die IGES-Experten bessere Information und Beratung von Pflegediensten über am Markt befindliche Technologien, Produkte und über Fördermöglichkeiten.