Pflege und Pflegeversicherung

Die Pflege und die Pflegeversicherung in Deutschland stehen vor enormen Herausforderungen. Infolge der demografischen Entwicklung steigt der Bedarf an professionellen Pflegeleistungen kontinuierlich an, bei gleichzeitig zunehmendem Pflegekräftemangel. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen benötigen bedarfsgerechte Versorgungsangebote. Ein qualitativ hochwertiges und zugleich finanzierbares Pflegesystem zu gewährleisten, ist eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft.

Die Pflege steht vor zahlreichen Herausforderungen, die neue Konzepte und Lösungsansätze erfordern

Pflegebedarf steigt durch demografischen Wandel

Die demografische Entwicklung führt zu einem starken Anstieg des Pflegebedarfs - von 5,7 Millionen Pflegebedürftigen (Stand Ende 2023) dürfte die Zahl bis 2055 auf rund 6,8 Millionen ansteigen.

Gleichzeitig hat sich die Art der Pflegebedarfe im Rahmen der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) verändert: Der seit 2017 geltende neue Pflegebedürftigkeitsbegriff (§ 14 SGB XI; Soziale Pflegeversicherung) impliziert eine neue Herangehensweise an die pflegerische Versorgung. Die Fokussierung auf den Menschen statt auf seine Krankheiten und Beeinträchtigungen bestimmt das Handeln. Dies erhöht die Anforderungen an die Versorgungsgestaltung und erfordert zum Teil auch eine Kompetenz- und Aufgabenerweiterung bei den an der Versorgung beteiligten Professionen und dementsprechend einen zielgerichteten Einsatz dieser Kompetenzen.

Dieser wachsende, veränderte Bedarf erfordert einen entsprechenden Ausbau der Pflegeinfrastruktur und neue Versorgungskonzepte.

Fachkräftemangel in der Pflege verschärft sich

Der Pflegesektor ist bereits heute von einem erheblichen Fachkräftemangel geprägt, der sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird. Die Gewinnung, Qualifizierung und langfristige Bindung von Pflegefachpersonen in der ambulanten und stationären Pflege wird zu einer zentralen Herausforderung für die Sicherstellung der pflegerischen Versorgung.

Die demografische Entwicklung verschärft diese Situation zusätzlich, da die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, während gleichzeitig viele Pflegepersonen altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden.

Das Berufsfeld Pflege für Pflegepersonal attraktiver machen

Der Pflegeberuf steht vor strukturellen Herausforderungen, die seine Attraktivität beeinträchtigen. Um das volle Potenzial dieses gesellschaftlich wichtigen und vielseitigen Berufsfelds zu erschließen, sind gezielte Verbesserungen erforderlich, die die Arbeitsbelastungen reduzieren, eine leistungsgerechte Vergütung gewährleisten und die Wertschätzung des Berufs stärken. Flexible Arbeitsmodelle verbessern die Work-Life-Balance, und strukturierte Weiterbildungsmöglichkeiten schaffen langfristige Karriereperspektiven.

Die erfolgreiche Umsetzung dieser Maßnahmen führt beispielsweise zu höherer Mitarbeiterzufriedenheit, längerer Verweildauer im Beruf und wirkt sich positiv auf die Versorgungsqualität aus.

Herausforderung Finanzierung durch die Pflegeversicherung

Die steigende Zahl der Pflegebedürftigen und der wachsende Bedarf an professionellen Pflegeleistungen stellen die Finanzierung der Pflegeversicherung vor erhebliche Herausforderungen. Die soziale Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der tatsächlichen Kosten ab, was zu steigenden finanziellen Belastungen der Pflegebedürftigen führt.

Besonders in der stationären Langzeitpflege sind die Eigenanteile in den letzten Jahren stark gestiegen und betragen inzwischen Kassenangaben zufolge durchschnittlich über 3.100 Euro monatlich im ersten Jahr des Heimaufenthalts. Dies führt dazu, dass immer mehr Pflegebedürftige auf Sozialhilfe angewiesen sind – ein Trend, der dem ursprünglichen Ziel der Pflegeversicherung, die Abhängigkeit von der Sozialhilfe zu reduzieren, zuwiderläuft.

Für eine nachhaltige Finanzierung und ein sozialgerechtes Pflegesystem gilt es, Beitragsstabilität, Leistungsumfang und Eigenanteile der Pflegebedürftigen auszutarieren.

Sektorale Trennung des Gesundheits- und Pflegesystems überwinden

Das deutsche Gesundheits- und Pflegesystem ist durch eine starke sektorale Fragmentierung gekennzeichnet, die eine integrierte (pflegerische) Versorgung erschwert. Die strikte Trennung zwischen SGB V (Krankenversicherung) und SGB XI (Pflegeversicherung) führt zu Schnittstellenproblemen, unklaren Zuständigkeiten und Versorgungsbrüchen.

Die Koordination und Integration von Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Vernetzung verschiedener Versorgungsbereiche (Prävention, Akutversorgung, Rehabilitation und Pflege) bleiben zentrale Herausforderungen für eine bedarfsgerechte Versorgung. Dies betrifft insbesondere Übergangssituationen wie die Entlassung aus dem Krankenhaus, bei der häufig Versorgungslücken entstehen.

Für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen, aber auch für professionelle Akteure ist das System mittlerweile unübersichtlich und komplex, was den Zugang zu passenden Unterstützungsangeboten erschwert. Case Management und Pflegeberatung sind zwar gesetzlich verankert, in der Praxis aber häufig nicht ausreichend mit personellen und finanziellen Ressourcen hinterlegt.

Belastung pflegender Angehöriger in den Fokus rücken

Rund 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt, überwiegend durch Angehörige. Diese leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur pflegerischen Versorgung, sind dabei jedoch erheblichen Belastungen ausgesetzt. Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf stellt viele pflegende Angehörige vor große Herausforderungen, was häufig zu Einkommenseinbußen, sozialer Isolation und gesundheitlichen Problemen führt.

Trotz gesetzlicher Verbesserungen wie Pflegezeit und Familienpflegezeit fehlt es an ausreichenden Unterstützungsangeboten für pflegende Angehörige. Entlastende Dienste wie Kurzzeitpflege, Tagespflege oder Verhinderungspflege stehen häufig nicht flächendeckend zur Verfügung, sind den Betroffenen teilweise gar nicht bekannt oder entsprechen nicht den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen.

Qualitätssicherung in der Pflege weiterentwickeln

Die Sicherstellung einer hohen Pflegequalität bei gleichzeitiger Ressourcenknappheit erfordert wirksame Qualitätssicherungssysteme und innovative Ansätze zur Prozessoptimierung. Mit der Einführung der indikatorengestützten Qualitätsmessung und -darstellung in der stationären Pflege 2019 wurden Fortschritte bei der Ergebnisorientierung erzielt, jedoch bestehen weiterhin Herausforderungen bei der Messung und Sicherstellung einer bedarfsgerechten Versorgungsqualität. Im ambulanten Bereich treten neue Richtlinien für die Qualitätsprüfung am 01. Juli 2026 in Kraft.

Die Gewährleistung einer hochwertigen und aktivierenden Pflege erfordert eine angemessene Personalausstattung. Ein neues Personalbemessungsinstrument für die vollstationäre Pflege (PeBeM) soll dieses Problem adressieren, die Umsetzung stößt jedoch teilweise auf erhebliche Schwierigkeiten aufgrund des Fachkräftemangels.

Digitalisierung und technologische Innovation in der Pflege nutzen

Digitale Technologien bieten große Potenziale für den Pflegesektor – von der Entlastung der Pflegefachpersonen durch digitale Dokumentationssysteme über telepflegerische Lösungen bis hin zu Assistenztechnologien für Pflegebedürftige. Die Integration dieser Technologien in den Pflegealltag stärkt nicht zuletzt die inter- und multidisziplinäre Zusammenarbeit, stellt jedoch auch hohe Anforderungen an alle Beteiligten.

Der Digitalisierungsgrad in der Pflege ist im Vergleich zu anderen Sektoren des Gesundheitswesens noch gering. Zu den Hemmfaktoren zählen unzureichende technische Integration der Pflege in die gesundheitsbezogenen Primärsysteme, mangelnde Refinanzierung, schwach ausgeprägte digitale Kompetenzen bei den pflegebedürftigen Personen sowie Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit.

Regionale Versorgungsunterschiede in der Pflege fokussieren

Die pflegerische Versorgung in Deutschland ist durch erhebliche regionale Unterschiede gekennzeichnet. Während in einigen Regionen ein breites Spektrum an Pflegeangeboten zur Verfügung steht, fehlt es in anderen – insbesondere ländlichen – Gebieten an ausreichenden Versorgungsstrukturen. Diese Disparitäten betreffen sowohl die Langzeit- als auch Akutversorgung und wirken sich negativ auf die Zugänglichkeit und Qualität der Versorgung aus.

Eine kommunale Pflegeplanung wird bisher nicht in allen Landkreisen und kreisfreien Städten umgesetzt. Diese sollte auf die demografischen und sozioökonomischen Besonderheiten der jeweiligen Region ausgerichtet sein. Zukunftsfähige Konzepte müssen verstärkt auf kleinräumige Bedarfsanalysen und regional angepasste Versorgungslösungen setzen, um knappe Ressourcen effizient zu nutzen.

Wie wir im Bereich Pflege arbeiten

Das IGES Institut bietet umfassende Forschungs- und Beratungsleistungen im Bereich Pflege an. Unsere langjährige Expertise erstreckt sich von der Analyse des Pflegebedarfs über die Entwicklung innovativer Versorgungskonzepte bis hin zur Evaluation von Maßnahmen zur Qualitätssicherung, Pflegeausbildung und Personalgewinnung.

Es setzt bei seinen Forschungs- und Beratungsleistungen im Bereich Pflege auf einen umfassenden Ansatz, der die verschiedenen Dimensionen der Herausforderungen in der Versorgung einbezieht und wissenschaftlich fundierte Lösungsstrategien erarbeitet. Dabei werden sowohl die Perspektiven der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen als auch die der professionellen Pflegefachpersonen, Leistungserbringer und Kostenträger einbezogen, um nachhaltige und praxistaugliche Konzepte zu schaffen.

Unsere Leistungen im Bereich Pflege

  • Auswertung von Routinedaten der Kranken- und Pflegekassen zur Analyse von Versorgungsstrukturen
  • Pflegebedarfsanalysen und -prognosen auf Bundes-, Landes- und Kreisebene
  • Erstellung kleinräumiger Bedarfsprognosen auf Basis demografischer und epidemiologischer Daten
  • Untersuchung regionaler Versorgungsunterschiede und Identifikation von Versorgungslücken
  • Analyse der Inanspruchnahme von Pflegeleistungen

  • Konzeption innovativer Pflegeversorgungskonzepte
  • Entwicklung, Implementierung und Evaluation integrierter Versorgungslösungen an der Schnittstelle SGB V/SGB XI
  • Evaluation von Modellprojekten in der Pflegeversorgung
  • Begleitung von Modellprojekten zu alternativen Pflegearrangements und neuen Wohnformen

  • Entwicklung und Evaluation von Qualitätsindikatoren in der Pflege
  • Analysen zur Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität
  • Entwicklung von Transparenzsystemen für die Pflegequalität
  • Unterstützung bei der Implementierung evidenzbasierter Standards

  • Analysen zum aktuellen und zukünftigen Personalbedarf in der Pflege
  • Entwicklung von Konzepten zur Personalgewinnung und -bindung
  • Untersuchung von Arbeitsbelastungen und Arbeitszufriedenheit
  • Untersuchung, Entwicklung und Evaluation von Qualifizierungs- und Ausbildungskonzepten

  • Kosten-Nutzen-Bewertungen von Pflegeleistungen und -programmen
  • Analysen zur wirtschaftlichen Situation von Pflegeeinrichtungen
  • Untersuchung der finanziellen Auswirkungen von Gesetzesänderungen
  • Prognosen zur Ausgabenentwicklung in der Pflegeversicherung
  • Beratung zu Vergütungs- und Finanzierungsmodellen

  • Untersuchung und Evaluation digitaler Anwendungen und Assistenzsysteme in der Pflege
  • Evaluation von Konzepten und Modellprojekten zur digitalen Transformation von Pflegeprozessen
  • Untersuchung von Akzeptanz und Nutzerfreundlichkeit neuer Technologien

  • Bewertung gesetzlicher Regelungen und politischer Maßnahmen
  • Entwicklung von Reformkonzepten für die Pflegeversicherung
  • Analysen zur Entwicklung von Pflegebedürftigkeit
  • Internationale Vergleichsstudien zu Pflegesystemen
  • Beratung zu pflegepolitischen Strategien für Bund, Länder und Kommunen

Für wen wir im Bereich Pflege tätig sind

  • Bundes- und Landesministerien
  • Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung
  • Verbände von Kranken- und Pflegeversicherungen, Kranken- und Pflegekassen
  • Leistungserbringer (Träger von Pflegeeinrichtungen und -diensten)
  • Wohlfahrts- und Sozialverbände
  • Stiftungen