Studie zu Biosimilars: spürbare Einsparungen meist unmittelbar nach Patentablauf des Originals
Biosimilars entlasten die gesetzliche Krankenversicherung in Milliardenhöhe. Allein im Jahr 2024 waren dies für die Gruppe der Fertigarzneimittel rund 1,7 Milliarden Euro. Das zeigt eine methodisch neuartige IGES-Studie. Anders als vorausgegangene Studien zu Einsparungen durch Biosimilars berücksichtigt sie nicht nur die direkten Effekte gesetzlicher Rabatte, sondern auch indirekte Einspareffekte durch den Wettbewerb von Biosimilars untereinander, Rabattwettbewerb und Festbeträge. Das Ergebnis ist eine deutlich realistischere Einschätzung des Einsparvolumens biotechnologischer Generika.
Berlin, 15. August 2025 Die Studie entstand im Auftrag des Verbandes Pro Generika. Eingeflossen sind zwölf ausgewählte Wirkstoffe, die gemessen am Umsatz nach Apothekenverkaufspreis (AVP) im Jahr 2024 insgesamt 63 Prozent des biosimilarfähigen Gesamtmarktes abdecken. Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich von Januar 2017 bis Dezember 2024. Biosimilarfähiger Umsatz meint den Umsatz aller biotechnologischen Arzneimittel, für die der Patentschutz bereits abgelaufen ist.
Am meisten Einsparungen bei Biosimilars durch Individualrabatte
Das erreichte Einsparvolumen der analysierten Biosimilars lag im gesamten Untersuchungszeitraum bei 6,3 Milliarden Euro. Insbesondere die zwischen Krankenkassen und Herstellern vereinbarten Individualrabatte führen zu sehr hohen Einsparungen, häufig bereits unmittelbar nach Patentablauf der Originalpräparate: Fast drei Viertel des Einsparvolumens - 4,6 Milliarden Euro - gehen auf sie zurück. Eine entscheidende Rolle spielen auch Festbeträge, die 1,2 Milliarden Euro an Einsparungen bringen (Anteil von rund 20 Prozent). Gesetzliche Rabatte, also der Apotheken- und Herstellerabschlag, führten zu deutlich geringeren Einsparungen in Höhe von rund 490 Millionen Euro (Anteil von knapp zehn Prozent).
Den größten Anteil daran hatte der Wirkstoff Adalimumab, der im November 2018 seinen Patentschutz verlor und seither ein Einsparvolumen von 2,7 Milliarden Euro realisieren konnte. Im April 2021 wurde zudem ein Festbetrag festgesetzt. Er wird bei vielen Autoimmun- und chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder Psoriasis eingesetzt.
Zur Ermittlung der Einsparungen berechneten die IGES-Experten hypothetische Umsätze. Die Umsatzbasis der Fertigarzneimittel ergab sich aus einem fünfprozentigen Preisabschlag auf den Abgabepreis des pharmazeutischen Unternehmers (ApU) im Monat vor dem Patentablauf des jeweiligen Fertigarzneimittels. Bei Wirkstoffen mit Festbetrag wurde die Differenz zwischen dem hypothetischen Umsatz und dem tatsächlichen Umsatz unter Festbetrag als erzielte Einsparung definiert. Aufgrund der Vertraulichkeit der Rabattverträge basieren die Berechnungen teilweise auf Annahmen, die nach Einschätzung der Autoren dennoch eine fundierte Grundlage für die Bewertung der ökonomischen Effekte von Biosimilars im deutschen Gesundheitssystem ermöglichen.
Biosimilars für eine Reihe von verschiedenen Anwendungsgebieten
Als Datengrundlage dienten Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) der Firma Insight Health, die mit Informationen des ABDATA Pharma-Daten-Service sowie internen IGES-Datenbanken verknüpft wurden. Die untersuchten Wirkstoffe umfassen eine breite Palette medizinischer Anwendungsgebiete: Infliximab, Etanercept, Adalimumab und Tocilizumab werden hauptsächlich in der Rheumatologie eingesetzt, Trastuzumab und Bevacizumab sind wichtige Onkologika, Rituximab findet sowohl in der Onkologie als auch bei Autoimmunerkrankungen Anwendung, während Natalizumab bei Multipler Sklerose und Ustekinumab bei Psoriasis und entzündlichen Darmerkrankungen zum Einsatz kommen.
