Erstattung von Real-Time-Messgeräten bei Diabetes oft unklar

Die kontinuierliche Glukosemessung in Echtzeit hat eine neue Epoche im Monitoring des Diabetes mellitus eingeleitet. Seit September 2016 ist die Methode nach einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses Kassenleistung. Unklar ist teilweise, für welche Messgeräte dies gilt. Experten zufolge ist dafür entscheidend, ob ein System die vorgeschriebenen Anforderungen erfüllt, unabhängig davon, wie diese technisch umgesetzt sind. Das zeigen sie exemplarisch anhand des Eversense CGM Systems.

Berlin, 17. Mai 2018 (IGES Institut) - Bei der kontinuierlichen Glukosemessung in Echtzeit wird der Glukosegehalt mittels eines Sensors in der Gewebsflüssigkeit gemessen und der Messwert unmittelbar an ein kleines tragbares Empfangsgerät gesendet. Medizinisch wird von kontinuierlicher interstitieller Glukosemessung mit Real-Time-Messgeräten, kurz rtCGM, gesprochen. Ziel ist es, Entgleisungen des Blutzuckerwertes noch effektiver zu verhindern.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte die rtCGM auf Antrag des GKV-Spitzenverbandes 2011 einer Methodenbewertung unterzogen. Nach fünf Jahren entschied er dann 2016, dass derartige Systeme zur Therapiesteuerung für Diabetiker unter intensivierter Insulinbehandlung Leistung der gesetzlichen Krankenkassen werden dürfen, wenn sie bestimmte Anforderungen erfüllen.

Definierte Anforderungen

Danach müssen rtCGM als Medizinprodukt zugelassen sein, kontinuierlich in Echtzeit den Glukosegehalt messen und Werte automatisch an ein Empfangsgerät übertragen sowie über eine Alarmfunktion mit individuell einstellbaren Grenzwerten verfügen. Ferner sind die erhobenen Daten vor dem Zugriff durch Dritte, insbesondere Hersteller zu schützen.

Welche Geräte darunterfallen, haben Experten des IGES Instituts in Zusammenarbeit mit dem Sozial- und Gesundheitsrechtler Professor Dr. Stefan Huster von der Universität Bochum im Auftrag von Roche Diabetes Care Deutschland am Beispiel des Eversense CGM Systems geprüft.

Ähnlich wie bei anderen Produkten bestehen bei diesem Gerät immer wieder Unsicherheiten, ob es verordnet werden darf. Es konnte in die damalige G-BA Methodenbewertung wie andere, erst in jüngster Zeit eingeführte Produkte noch nicht einbezogen werden. Die einzelnen Geräte unterscheiden sich in der Regel technisch, etwa darin, wie die Messsensoren einzuführen sind.

Beschluss ohne technische Spezifikationen

„Da der G-BA-Beschluss und die vorangegangene Bewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen keinerlei technische Spezifikationen der Geräte definiert haben, führen Unterschiede zwischen den Systemen zur kontinuierlichen Glukosemessung und deren technischen Funktionsweisen nicht zu einem Ausschluss aus den vom G-BA-Beschluss umfassten Methoden“, urteilen die Gutachter. Entscheidend sei lediglich, ob ein Gerät die vom G-BA in seiner Richtlinie veröffentlichten Voraussetzungen erfülle. Wenn dies der Fall sei - wie auch im Falle des Eversense CGM Systems - stehe einem Einsatz im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung nichts entgegen.