Erweiterte Pflegekompetenzen: Chance für bessere ambulante Versorgung
Erweiterte Aufgaben für Pflegefachpersonen können die Arbeitszufriedenheit und die Qualität der ambulanten Versorgung verbessern. Vor allem mehr Kompetenzen im Bereich Pflegekoordination inklusive der Übernahme medizinischer Aufgaben sowie Prävention tragen dazu bei. Um dieses Potenzial von Pflegefachpersonen künftig besser auszuschöpfen, sollten regulatorische Hürden abgebaut werden sowie gezielte Investitionen in die Aus- und Weiterbildung erfolgen.
Berlin, 10. März 2026 (IGES Institut) – Das zeigt eine Überblicksarbeit eines Wissenschaftlerteams des IGES Instituts über die Forschungslandschaft, die in dem wissenschaftlichen Online-Journal HeilberufeScience veröffentlicht wurde. In diesem Scoping-Review analysierten die Pflegeexpertinnen nationale und internationale Studien, in denen die Rollen, Kompetenzen und Aufgaben von Pflegefachpersonen in der ambulanten Primärversorgung und gemeindenahen häuslichen Pflege untersucht wurden. Nach Einschätzung der Autorinnen handelt es sich um die erste umfassende Untersuchung ihrer Art zu diesem Thema.
Insgesamt 67 wissenschaftliche Publikationen sind in die Auswertung eingeflossen. Diese nach Einschätzung der Autorinnen unerwartet hohe Zahl an Veröffentlichungen zu diesem Thema deute darauf hin, dass der kompetenzbasierte Einsatz und die Schaffung vielfältiger Qualifizierungsmöglichkeiten für Pflegefachpersonen international weiter an Bedeutung gewinnen.
Deutlich wurde, dass Pflegefachpersonen in vielen Ländern Aufgaben übernehmen, die über die „klassische Pflege“, wie sie oftmals in Deutschland verstanden wird, hinausgehen. Besonders häufig betreffen diese erweiterten Rollen die Koordination und das Management komplexer Versorgungsprozesse, präventive Tätigkeiten wie Beratung und Gesundheitsförderung sowie Leitungsaufgaben innerhalb multiprofessioneller Teams. Insgesamt identifizierten die Forschenden 74 erweiterte Aufgaben- und Kompetenzbereiche, von denen fast die Hälfte auf Koordinations- und Managementtätigkeiten entfällt.
Die Analyse unterscheidet fünf zentrale Rollen: Pflegefachpersonen mit erweiterten Kompetenzen, spezialisierte Gemeindepflege, Advanced Practice Nursing, spezialisierte Advanced Practice Nursing (für spezielle Zielgruppen) sowie Pflegekoordinatorinnen und -koordinator. Besonders häufig beschrieben werden Pflegefachpersonen mit erweiterten Kompetenzen, die rund 43 Prozent der identifizierten Rollen ausmachen.
Viele der untersuchten Studien berichten zudem positive Effekte dieser erweiterten Rollen: Sie können unter anderem die Kontinuität der Versorgung verbessern, Krankenhausaufenthalte reduzieren und die Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen stärken. Gleichzeitig steigt häufig die Arbeitszufriedenheit der Pflegefachpersonen, etwa durch größere Autonomie und klar definierte Verantwortungsbereiche. Ein wichtiger Erfolgsfaktor für eine erfolgreiche Implementierung neuer oder erweiterter Rollen bei Pflegefachpersonen sind laut Studie daher klar definierte Rollen und Zuständigkeiten innerhalb der Versorgungsteams.
Als Herausforderung nennen die Autorinnen jedoch große Unterschiede zwischen Ländern bei Ausbildung, Kompetenzen und rechtlichen Befugnissen. Unklare Rollenbeschreibungen und fehlende gesetzliche Regelungen können die Umsetzung erweiterter Pflegeaufgaben erschweren. Um das Potenzial dieser Rollen auszuschöpfen, seien deshalb klare rechtliche Rahmenbedingungen sowie gezielte Aus- und Weiterbildungsangebote notwendig.
Hahnel, E., Oehse, I., Engelmann, F. et al. Competencies and tasks of nursing staff in home and outpatient primary care: a scoping review. HBScience (2026). https://doi.org/10.1007/s16024-026-00443-w