Versorgung von Alzheimer-Demenz: wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu bundesweitem Versorgungspfad erreicht

Die Entwicklung eines Versorgungspfades für Menschen mit Alzheimer-Demenz ist einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Wissenschaftler des IGES Instituts und der Goethe-Universität Frankfurt haben einen umfassenden Rapid Review zu Ursachen, Prävention, Diagnostik, Therapie sowie Versorgungs- und Unterstützungsangeboten der Erkrankung vorgelegt. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse geben die Leitplanken für die Entwicklung des Versorgungspfades vor. Er entsteht im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums und soll bis Ende 2027 fertig sein.

Berlin, 17. Dezember 2025 (IGES Institut) - Das Forscherteam erarbeitet den Versorgungspfad seit Ende 2024. Der Rapid Review ist ein entscheidender Meilenstein. Dieser Ansatz ermöglichte es, trotz begrenzter zeitlicher Ressourcen einen breiten Ein- und Überblick über den gegenwärtigen Wissensstand zu gewinnen und die Ergebnisse strukturiert zu bündeln. Rapid Reviews dienen der schnellen Entscheidungsunterstützung für Politik, Praxis und Forschung, stehen jedoch immer in einem Spannungsverhältnis zwischen größtmöglicher Vollständigkeit und hoher Aktualität.

Mehr als 400 Studien über Alzheimer-Demenz ausgewertet

Das Experten-Team analysierte insgesamt 442, seit 2018 veröffentlichte Studien, die ein breites Spektrum von ätiologischen, diagnostischen, therapeutischen und versorgungsbezogenen Fragestellungen bei Alzheimer-Demenz abdecken. Die Studien deckten zudem zahlreiche, zentrale Versorgungsprobleme auf, die mithilfe eines Versorgungspfades verbessert werden könnten: beispielsweise die von einem überwiegenden Anteil der pflegenden Angehörigen als schwierig empfundene Navigation im komplexen Gesundheitssystem. Auch die finanziellen Belastungen des Gesundheitssystems nehmen zu. So stieg dem Statistischen Bundesamt zufolge der Anteil der Kosten der Demenz an allen Krankheitskosten in Deutschland von 3,6 Prozent im Jahr 2002 auf 4,7 Prozent im Jahr 2020.

Enge Kooperation zwischen Haus- und Fachärzten nötig

Aus der wissenschaftlichen Analyse ergeben sich konkrete Leitplanken für die Gestaltung des Versorgungspfades: Er sollte multimodal, interdisziplinär und interprofessionell konzipiert werden, um der Komplexität der Erkrankung gerecht zu werden. Flexible Module sollten auf individuelle Risikoprofile, Krankheitsstadien und Begleiterkrankungen zugeschnitten werden können. Sektorenübergreifende Koordination ist dabei essenziell: eine enge Kooperation etwa zwischen Haus- und Fachärzten, pflegerischer Versorgung, Gedächtnisambulanzen, Präventionsangeboten und Beratungsstellen mit klar definierten Kommunikationswegen und Verantwortlichkeiten.

Aufbauend auf den Ergebnissen des Reviews folgen qualitative Erhebungen mit Expertinnen und Experten, Fokusgruppen sowie bundesweite Befragungen verschiedener Akteursgruppen, um den Ist-Zustand der Versorgung zu analysieren und den Versorgungspfad partizipativ auszugestalten.

Versorgungspfad Alzheimer-Demenz soll Ende 2027 stehen

Das dreijährige Forschungsprojekt bis Ende 2027 ist Teil der Umsetzung der Nationalen Demenzstrategie und zielt darauf ab, die sektorenübergreifende Zusammenarbeit zu stärken und die Versorgungsqualität für die circa 1,8 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland messbar zu verbessern.