Grenzen der Mobilität auf dem Land überwinden

Das Auto ist für ältere Bewohner ländlicher Regionen das Verkehrsmittel Nummer Eins. Mit zunehmendem Alter sehen sie sich aber auf Alternativen angewiesen. An denen mangelt es jedoch auf dem Land häufig. Experten fordern daher Gesamtstrategien, um Mobilität künftig in der Fläche zu sichern, und zeigen Möglichkeiten auf.

Berlin, 31.01.2018 (IGES Institut) - Das geht aus der Studie „Mobilitätsalternativen Älterer im ländlichen Raum Südbayern“ des IGES Instituts im Auftrag des ADAC Südbayern e.V. hervor. Dafür wurden rund 2.000 über 55-Jährige aus den drei Regierungsbezirken Oberbayern, Niederbayern und Schwaben nach ihrem Mobilitätsverhalten und ihren Bedürfnissen befragt.

Auto sichert derzeit Alltagsmobilität

Danach nutzen in allen Wegezwecken mehr als 50 Prozent aller Befragten den Pkw. Bei Wegen zum Arzt sind es im Sommer 47 Prozent der 65- bis 74-Jährigen, sowie weitere 17 Prozent als Mitfahrer. Im Winter steigen diese Anteile sogar noch an. Dabei wird das Mitfahren mit zunehmenden Alter immer wichtiger: Am Beispiel der Wege zum Arzt liegt der Anteil der Mitfahrenden in der Gruppe der über 74-Jährigen bei mehr als 30 Prozent.

Insgesamt haben bei den unter 30-Jährigen mehr als 40 Prozent innerhalb eines Jahres mindestens einmal einen Fernbus genutzt. Bei den zwischen 30 und 54 Jahre alten Fahrgästen sind es 25 bis 30 Prozent. Aber selbst bei den über 55-Jährigen verfügen 13 bis 18 Prozent bereits über Fernbuserfahrung.

Defizite beim ÖPNV-Angebot

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist derzeit eine weniger stark genutzte Alternative: Ältere greifen auf ihn bei nur sechs Prozent ihrer Wege zurück. Vor allem zwei Gründe nennen sie als Ursache: 17 Prozent schätzen es schwierig ein, Bus und Bahn von ihrem Wohnort aus zu erreichen. Fast 60 Prozent empfinden ÖPNV-Angebot als unflexibel. Deutlich werden dabei regionale Unterschiede. So ist der Anteil der Bus- und Bahn-Nutzer im Regierungsbezirk Oberbayern stärker ausgeprägt als in den beiden anderen untersuchten Regierungsbezirken.

Mehr Raum für neue und unkonventionelle Angebote

Den Studienautoren zufolge geht es künftig vor allem darum, mehr flexible und innovative Mobilitätsangebote zu entwickeln und sicherzustellen, dass diese barrierefrei sind. Ferner sollten der öffentliche und individuelle Verkehr besser verknüpft und rechtlich mehr Raum für unkonventionelle Angebote wie On-Demand-Verkehre oder Mitnahmemöglichkeiten etwa bei Pflegediensten geschaffen werden. Letztendlich erfordere dies aber auch, neue Finanzierungsmodelle zu entwickeln, so die Autoren.

Zudem können bürgerliches oder zivilgesellschaftliches Engagement wie private Mitnahmen dazu beitragen, Mobilität feinverteilt in der Fläche zu sichern. Ergänzend haben E-Bikes ein starkes Potenzial, den eigenen Aktionsradius auch ohne Auto zu auszuweiten, vor allem in der Freizeit oder auf Kurzstrecken.

Wichtig ist es den Autoren zufolge, eine Gesamtstrategie für die Mobilitätssicherung im ländlichen Raum zu entwickeln, da die bisherigen Instrumente wie Nahverkehrspläne immer nur Teilaspekte der Mobilität gestalten. In diese regionalen Gesamtstrategien sollten auch neue Finanzierungsmöglichkeiten mitgedacht werden, etwa gemeinsam mit Partnern aus anderen Bereichen wie der Gesundheitsversorgung oder dem Tourismus.

Neue Kommunikationsformen helfen

Die künftige Mobilitätssicherung wird dadurch erleichtert, dass Ältere neuen Kommunikationsformen durchaus offen gegenüberstehen: Zwei von drei der Befragten nutzen das Internet, jeder zweite ein Smartphone. Dies unterstützt, flexible ÖPNV-Angebote oder Plattformlösungen etwa zur Mitnahme und zu anderen Mobilitätsformen anzubieten. Analoge Informationsangebote vor Ort sollten jedoch nie ganz wegfallen, so die Autoren.