Regionale Verkehrsplanung: erstmals gemeinsame Nahverkehrsstrategie im Norden

Er richtet sich sowohl an den heutigen und auch künftigen Mobilitätsbedürfnissen der Menschen in ländlichen und städtischen Gebieten der nördlichsten Nord- und Ostseeregion aus. Zudem wird der Weg für die ab 2022 gesetzlich geforderte, komplette Barrierefreiheit im Nahverkehr aufgezeigt.

Berlin, 27. Juli 2017 (IGES Institut) - Erarbeitet haben den RNVP Verkehrsexperten des IGES Instituts für die drei Gebietskörperschaften Kreis Nordfriesland, Kreis Schleswig-Flensburg sowie für die Stadt Flensburg. Der Plan setzt strategische Ziele bis zum Jahr 2021. An ihnen soll sich die künftige Gestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) orientieren.

Die Basis bilden Bevölkerungs- und Verkehrsprognosen. Es wird davon ausgegangen, dass die allgemeine Mobilität, sei es zu Fuß, per Fahrrad oder durch Nutzung von Pkw, Bus und Bahn, selbst in dieser eher ländlich geprägten Region zwischen 2010 und 2030 um bis zu zehn Prozent wächst.

ÖPNV-Angebotsniveau halten

Angesichts der Effekte der demografischen Entwicklung müssen den IGES-Experten zufolge die Gebietskörperschaften dennoch aktiv gegensteuern, damit die Nachfrage nach ÖPNV-Angeboten nicht weiter sinkt.

Die IGES-Gutachter schlagen eine einheitliche Verkehrsnetz-Konzeption vor, die alle Angebote in den drei Gebietskörperschaften einheitlich strukturiert. Dies umfasst in Stadt- und Ortsverkehre, Verbindungen eines Haupt- und Nebennetzes sowie ein Ergänzungsnetz zur Sicherung der Flächenerschließung. Neu ist, dass auch für die Flächenerschließung der ländlichen Bereiche erstmals Mindestanforderungen etwa an die Fahrtenhäufigkeit und Bedienungszeiträume definiert werden – und zwar nicht nur für Schul-, sondern auch Ferientage.

Privater Pkw bleibt wichtigstes Transportmittel

Den Prognosen zufolge bleibt der private Pkw das meistgenutzte Verkehrsmittel, wenngleich Maßnahmen wie die Angebots- und Qualitätsverbesserung vor allem auf starken Buslinien mehr Fahrgäste in den Nahverkehr bringen sollen. Hierbei wird auch auf die erfolgreich umgesetzten Ansätze von PlusBus-Linien in anderen Bundesländern abgestellt, die ein hochwertiges und verlässliches Angebot ähnlich den Regionalverkehren auf der Schiene umsetzen. Zur Finanzierung deutlicher Angebotsausweitungen schlagen die IGES-Experten den Einsatz von Teilen der erhöhten Zuweisungen aus den Regionalisierungsmitteln an das Land Schleswig-Flensburg vor.

Flexible Angebote integrieren

Flexible Angebote wie Rufbusse sollen gleichberechtigt eingeplant, mit dem übrigen ÖPNV verknüpft und in einheitlicher Form bekannter gemacht werden sowie. Dazu gehört etwa auch die Einrichtung einheitlicher Rufnummern zur Bestellung von Fahrten.

Die Gutachter empfehlen, die Anschlussqualität zwischen den Nahverkehrsmitteln zu optimieren, an einem einheitlichen Erscheinungsbild zu arbeiten sowie das Tarifsystem in den landesweiten Schleswig-Holstein-Tarif zu integrieren. Ein besonderer Schwerpunkt bildet die Weiterentwicklung der Stadt-Umland-Verkehr um Flensburg. Hier wird die Weiterentwicklung von zu Angeboten mindestens im 30-Minuten-Takt als Ziel definiert, auch um die ambitionierten klimapolitischen Ziele der Stadt Flensburg zu unterstützen.

IGES Verkehrsplanung:

Die Erstellung des ersten gemeinsamen RNVP im Land Schleswig-Holstein reiht sich ein in die umfangreichen Erfahrungen des IGES Instituts bei der Erstellung von Nahverkehrsplänen und regionalen Mobilitätskonzepten. Das IGES Institut berät dazu bundesweit Länder, Städte und Landkreise sowie Verkehrsunternehmen. Derzeit sind die IGES Experten unter anderem in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein, Thüringen tätig.