IGES Pandemie Monitor

Präsentiert von Deutschlands führendem Gesundheitsexperten

Orientierung in der Corona-Pandemie

1. Aktuelle Lage

Wie sich das derzeitige Infektionsgeschehen darstellt

Deutschland

Deutschland

19.11.2020

Kurz vor ursprünglich geplantem Ende: Lockdown kann Zahl der Neuinfektionen lediglich stabilisieren

  • Aufgrund des zeitlichen Verzugs an validen Meldedaten wird für die unmittelbare Vergangenheit auf die Daten der RKI-Lageberichte zurückgegriffen
  • Für die Prognose wird angenommen, dass der aktuelle Lockdown (LD 1) eine vergleichbare Wirkung hat wie der erste Lockdown, der ab 22. März begonnen hat (gleiche Veränderungsraten der täglichen Fallzahlen über die Zeit). Diese Annahme ist wahrscheinlich zu optimistisch, da die aktuellen Beschränkungen weniger stark sind als die des LD 1.
  • Aus der Modellierung folgt, dass die aktuellen Fallzahlen frühestens ab Mittwoch, dem 11.11. hätten zurückgehen sollen (festzustellen mit den Daten der Lageberichte). Dies ist so nicht eingetreten.
  • Seit Montag (16.11.) zeichnete sich ab, dass die Fallzahlen nicht mehr steigen bzw. sehr langsam zurückgehen (im Mittel um -0,7% pro Tag).Derzeit entwickeln sich die Fallzahlen stabil auf demselben hohen Niveau von ca. 18.000 Neufällen pro Tag.
  • Bei diesen Fallzahlen wird die Aufklärungsquote durch die Gesundheitsämter deutlich unter 50 % liegen, was den Erfolg ihrer Arbeit weiterhin stark einschränken wird.
  • Die Maßnahmen sind am 25. November bis 20. Dezember verlängert worden.
  • Eine stärkere Wirkung als bisher beobachtet ist jedoch nicht zu erwarten.

Kurz vor ursprünglich geplantem Ende: Lockdown kann Zahl der Neuinfektionen lediglich stabilisieren

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

Erste Zwischenbilanz der Wirkung des Lockdown
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Bundesländer

21.11.2020

Lockdown-Zwischenbilanz: Berlin und Sachsen verschlechtern sich auf hohem Niveau - Saarland und Hamburg können sich stark verbessern

  • Verglichen werden die beiden Wochen zu Beginn des Lockdown (5. bis 11. November) mit der anschließenden Woche (12. bis 18. November), in der die bundesweite Steigerung bereits gestoppt war.
  • Berlin zeigt auch in der Altersgruppe 80+ Spitzenwert.
  • Im Unterschied zu Berlin können sich die Stadtstaaten Hamburg und Bremen verbessern.
  • Bayern und Hessen können sehr sehr hohe Ausgangswerte senken.
  • Östliche Bundesländer legen alle zu, allerdings von relativ geringen Ausgangswerten (Sachsen hat hohen Ausgangswert)
  • Die Flächenländer Baden-Württemberg und Niedersachsen können sich bei unterdurchschnittlichen Ausgangswerten verbessern.
  • Derzeit nur zwei Bundesländer unter der offiziellen Interventionsgrenze von 50 Neuinfektionen je 100.000 EW in 7 Tagen: Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Lockdown-Zwischenbilanz: Berlin und Sachsen verschlechtern sich auf hohem Niveau - Saarland und Hamburg können sich stark verbessern

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

Berlin und seine Bezirke

22.11.2020

Berliner Bezirke teils mit exorbitanten Steigerungsraten von über 60 Prozent

  • Verglichen werden die beiden Wochen zu Beginn des Lockdown (5. bis 11. November) mit der anschließenden Woche (12. bis 18. November), in der die bundesweite Steigerung bereits gestoppt war.
  • Neukölln und Mitte: Problembezirke legen noch einmal zwischen 10 und 17 Prozent zu.
  • Friedrichshain-Kreusberg: Zuwachs im Lockdown von über 60 Prozent!
  • Spandau und Steglitz-Zehlendorf ebenfalls mit exorbitanten Steigerungsraten von 30 und 50 Prozent.
  • Nur vier Bezirke mit rückläufigen Zahlen.
  • Berliner Gesundheitsbehörden müssen die Öffentlichkeit über die Ursachen informieren.

Berliner Bezirke teils mit exorbitanten Steigerungsraten von über 60 Prozent

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

Deutschland

28.11.2020

Reproduktionswert bei 1,0 zeigt an, dass im Bundesdurchschnitt die Inzidenz nicht mehr weiter steigt, auf hohem Niveau stagniert
  • Dies entspricht dem Befund, der im Rahmen der tagesaktuellen Berichterstattung auf Basis der Lageberichte des RKI gewonnen wurden.
  • Um wieder zu geringeren Zahlen von Neufällen zu kommen, muss der Reproduktionswert längerfristig deutlich unter 1,0 sinken.
  • Ob der aktuelle Lockdown kann dies nicht bewirken.

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES (IGES R7 Wert)

Wird die Kapazität der Intensivbetten ausreichend sein?

Deutschland

14.11.2020

Inanspruchnahme und Angebot an Intensivbetten in Krankenhäusern (Stand 9.11.)

  • Die Inanspruchnahme von Intensivbetten steigt seit Anfang Oktober. Am 9. November waren dies knapp 3.000 Patienten, darunter knapp 1.700 Patienten, die beatmet wurden.
  • Die insgesamt genutzte Kapazität von Intensivbetten betrug über den gesamten Zeitraum etwa 21.500 Betten.
  • Für die knapp 3.000 Covid19-Patienten wurden keine zusätzlichen Betten aus der Reserve mobilisiert, sodass die Zahl der für non-Covid19-Patienten um ca. 3.000 Fälle seit 15.8. abnahm.
  • Der Grund dafür könnte darin liegen, dass für die gemeldete Reserve-Kapazität kein Personal zur Verfügung steht, sodass die gemeldete Reserve im funktionalen Sinne unter Umständen gar nicht existiert.
  • Auffällig ist, dass die Reserve an Intensivbetten ab Oktober um ca. 2.100 gesunken ist. Zu diesem Zeitpunkt lief das Programm der Bundesregierung aus, das den Krankenhäusern Ausgleichszahlungen für Behandlungskapazitäten gewährte für die Freihaltung von Reserven für Covid19-Patienten.
  • Insgesamt ist im Bundesdurchschnitt derzeit nicht mit Engpässen bei der intensivmedizinischen Versorgung von Covid19-Patienten zu rechnen.
  • Die Situation kann sich regional allerdings kritischer darstellen.

Inanspruchnahme und Angebot an Intensivbetten in Krankenhäusern (Stand 9.11.)

Quelle: IGES Institut nach DIVI (Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin)

Deutschland

28.11.2020

Tägliche Zunahme der Zahl der Intensivpatienten geht zurück. Rückgang aber immer wieder durch einzelne Tage mit hohen Zuwächsen unterbrochen.

  • Der ungewöhnlich starke Anstieg am 22.11. gegenüber dem Vortag ist v.a. auf folgende Kreise zurückzuführen: LK Saar-Pfalz-Kreis, LK Rhön-Grabfeld, SK Nürnberg, LK Rhein-Erft-Kreis und Berlin mit jeweils 5 bis 9 zusätzlichen Fällen.
  • Gesamtzahl der Intensivpatienten betrug am 21. November 3.781.
  • Angaben zu Neuinfektionen sind nach dem 21.11. aufgrund des Meldeverzugs nicht verlässlich und werden daher nicht berichtet.

Tägliche Zunahme der Zahl der Intensivpatienten geht zurück. Rückgang aber immer wieder durch einzelne Tage mit hohen Zuwächsen unterbrochen.

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI und DIVI

Fallhäufigkeiten auch nach dem Lockdown sehr unterschiedlich.

Bundesländer

27.11.2020

Berlin bleibt auch nach dem Lockdown Spitzenreiter.
  • Herbstferien sind hellrot markiert.
  • Berlin ist Spitzenreiter.
  • Brandenburg, Thüringen und Sachsen nehmen noch zu.

Quelle: Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. IGES Institut Berechnungen nach RKI

Deutschland

27.10.2020

Restaurants und Hotels als Orte der Infektion?

Die aktuellen Informationen des Robert-Koch-Instituts weisen eine vernachlässigbare Zahl von Infektionen in "Speisegaststätten" und "Übernachtungen" aus.
Büroarbeitsplätze werden nicht gesondert ausgewiesen, spielen aber vermutlich eine nur untergeordneten Rolle (Tagesschau vom 22.8.2020)
Vor diesem Hintergrund kann in Frage gestellt werden, ob die neuesten Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie ihren Sinn haben.

Restaurants und Hotels als Orte der Infektion?

Quelle: RKI Lagebericht vom 27.10.2020

Bundesländer

Die Stadtstaaten als Treiber des Corona-Infektionsgeschehens

27.11.2020

  • Berlin eilt allen Bundesländern voraus, insbesondere angetrieben vom Bezirk Neukölln mit etwa dreimal so hohen Werten.
  • Bremen hatte zwischendurch Berlin überholt aber mit Beginn des Lockdown Anfang November einen signifikanten Rückgang geschafft.
  • Hamburg zeigt ebenfalls einen markanten Rückgang seit Anfang November.

Quelle: IGES Institut; Daten RKI und IGES

Bundesländer

28.11.2020

Berlin und Sachsen deutlich über Bundesdurchschnitt. Hessen und Bayern wieder überdurchschnittlich

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

Stadt- und Landkreise

25.10.2020

Die zehn am stärksten betroffenen Kreise
  • Rottal-Inn: Überwiegend junge Männer betroffen. Mehrere Ausbrüche in der Vergangenheit.
  • Berchtesgadener Land: Ebenfalls junge Männer. In der Vergangenheit immer wieder auffällig.
  • Delmenhorst: Junge Familien. Vereinzelte Ausbrüche in der Vergangenheit. Keine Informationen öffentlich zugänglich.
  • Weiden in der Oberpfalz: Ebenfalls vereinzelte Ausbrüche. Erster Ausbruch im September: "Die hohe Zahl an Neuinfektionen sei überwiegend auf Reiserückkehrer zurückzuführen, sagte eine Sprecherin der Stadt Weiden."
  • Düren: Junge Männer betroffen. Erhöhte Inzidenz um das Ferienende in NRW.
  • Solingen: Laufend Phasen erhöhter Inzidenz. Junge Familien.
  • Frankfurt am Main: Lange Phasen erhöhter Inzidenz. Urlaubsrückkehrer nach Ende der Sommerferien stark betroffen. Junge Familien sind Schwerpunkt.
  • Cloppenburg: "Ausbrüche in größeren Familieneinheiten" hätten laut Landkreis "wesentlich zu den hohen Infektionszahlen von heute beigetragen." Derzeit vor allem junge Männer als Schwerpunkt.
  • Erzgebirgskreis: Lange Zeit unauffällig. Erste Häufung Ende September. Junge Männer und Senioren sind Schwerpunkte
  • Duisburg: Praktisch durchgehend deutlich überdurchschnittlich betroffen.
  • Siehe auch: Analysen / Kreise

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI und IGES. Für Detailbetrachtungen können einzelne Kreise durch Klicken auf den Namen des Kreises hervorgehoben oder abgewählt werden.

Charakterisierung des derzeitigen Ausbruchsgeschehens

Bevölkerungsindikatoren
Durchschnittsalter: Eher gering. Ausnahme Erzgebirgskreis.
Ausländeranteil: Eher überdurchschnittlich. Ausnahme Erzgebirgskreis.
Bevölkerungsdichte: Unterschiedlich. Bisher unauffällige Kreise sind eher dünn besiedelt und haben meist relativ geringe Einwohnerzahlen.
Einkommen je Einwohner: Überwiegend unterdurchschnittliches Einkommen.

Infektionsindikatoren
Kreise vielfach bisher unauffällig.
Vielfach junge Männer betroffen.

Zusammenfassung:
Die Pandemie hat vielfach Orte erfasst, die in der Vergangenheit immer wieder sichtbare Ausbrüche hatten, jedoch damit keine besondere Auffälligkeit erreicht hatten,
Betroffen sind vor allem junge Männer.
Die allgemein zugänglichen Informationen sind äußerst dürftig.
Analysen der RKI-Daten, können wichtige Hinweise geben

Als Ursachen kommen in Frage:
1. Ausbrüche in Massenunterkünften, z.B. für Asylbewerber
2. Männerdominierte Parties
3. Lokale Communities mit geringer Adhärenz an allgemeingültige Vorschriften.

Mögliche Maßnahmen:
a. Clusterbezogene Maßnahmen wie z.B. Abriegelungen
b. Höhere Präsenz von Ordnungskräften
c. Gezielte Beeinflussung von Communities. Genaue Informationen liegen bei den Gesundheitsämtern vor insbesondere in kleineren Kreisen.

Bayern

11.11.2020

Kreise in Bayern mit steilen und hohen Anstiegen
  • ...

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

2. Entwicklungen

Rückblicke und Ausblicke

Deutschland

Deutschland

23.10.2020

Meilensteine und Phasen der bisherigen Entwicklung sind:
  1. Erster Ausbruch in Heinsberg
  2. 1. Lockdown
  3. Höhepunkt der Neufälle pro Tag (KW14)
  4. Geringste Zahl der Neufälle
  5. Höhepunkt der Ausbrüche in der Fleischindustrie und großen Familienverbünden (Göttingen, Neukölln) (KW25)
  6. Zwischentiefpunkt
  7. Erste Rückkehrerwelle (NRW und Hessen - KW34)
  8. Zweite Rückkehrerwelle (Bayern und Baden-Württemberg
  9. Größere Ausbrüche überwiegend im Familienkontext (KW39)
  10. Beginn des massiven Anstiegs
  11. Effekt der Herbstferien
  12. 2. Lockdown
  13. 25.11.: Verlängerung bis 20. Dezember

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

Die Entwicklung der Fälle nach Alter und Geschlecht

Eine wesentliche Voraussetzung zur Prävention weiterer Infektionsfälle besteht in der genauen Analyse der Konstellationen. An dieser Stelle wird dargestellt, wie alleine eine sorgfältige Analyse der demografischen Verhältnisse einiges aufklären kann. Das spezifische Wissen in den Gesundheitsämtern und nachgelagerten Behörden sollte dennoch verstärkt genutzt werden.

Deutschland

Die 20- bis 29jährigen sind während der gesamten Epidemie die wesentlichen Treiber

  • Die Grafiken zeigen jeweils Schichten von absoluten Zahlen von Neuinfektionen nach Altersgruppen und Kalenderwochen.
  • In der 11. bis 13. Kalenderwoche sind die Fallzahlen der ersten Welle zu sehen (Vordergrund). Auffällig ist eine Dreigipfligkeit (20-29, 50-59, 80+)
  • Diese Dreigipfligkeit ist auch heute sichtbar, obwohl der Altersgipfel von 80+ Jahren zumindest relativ zu relativ zurückgegangen ist.
  • Seit dem Ende der ersten Welle bleibt die Altersgruppe der 20- bis 29jährigen auffällig: Männer in dieser Altersgruppe haben durchgehend höhere Werte. Diese steigern sich:
  • 1. in der 25. Woche (ab 17. Juni). Hier koinzidieren die Ausbrüche in der Fleischindustrie und Infektionen nach dem Zuckerfest. Diese sind auch bei den Frauen sichtbar.
  • 2. In der 34. Woche (ab 19. August) kommt es zu einem Maximum an Fällen in dieser Altersgruppe, bei den Männern deutlich stärker als bei den Frauen. Vermutlich reisen nicht nur Familien aus ihrem Heimaturlaub zurück, sondern auch alleinstehende Männer.
  • 3. bis zur 41. Woche (ab 7. Oktober) steigern sich die Fallzahlen in dieser Altersgruppe noch relativ isoliert von den anderen Altersgruppen. Danach kommt es in nahezu allen Altersgruppen zu Steigerungen. Hochzeiten und andere große Veranstaltungen im Familienkreis spielen hierbei sicherlich eine wichtige Rolle.
  • Durch Presseartikel verbürgt sind seit Mitte September Ereignisse in Bremen, Viersen, Dortmund, Hamm, Fulda, Altenkirchen, Mainz-Bingen, Tuttlingen, Saarbrücken, und Bremen.
  • Die Entwicklung der Infektionslage in der gesamten Bevölkerung weist dieser Altersgruppe - insbesondere den Männern - eine zentrale Rolle zu.
  • Nach dem Ende der derzeitig präsenten zweiten Welle wird es unumgänglich sein, diese Altersgruppe stärker zu fokussieren. Dabei müssen sowohl die verschiedenen Untergruppen gesondert fokussiert werden als auch die Lebenssituation dieser Altersgruppe, die sich in ihrer generativen Lebensphase befindet. Hochzeiten sind ein wesentliches Element dieser Phase.

Die 20- bis 29jährigen sind während der gesamten Epidemie die wesentlichen Treiber

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI (SurvStat)

Deutschland

28.10.2020

Schulkinder zeigen geringsten Anstieg - Risikogruppen den höchsten

Schulkinder haben die geringsten Steigerungsraten bei den Corona-Neuinfektionen und sind kleine Gruppe unter den Infizierten.
Schule als Treiber der Inzidenz kommt als allgemeiner Faktor daher weniger in Frage.
Die höchsten Altersgruppen haben die stärksten Steigerungsraten: 55 bis 65jährige mit hohen absoluten Werten.
Hochaltrige über 80 Jahren sind alarmierend häufig vertreten.
Sicherungsmaßnahmen in Pflegeeinrichtungen sollten nachgebessert werden.

Führt der Wiederanstieg der Fallzahlen zu einem Anstieg der Todesfälle?

Deutschland

26.10.2020

Todesfälle bleiben trotz Anstieg der Fallzahlen weiterhin sehr niedrig
  • Derzeit sterben im gesamten Bundesgebiet pro Tag nur etwa zehn bis zwölf Menschen (im 7-Tage-Mittel) im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion.
  • Auf dem März-Gipfel der Pandemie lag die Zahl der Todesfälle jedoch bei 320, obwohl die Fallzahlen nur halb so groß waren.
  • Der entscheidende Grund ist, dass die Pflegeheime vor Corona-Infektionen effektiv geschützt werden konnten.
  • Durch die Verschiebung des Infektionsgeschehens hin zu Familien ist das Durchschnittsalter der Corona-Infizierten stark gesunken.
  • Die leichte Zunahme der Todesfälle ist in Verbindung damit zu sehen, dass die Fallzahlen bei älteren und alten Menschen besonders stark zunehmen.
  • Die Schutzkonzepte für Pflegeeinrichtungen sollten daher überprüft werden.

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

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Bundesländer

Bundesländer

17.11.2020

Infektionsgeschehen im September und Oktober weithin von Männern geprägt. Seit Ende Oktober Übergang zu Familienstrukturen. In Sachsen sind vor allem Alte betroffen.
  • In der Phase des steilen Anstiegs waren vielfach Männer (M - blau) überrepräsentiert.
  • In der letzten Phase des Anstiegs sind durch die hohen Zahlen der Neuinfektionen eher Familien (F - grün) betroffen.
  • In östlichen Bundesländern, insbesondere in Sachsen, sind sehr stark ältere Menschen (P - grau) betroffen.

Stadt- und Landkreise

Die sieben Kreise mit der bisher größten Fallhäufigkeit

28.10.2020

  • Hinweis: Zu beachten ist, dass die hier gezeigten Werte für jeden Tag separat ausgewiesen werden. Die im Beschluss von Bund und Ländern gezogene Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern wird hingegen kumulativ über sieben Tage berechnet. Um mit dieser Grenze von 50 kompatibel zu sein, sind die im Monitor ausgewiesenen Werte mit sieben zu multiplizieren. Dies bedeutet, dass ein Wert von 7,1 Neuinfektionen pro 100.000 EW im Monitor einem Wert von 50 entspricht, wenn dieser als offizieller Grenzwert kumuliert über sieben Tage verstanden wird.
  • Die ersten drei Großausbrüche fallen in die Zeit der allgemeinen Ausbruchswelle im März und April. Alle drei befinden sich in Bayern. Sie sind gekennzeichnet dadurch, dass die Bevölkerung in der Region durchweg infiziert worden ist. Alte Menschen waren genauso betroffen und trugen am meisten zu der damals hohen Sterblichkeit bei.
  • Die Ausbrüche in Gütersloh und Dingolfing waren auf Beschäftigte konzentriert, die überwiegend aus dem osteuropäischen Ausland stammten und als Saisonkräfte oder Leiharbeitnehmer mittels Werkverträgen eingesetzt waren. In Gütersloh waren dies hauptsächlich Männer, die in der Fleischindustrie tätig waren, in Dingolfing handelte es sich um Erntehelfer, wobei Männer und Frauen gleichermaßen betroffen waren.
  • Das Geschehen im Berchtesgadener Land ist bemerkenswert, weil es zunächst klar schien, dass eine "Amerikanerin" fahrlässig zahlreiche Infektionen ausgelöst habe (Tagesschau vom 12.9.2020). Diese Hypothese musste jedoch zurückgenommen werden (Die Zeit Nr. 41 vom 1.10.2020). Am 20.10. äußert sich Landrat Kern, dass es sich um ein diffuses Geschehen handele (Passauer Neue Presse vom 20.10.2020)

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI

3. Analysen

Faktoren, die die Corona-Pandemie beeinflussen

Deutschland

Deutschland

29.11.2020

Lockdown-Verlierer sind östlich und ländlich

  • Bevölkerungs- und ökonomische Faktoren spielen eine Rolle in Bezug auf die Entwicklung der Pandemie in Deutschland.
  • Vor diesem Hintergrund wurden wiederholte multiple Regressionen durchgeführt, um Inzidenz und nun auch die Reaktion der Kreise auf den neuerlichen Lockdown zu untersuchen.
  • Am Ende der Sommerferien waren insbesondere der Anteil der Ausländer an der Bevölkerung der 401 Kreise sowie die Bevölkerungsdichte starke Prädiktoren für die Inzidenz: Je höher der Anteil der Ausländer und je höher die Dichte der Bevölkerung (EW/qm), desto höher war die Inzidenz eines Kreises.
  • Seit Anfang November haben sich aber ganz andere Konstellationen ergeben: Die Bevölkerungsdichte ist zwar immer noch ein signifikanter Prädiktor, jetzt allerdings umgekehrt: Je weniger dicht besiedelt, also je ländlicher ein Kreis ist, desto weniger reagiert er auf den Lockdown. Kreise mit ländlicher Struktur zeigen im Lockdown einen leichten, aber signifikanten Anstieg im Unterschied zu dichter besiedelten Kreisen.
  • Ob ein Kreis in einem östlichen Bundesland liegt (ohne Berlin) spielt dagegen eine erhebliche und statistisch signifikante Rolle: Kreise im Osten zeigen seit Beginn des Lockdown einen Anstieg von 15 Prozent, während Kreise im Westen um zwei Prozent abnehmen.
  • In diesem Kontext ist es bedeutsam, dass die östlichen Bundesländer mit deutlicher Verspätung und von einem sehr viel geringeren Niveau von der zweiten Welle erfasst worden sind. Die These, dass sie sich lange Zeit in Sicherheit gefühlt haben, ist nicht von der Hand zu weisen.
  • Dennoch ist noch nicht aufgeklärt, wie sich die Übertragung vollzogen hat.

Lockdown-Verlierer sind östlich und ländlich

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

Sommerferien hatten Infektionen durch Urlaubsrückkehrer zur Folge

  • Das RKI gibt für die 34. Kalenderwoche (17. - 23. August) an, dass 49 Prozent aller Neufälle mit ermitteltem Infektionsort auf einen Ort im Ausland entfielen (Lagebericht vom 8.9.2020).
  • Die Lageberichte des RKI weisen die Balkanländer zu annähernd zwei Dritteln als Infektionsort aus, wenn dieser außerhalb von Deutschland lag.
  • Klassische Ferienländer wie Spanien, Italien, Frankreich und Österreich spielen im Hinblick auf die Neuinfektionen eine untergeordnete Rolle.
  • Als Ursachen werden vom RKI "Reisen im Familienverbund" genannt (Lagebericht vom 8.9.2020)
  • Die Statistik des RKI umfasst die Kalenderwochen 25-36 mit insgesamt 46.051 Fällen, bei denen ein ausländischer Infektionsort mit dem Coronavirus ermittelt wurde. Ein Infektionsort konnte insgesamt in knapp 70 Prozent aller Fälle ermittelt werden. Serbien und Montenegro wurden nicht in allen Lageberichten gesondert ausgewiesen und daher der Rubrik "Andere" zugeordnet.

Anteil der Auslandsinfektionen an den Infektionen mit bekanntem Infektionsort

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

Deutschland

28.11.2020

Anteil der Auslandsinfektionen an den Infektionen mit bekanntem Infektionsort

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Balkanländer mit Abstand wichtigste Herkunftsländer für Auslandsinfektionen

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

Deutschland

28.11.2020

Balkanländer mit Abstand wichtigste Herkunftsländer für Auslandsinfektionen

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Deutschland - Kosovo

28.11.2020

Inzidenz im Kosovo, Flüge von Kosovo nach Deutschland und Infektionen aus dem Ursprungsland Kosovo stehen in deutlichem Zusammenhang

  • In der 30. bis 34. Kalenderwoche (Mitte Juli bis Mitte August) kam es zu einer Steigerung der Inzidenz zwischen 24 und 32 Prozent pro Woche. Damit war längerfristig der Weg bereitet für die ab Oktober stark steigenden Fallzahlen.
  • Zu dieser Zeit (z. B. 34. Woche) betrug der Anteil der Fälle mit bekanntem Ansteckungsort (77 Prozent aller Fälle), denen eine Ansteckung im Ausland zugrunde lag, 64 Prozent.
  • Kosovo nimmt den Spitzenplatz ein.
  • Im Kosovo lagen im Sommer bis zu zehnfach höhere Inzidenzraten vor als in Deutschland (Daten vom Euro-pean Center for Disease Control).
  • Die Zahl der Flüge von Kosovo (Flughafen Pristina) nach Deutschland stieg von knapp 30 auf über 40 Flüge mit geschätzten 5.000 bis 7.500 Passagieren pro Woche (nach Daten der Deutschen Flugsicherung).
  • Da Kosovo nur sehr wenig von Touristen besucht wird, ist davon auszugehen, dass die Flüge überwiegend mit dem Ende der Ferien in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern in Verbindung stehen.
  • Urlaubsrückkehrer aus dem Kosovo ließen in diesem Zeitraum die Fallzahlen in Deutschland um wöchentlich bis zu 900 Fälle ansteigen.
  • Die Zunahme der Zahl der Flüge ab Mitte Oktober deutet darauf hin, dass auch die Herbstferien wieder zu vermehrten Rückreisen nach Deutschland geführt haben. Aufgrund der erneut gestiegenen Inzidenz ist wieder mit vermehrten Infektionsfällen zu rechnen.
  • Ein wesentliches Element der Infektionsbekämpfung sollte in Zukunft die wirksame Unterbindung von Auslandsinfektionen sein.

Inzidenz im Kosovo, Flüge von Kosovo nach Deutschland und Infektionen aus dem Ursprungsland Kosovo stehen in deutlichem Zusammenhang

Quelle: IGES Analysen auf Basis von RKI, ECDC und Deutsche Flugsicherung

Die Explosion der Fallzahlen im Oktober baute sich in mehreren Phasen auf

Deutschland

27.10.2020

Mehrere Phasen zu erkennen. Laufende Steigerung der Inzidenz seit der 1 Rückkehrer-Welle

  • TOP50 Kreise: 50 Kreise, die am 24. Okt. die höchste Inzidenz (Neufälle je 100.000 EW) hatten
  • andere Kreise: 349 Kreise, die am 24. Okt. nicht zu den TOP 50 Kreisen gehörten
  • abzüglich der Kreise Gütersloh und Warendorf, die eine besondere Dynamik hatten (Ausbrüche in der Fleischindustrie).

Mehrere Phasen zu erkennen. Laufende Steigerung der Inzidenz seit der 1 Rückkehrer-Welle

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

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  • Zusammenfassung:
  • Phase A: Zum Ende der 1. Rückkehrwelle von Heimaturlaubern entwickelt sich ein zunehmend enger Zusammenhang zwischen Bevölkerungsdichte und Ausländeranteil sowie der Inzidenz. Hohe Inzidenzen kommen bevorzugt in dichtbesiedelten Kreisen vor, in denen Ausländer einen überdurchschnittlichen Anteil an der Bevölkerung stellen.
  • Phase B: In dieser Phase findet die 2. Rückkehrer-Welle statt (vorwiegend Bayern und Baden-Württemberg) sowie insbesondere in NRW eine deutlicher Anstieg der Inzidenz, wobei große Hochzeiten und Familienfeiern eine wichtige Rolle spielen. Neben den bereits genannten Faktoren sind hohe Inzidenzwerte dort zu finden, wo die Bevölkerung überdurchschnittlich jung ist und wo eher überdurchschnittlich einkommensstarke Menschen leben (Metropolregionen).
  • Phase C: In der Phase der explodierenden Inzidenz sind besonders hohe Werte mit hohem Ausländeranteil und hoher Bevölkerungsdichte verknüpft.
  • Insgesamt zeigt sich, dass der schrittweise Aufbau der Inzidenz im Zusammenhang mit einer Kombination von Ausländeranteil und Bevölkerungsdichte zu verstehen ist.
  • Dies sollte sowohl bei der Gestaltung nachhaltiger Interventionen berücksichtigt werden als auch bei der Zuwendung der dafür erforderlichen finanziellen Ressourcen.

Die Erhöhung der Zahl der Tests ist nicht der entscheidende Faktor für die Erhöhung der Zahl der Neuinfektionen.

Deutschland

28.11.2020

Anzahl der Tests, der Neuinfektionen und der Positivenquote

  • Verschiedentlich wird bezweifelt, dass die aktuell ablaufende 2. Welle der Pandemie eine echte Erhöhung darstellt. Es wird vermutet, dass entweder die aktuellen Fallzahlen durch vorwiegend symptomarme Betroffene mit geringen Krankheitszeichen angereichert sind. Andere vermuten, dass auch schon im März und April ähnlich hohe Fallzahlen zustande gekommen wären, wenn so viel getestet worden wäre wie heutzutage.
  • Tatsächlich hat sich die Zahl der Tests wöchentlich von ca. 0,4 Mio. pro Woche auf 1,6 Mio. erhöht (untere Abbildung).
  • Die Anzahl der Neuinfektionen zeigt den zweigipfligen Verlauf der beiden Wellen.
  • Die "Positivenquote" (Quote aus Anzahl der Tests und Anzahl der Neuinfektionen) zeigt ebenfalls einen Verlauf, der der Anzahl der Neuinfektionen ähnlich ist.
  • In den Phasen B und D bleiben die Testzahlen relativ gleich - die Anzahl der Neuinfektionen und die Positivenquote ändern sich jedoch.
  • In der Phase C steigt die Anzahl der Tests die Anzahl der Neuinfektionen aber nur geringfügig.
  • In der Phase E (KW41 bis KW45) steigt die Anzahl der Tests um 35 Prozent, während die Zahl der Neuinfektionen um 325 Prozent stieg - die Positivenquote von 2,5 auf 7,9 Prozent.
  • Wenn es nun zutreffen würde, dass es bereits im März ähnlich hohe Fallzahlen gegeben hätte wie heute (ca. 18.000), wäre zu erwarten gewesen, dass die damals täglich durchgeführten 58.000 Tests zu etwa einem Drittel positiv gewesen wären. Dies war aber nicht der Fall es sei denn, dass massive systematische Verzerrungen im Zugang zu Tests stattgefunden hätten, was aber nicht wahrscheinlich ist.
  • Vor diesem Hintergrund lässt sich die These von der Test-Induzierung der Inzidenz sicherlich nicht halten was die Aussage des RKI zu dieser Problematik stützt.

Anzahl der Tests, der Neuinfektionen und der Positivenquote

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

Digitale Medien in Deutschland

28.11.2020

Berichte über Ursachen der Pandemie kommen in Nachrichtenmedien kaum vor

Von dem „Content Intelligence“ Dienstleister "Ubermetrics" werden seit 28. September sämtliche digital veröffentlichten Artikel in deutscher Sprache (incl. transkribierte Audio- und Videobeiträge) zur Analyse bereitgestellt, die Begriffe wie "Corona", "Covid19" u. ä. enthielten.
Dies waren bis 15. November ca. 2 Millionen "Erwähnungen" (Artikel).
In dieser Menge waren ca. 10.000 Artikel enthalten, in denen auch der Begriff "Ursache" vorkam (0,5 Prozent).
In dieser Teilmenge fanden sich 541 Artikel, in denen der Begriff "Ursache" nicht mehr als zehn Wörter entfernt von Begriffen wie "Corona" standen (0,3 Promille).
Auf Twitter entfielen 340 Artikel und auf weitere "Usermedien" noch einmal 97 Artikel (zusammen 437 bzw. 0,22 Promille).
Auf die klassischen Nachrichtenmedien (Tagespresse) entfielen 104 Artikel (0,05 Promille).
Gut die Hälfte der Artikel aus den Nachrichtenmedien entfiel auf den 21. Oktober und die beiden Tage danach. Dies steht mit der Berichterstattung über das Berchtesgadener Land, in dem erstmalig seit April wieder ein kompletter Lockdown angeordnet worden war (siehe Abbildung).
Die meistgenannte Assoziation zu „Ursache“ zog der Begriff „diffus“ auf sich. Der dortige Landrat wurde in der Presse vielfach mit den Worten zitiert „Es ist nicht so, dass eine Gemeinde auffällig ist. Ich kann nur sagen: ‚Diffuses Infektionsgeschehen im Landkreis'.‘“
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Dieser Befund illustriert die massive Lücke, die die traditionellen Nachrichtenmedien offen lassen. Das Bedürfnis nach einer Erklärung für das, was aktuell geschieht und solche massiven Bedrohungen erzeugt, sucht sich seine Befriedigung eher bei Twitter. Dort landet es aber bei Inhalten, die sich häufig nicht auf Quellen beziehen, die einer faktenbasierten Überprüfung standhalten. In diesem Zusammenhang mag auch stehen, dass der Anstieg der Artikel in den Usermedien um den 1. November herum stattfindet (siehe Abbildung), als die Marke von 17.000 Neuinfektionen pro Tag überschritten wurde. Die Frage nach dem "warum" findet praktisch nur hier Antworten.

Berichte über Ursachen der Pandemie kommen in Nachrichtenmedien kaum vor

Quelle: IGES Analysen mit Daten von Ubermetrics

Bundesländer

Deutschland nach Bundesländern

28.10.2020

Östliche Bundesländer mit besonders geringer Fallhäufigkeit

  • Zwischen der Fallhäufigkeit und dem Ausländeranteil (lt. Statistischem Bundesamt) gibt es auch in dem aktuellen massiven Anstieg der Inzidenz einen starken statistischen Zusammenhang.
  • Bei der Verteilung von Ressourcen an die mit dem Infektionsschutz beauftragten Institutionen ("Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst" (BMG vom 5.9.2020)) sollte ein Ausgleich dieses Faktors diskutiert werden - sowohl auf Länder- als auch auf Kreisebene.

Östliche Bundesländer mit besonders geringer Fallhäufigkeit

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, Statistisches Bundesamt

Stadt- und Landkreise

Auf Kreisebene zeigen sich Entwicklungen, die für gezielte Entscheidungen zu nutzen wären

Die Analyse zweier Kreise, die derzeit massive Ausbrüche zeigen legt nahe, dass es bisher keine präzise Analyse oder ausreichend wirksame Maßnahmen gegeben hat. Die Nachrichtenlage über die Ursachen der Ausbrüche ist in beiden Kreise stellvertretend für viele andere schwach.

Berchtesgadener Land
Der Landkreis ist derzeit so stark betroffen, dass er praktisch die Stärke des Ausbruchs in Gütersloh (Tönnies Schlachthof) erreicht (siehe oben).
Von den Verantwortlichen wird ein diffuses Geschehen angenommen.
Vor diesem Hintergrund sollte berücksichtigt werden, dass der Landkreis über Monate immer wieder von Ausbrüchen betroffen war, die teilweise den Bundesdurchschnitt um das Vierfache überschritten haben.
Die gezielte Auswertung der Meldungen zu diesen Fällen dürfte eine ergiebige Quelle von Informationen sein, die eingesetzt werden könnten, um weiteren Ausbrüchen vorzubeugen.

Berlin Neukölln
Neukölln hat gegenwärtig (Ende Okt.) erhöhte Werte im Vergleich zu
Berlin gesamt: 3x
Deutschland: 5x
Marzahn: 10x
Die erhöhte Inzidenz besteht über das ganze Jahr und betrifft alle markanten Phasen der Pandemie:
* Der Lockdown hatte deutlich weniger Wirkung als im restlichen Berlin.
* Obwohl noch im Lockdown, stieg die Inzidenz in den Osterferien auf den doppelten Berliiner Wert.
* Private Feiern am Zuckerfest führten zu einer wochenlangen Überinzidenz.
* Die gilt auch für den Rückreiseverkehr,
Marzahn zeigt ein völlig anderes Profil.
Wenn zielgruppenspezifische Maßnahmen ergriffen worden waren, waren sie bislang nicht wirksam.
Dringend sind hier Nachbesserungen erforderlich.
Allgemeingültige Maßnahmen für ganz Berlin sind besonders zu begründen.

Historie der Ausbrüche der aktuell zehn am meisten betroffenen Kreise im Zeitraum vom 1.5. bis 30.9. des Jahres.

Mit einer Ausnahme (Erzgebirgskreis) hatten alle Kreise im Vorfeld zahlreiche Ausbrüche. Die oben gestellten Fragen sollten beantwortet werden.

Gibt es weitere Hinweise für das Management der Pandemie auf regionaler Ebene?

.

Die 20 bevölkerungsreichsten Stadt- und Landkreise

28.11.2020

Dresden und Berlin legen am stärksten zu -

  • Multivariate Analyse mit Bevölkerungsindikatoren ergibt "Residuen".
  • Residuen sind prozentuale Veränderungen die angeben, um wie viel die Veränderungsraten nach dem Lockdown über- oder unterschritten werden unter Berücksichtigung des jeweiligen Indikatorenprofils eines Kreises.
  • Darin kann zum Ausdruck kommen, wie "gut" ein Kreis seine epidemiologische Situation kontrolliert.
  • Ein hoher Residuenwert bedeutet, dass ein Kreis eine für seine Verhältnisse (Bevölkerungsdichte, Ausländeranteil) unerwartet hohe Inzidenz hat.
  • Unter Berücksichtigung der Bevölkerungsgrüße kann berechnet werden, um wie viele Fälle pro Tag ein Kreis seine erwartete Fallzahl über- oder unterschreitet.
  • Beispiele:
  • Dresden: überschreitet seine Inzidenz vor Lockdown um 61,7 Prozent. .
  • Berlin: ...
  • München: ...

Dresden und Berlin legen am stärksten zu -

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI und Statistischem Bundesamt

Berchtesgadener Land

28.11.2020

Entstehung des enormen Anstiegs nicht aus heiterem Himmel.

  • Im Landkreis Berchtesgadener Land war ab der 42. Woche ein enorm steiler Anstieg der Fallzahlen zu beobachten.
  • Von lokalen Stellen wurde das Geschehen als "diffuses" Geschehen wahrgenommen.
  • Eine Betrachtung der Vorgeschichte des Anstiegs zeigt allerdings, dass bereits in der 34. Kalenderwoche unter den 15- bis 34jährigen über Wochen ein erhöhtes Infektionsgeschehen zu beobachten war.
  • Für diese Zeit weisen zahlreiche andere Befunde darauf hin, dass eine erhöhte Rückreisetätigkeit aus Heimatländer als mitverursachend anzunehmen ist.
  • Zwischen der 39. und 41. Woche zeigten sich kleinere Ausbrüche on den Altersgruppen zwischen 20 und 59 Jahren.
  • Ab der 42 KW kam es zu einem massiven Anstieg in allen Altersgruppen.
  • Eine Erklärung dafür könnte sein, dass insbesondere jüngere Menschen als asymptomatisch Infizierte oder mit geringen Symptomen unentdeckt breitere Bevölkerungskreise angesteckt haben könnten.
  • Kleinere Ausbrüche sollten in Zukunft konsequent aufgeklärt werden und entsprechende Maßnahmen ergriffen (konsequente Quarantäne), um massive Konsequenzen wie einen kompletten Lockdown zu vermeiden.

Entstehung des enormen Anstiegs nicht aus heiterem Himmel.

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

4. IGES Pandemie Monitor

Ausgangspunkt und Ziele

Corona-Pandemie: viel Information - wenig Orientierung

Die Corona-Pandemie hat zu einer noch nie gekannten Fülle von quantitativen Informationen über die Entwicklung der Krise geführt. Der allgemeine Zugriff auf die Meldedaten und die offensive Nutzung des Internets hat dem "Datenjournalismus" ermöglicht, mit tagesaktuellen Karten, Statistiken und Grafiken, ein enormes Informationsangebot rund um das Infektionsgeschehen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu schaffen. Die sogenannten. "Dashboards" ermöglichen den Nutzern zusätzlich eigene Recherchemöglichkeiten, die in diesem Ausmaß bisher noch nie Bestandteil journalistischer Arbeit waren.

Dennoch übertrifft das Fernsehen in Deutschland die Online-Medien der Zeitungen und Zeitschriften als Informationsquelle über das Coronavirus und die Pandemie um das Doppelte. Laut einer Umfrage des Meinungs- und Marktforschungsinstitutes Kantar im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung nutzen 76% der 18- bis 65-jährigen das Fernsehen und 36 % entsprechende Online-Angebote von Printmedien (Ergebnisse aus der Studie "Globale Studie über die Verbreitung von Desinformationen in der Corona-Krise" (www.freiheit.org/umfrage_desinformation_naumann-stiftung.pdf). Obwohl sich die große Mehrheit in Deutschland gut oder sehr gut informiert fühlt, halten 34% der Befragten es für möglich, dass ihnen etwas verschwiegen wird. Ebenfalls 34 % halten die Medienberichterstattung für "nicht glaubhaft". Unvorteilhafte Aspekte der TV-Berichterstattung wurden kürzlich in einer qualitativen Studie ("Die Verengung der Welt") der Universität Passau aufgezeigt (www.researchgate.net/publication/_Die_Verengung_der_Welt).

Aus verschiedenen Gesprächen haben wir ferner den Eindruck gewonnen, dass die enorme Vielzahl an Informationen eher eine gewisse Indifferenz und mangelnde Einordnung von Fakten nach sich zieht. Hinzu kommt der Umstand, dass ein Ereignis das andere jagt und nach kürzester Zeit keine Lehren mehr aus einer erfolgten Befassung abgespeichert werden. Ein eigenes Urteil über sinnvolle Wege zu einer Bekämpfung der Pandemie wird dadurch ebenfalls nicht gefördert.

Last but not least hat auch die offizielle Berichterstattung des dafür zuständigen Robert Koch-Instituts (RKI) mit seiner stark wissenschaftlich geprägten Kommunikation nicht immer dazu beigetragen, das Verständnis in der Bevölkerung zu befördern. Die zahlreichen Missverständnisse um Maßzahlen wie die Verdoppelungszeit und den Reproduktionszahl "R" haben diesen Eindruck erweckt.

Daraus folgt:
Der Pandemie Monitor von IGES

Das IGES Institut hat seine Expertise in den vergangenen 40 Jahren konsequent durch empirische Analysen entwickelt. Gleich wichtig war dabei die Vermittlung der oft komplizierten wissenschaftlichen Aussagen in die politische und gesellschaftliche Praxis: "Von der Information zur Innovation".

Vor diesem Hintergrund fiel nach vier Monaten Pandemie die Entscheidung, dem Problem der unzureichenden Orientierung in der Corona-Krise mit eigenen Analysen und einem eigenen Informationsmedium entgegenzutreten: mit dem IGES Pandemie Monitor.

Der IGES Pandemie Monitor will der allgemeinen wie auch der Fachöffentlichkeit das Infektionsgeschehen so aufbereiten, dass kurz-, mittel- und langfristige Trends sichtbar werden. Gleichzeitig soll auf der Basis verfügbarer Daten schon während des Geschehens die Analyse wahrscheinlicher Ursachen erfolgen. IGES wird seine 40-jährige Erfahrung mit Analysen im Gesundheitssektor nutzen, um aus den Meldedaten und aus der Kombination mit anderen Daten mehr Erkenntnisse zu gewinnen als dies gegenwärtig häufig der Fall ist. Selbstverständlich greifen unsere Erörterungen auch auf andere seriösen Studien zurück, die im Lauf der Zeit von anderen publiziert werden.

Wo eine aktuelle Analyse der Ursachen nicht zweifelsfrei gelingt, weil die verfügbare Datenbasis zu schmal ist oder weil weitere Entwicklungen abgewartet werden müssen, wird der IGES Pandemie Monitor Hypothesen formulieren und entsprechende Fragen stellen.

Der IGES Pandemie Monitor wird eine sich ständig erweiternde Internetseite sein. Analysen und Statistiken zu wichtigen Episoden der Pandemie - wie z. B. die massiven Ausbrüche in der Fleischindustrie Mitte Juni - werden dauerhaft zugänglich bleiben und damit den Nutzern wichtige Ankerpunkte bieten, die zum Verständnis der Corona-Pandemie beitragen.

Und letztlich will der Monitor dazu beitragen, dass die Maßnahmen zur Überwindung der Corona-Pandemie sowohl im Großen wie auch im Kleinen weiterentwickelt werden können. Der IGES Pandemie Monitor will eine Plattform werden, die nicht nur in dieser Krise, sondern auch bei möglichen weiteren Pandemien hilft, die richtigen Erkenntnisse zu gewinnen und die richtigen Maßnahmen anzuleiten.

Zum Aufbau des IGES Pandemie Monitors

Die Corona-Pandemie ist leider keine kurzfristige Erscheinung. Sie ist durch ein Auf und Ab gekennzeichnet, bei dem das Wechselspiel von Infektion und Gegenmaßnahmen prägend ist: der massenhafte Ausbruch im März und der darauf folgende Lockdown, die darauf folgenden kleineren Ausbrüche und die Eindämmungsmaßnahmen auf lokaler Ebene, saisonale Zunahmen infolge des ferienbedingten Reiseverkehrs und landesweite Programme zu deren Bekämpfung. Das Geschehen folgt der sehr frühen Einschätzung von Tomas Pueyo, der die Dynamik als "the hammer and the dance" bezeichnet hat (https://medium.com/tomas-pueyo/coronavirus-articles-endorsements).

Der Wichtigkeit der zeitlichen Dimension trägt der IGES Pandemie Monitor dadurch Rechnung, dass die Darstellungen danach unterschieden werden, ob sie von kurz-, mittel-, oder langfristiger Bedeutung sind. Daher ist die zeitliche Dimension in die Kategorien "Aktuelle Lage", "Entwicklungen" und "Analysen" eingeteilt, die dieser zeitlichen Abstufung entsprechen (siehe folgendes Schema).

Die räumliche Dimension, die der IGES Pandemie Monitor berücksichtigt, bezeichnet den Rahmen, in dem die Intervention stattfindet. Diesbezüglich spielen in Deutschland der Bund, die Länder und die Kreise die Rollen, die ihnen im föderalen System zugewiesen sind. Die Ebene der Kommune kann hingegen nicht abgebildet werden, da die entsprechenden Daten aus dem Meldegesetz auf dieser Ebene nicht zugänglich sind.

Die sachliche Dimension bezeichnet die Tatsache, dass nicht nur Infektionszahlen Gegenstand von Darstellungen und Analysen sind, sondern dass auch Indikatoren aus den Bereichen "Bevölkerung" und "Infrastruktur" herangezogen werden, um das Geschehen verständlich zu machen. Hierzu werden gelegentlich auch Informationen herangezogen, die aus den Medien gewonnen werden.

Zusammengenommen liegt dem IGES Pandemie Monitor ein dreidimensionales Berichtskonzept zugrunde, das über die Menüführung angesteuert werden kann. Das folgende Schema zeigt die insgesamt neun verschiedenen Berichtsebenen, die zukünftig bedient werden.

Die einzelnen Berichtselemente sind als "Artikel" gefasst, die - ähnlich der Systematik im Zeitungswesen - jeweils zu Beginn den zeitlichen und den räumlichen Bezug ausweisen. Die Artikel sind in der Regel so gefasst, dass ein Thema durch einen empirischen Teil - meist eine Abbildung - repräsentiert ist, der in einem zugehörigen Textteil erläutert wird. Häufig werden zwischen den Berichtsebenen und Artikeln auch Bezüge erstellt.

Die meisten Abbildungen können heruntergeladen werden und teilweise kann zwischen einer Linien- und einer Balkendarstellung gewählt werden.Diese Materialien können unter Quellennennung allgemein genutzt werden.

Zu Beginn dieser Internetseite sind einige wenige "Schlagzeilen" aufgeführt, die auf die aus Sicht der Redaktion wichtigsten Themen hinweisen sollen. Hyperlinks verweisen auf die jeweils zugehörigen Artikel.

5. Methodik

5.1 Datengrundlage

5.1.1 Quelle für die Coronavirus-Fallzahlen

Die wesentliche empirische Quelle für den IGES Pandemie Monitor sind die Daten, die das Robert Koch-Institut (RKI) täglich veröffentlicht. Diese wiederum werden von den 379 Gesundheitsämtern über die jeweiligen Landesbehörden an das RKI gemeldet. Rechtliche Grundlage dafür ist das Infektionsschutzgesetz (IfSG).

5.1.1.1 Der öffentliche RKI-Datensatz

Das RKI macht täglich die neuesten Meldezahlen über eine gesonderte Internetseite der Öffentlichkeit zugänglich (https://npgeo-corona-npgeo-de.hub.arcgis.com/). Diese Daten entsprechen im Wesentlichen den Angaben, die das RKI über sein sogenannte „Dashboard“ macht (https://corona.rki.de/). Diese Daten liegen allen unseren Analysen zugrunde, sofern sie sich auf Zeiträume beziehen, die mehr als sieben Tage älter sind als der tagesaktuelle Zeitpunkt.
Angaben, die jünger sind als sieben Tage (vom aktuellen Zeitpunkt aus betrachtet), werden von einer anderen Datenquelle bezogen (s. 5.1.1.2). Der Grund dafür liegt darin, dass die RKI-Daten einem Meldeverzug unterworfen sind, der innerhalb der zurückliegenden sieben Tage zu einer starken Unterbewertung der aktuellen Zahlen führt.

In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass die im täglich veröffentlichten „Lagebericht“ des RKI gemeldeten Fälle nicht über die aktuelle Infektionslage berichten in dem Sinne, dass es sich um den Wert des vorausgegangenen Tages handelt. So wird etwa im Lagebericht vom 28.8.2020 über 1.571 neu gemeldete Fälle berichtet, die sich auf den 27.8.2020 beziehen. Das Dashboard weist jedoch am 28.8. um 19:00) für den 27.8.2020 lediglich 798 Fälle aus. Damit beziehen sich 773 Fälle auf weiter zurückliegende Fälle, die jetzt erst nachgemeldet werden (z. B. ein Fall vom 27.3.2020).
Die Meldungen aus dem Lagebericht werden häufig dahingehend falsch interpretiert, dass die Meldung aus dem Lagebericht dem vergangenen Tag zugeordnet werden.

5.1.1.2 Ergänzende Datenquellen von IGES auf Basis der Webseiten der Gesundheitsämter

Die Schwächen, die sich hinsichtlich der tagesaktuellen Berichterstattung aus dem offiziellen Meldeweg über das RKI ergeben, können teilweise kompensiert werden, weil die Gesundheitsämter in Deutschland für die insgesamt 401 Stadt- und Landkreise in Deutschland täglich auf ihren Webseiten die tagesaktuellen Zahlen der bisher insgesamt Infizierten berichten (auf Basis der ihnen gemeldeten Fälle). Aus der Differenz der Eintragungen (Tag/Vortag) errechnet der IGES Pandemie Monitor tagesaktuell die Zahl der jeweils neu Infizierten. Somit entsteht für die letzten sieben Tage ein nicht-offizieller, jedoch tagesgenauer Meldeweg, der die offiziellen RKI-Erhebungen ergänzt.
Hierzu erhebt IGES mit eigenen Mitarbeitern diese Daten täglich. Einen ähnlichen Zugang organisiert die Johns-Hopkins-Universität, die bereits sehr früh mit ihren global erhobenen Daten an die Öffentlichkeit getreten ist. In Deutschland sind noch mehrere weitere Netzwerke am Start.

5.2 Berechnungen

5.2.1 Absolute Fallzahlen

Absolute Fallzahlen werden ohne Berechnung von der offiziellen Datenbank des RKI übernommen. Für die jeweils letzten sieben Tage kommt die eigene Datenquelle des IGES Institut zum Einsatz.

5.2.2 Relative Angaben

Relative Angaben entstehen beim Bezug auf die Bevölkerungsgröße sowie bei der Berechnung von Anteilen von Teilpopulationen an der Gesamtpopulation der Fälle. Die Anteile werden jeweils auf 100.000 Einwohner bezogen. In den Abbildungen wird dies angezeigt z. B. als "Neue Fälle, relativ, ...".
Die Bevölkerungsgröße wird den Daten entnommen, die das RKI für die Kreise zugrunde legt. Sie sind unter https://www.esri.de/de-de/landingpages/corona-impact-2020/faq. veröffentlicht.
Teilpopulationen werden aus den Angaben gebildet, die das RKI für die Merkmale "Alter" und "Geschlecht" veröffentlicht.

5.2.2.3 Gemittelte Werte

Die Dynamik der Meldungen nach dem Infektionsschutzgesetz folgt in Deutschland einem ausgeprägten Wochenrhythmus. Dieser ist zwischen den Kreisen teilweise stark unterschiedlich. Er ist darauf zurückzuführen, dass sämtliche Beteiligten der Meldekette - Ärzte, Labore, Gesundheitsämter, Landesbehörden - in unterschiedlichem Umfang an Samstagen oder Sonntagen ihre Arbeit einschränken oder einstellen. In Berlin ist es beispielsweise kaum möglich, an einem Wochenende getestet zu werden, geschweige denn ein Testresultat zu erhalten.
Vor diesem Hintergrund machen intertemporale Vergleiche - die wesentliche Grundlage für die Bewertung der Situation bzw. der Effektivität von Maßnahmen - keinen Sinn, wenn sie nicht den Wochenrhythmus berücksichtigen: Abnahmen oder Zunahmen können ausschließlich durch den Vergleich zwischen verschiedenen Wochentagen bedingt sein.
Daher werden im IGES Pandemie Monitor entweder nur einzelne Wochentage untereinander verglichen oder aber ein 7-Tage-Durchschnitt berechnet, in dem eine ganze Woche gemittelt wird, um auf dieser Basis den Wochenrhythmus weitgehend auszugleichen (gekennzeichnet als "7T gD"). Durch die Durchschnittsbildung werden in den Abbildungen Daten gezeigt, die keine ganzen Zahlen sind, sondern Dezimalstellen ausweisen.

5.2.2.4 Krisenregionen

  • Unter "Krisenregionen" versteht der IGES Pandemie Monitor Stadt- oder Landkreise, für die folgendes zutrifft:
  • Durchschnittliche Zahl der Fälle in den vergangenen drei Tagen über 3,5
  • Fallzahl am Stichtag größer als am Vortag
  • Anzahl neuer Fälle pro 100.000 Einwohner am Stichtag über 1,0
  • Das Attribut "Krisenregion" ist somit nicht per se als Großereignis zu werten, sondern als Indikator für eine sich akut verschlechternde Lage.

5.2.2.5 Clusterbildung

Über die Zeit der Corona-Pandemie in Deutschland hat sich herausgestellt, dass temporäre regionale bzw. lokale Fallzahlsteigerungen ihren Schwerpunkt bei unterschiedlichen demografischen Teilen der Bevölkerung haben. So sind die ersten Ausbrüche bei vorwiegend männlichen Skisportlern aufgetreten ("Ischgl"-Infektionen). Etwas später waren alte Menschen betroffen, insbesondere in Pflegeheimen. Die Ausbrüche in der Fleischindustrie Mitte Juni betrafen wiederum überwiegend jüngere Männer, die häufig als Saisonarbeiter mit Werkverträgen tätig sind. Ebenfalls ab Mitte Juni häuften sich Ausbrüche, bei denen hauptsächlich große, kinderreiche Familien mit Migrationshintergrund betroffen waren (z. B. in Göttingen).

Vor diesem Hintergrund wird die Bevölkerung für die Analysen des IGES Pandemie Monitor in drei Cluster aufgeteilt:
M Männer Anteil der Männer an den jeweils Infizierten überwiegt
F Familien Anteil der Familien an den jeweils Infizierten überwiegt
P Pflege Anteil der Pflegebedürftigen an den jeweils Infizierten überwiegt

Ein Cluster wird nur dann berechnet, wenn die über sieben Tage gemittelte Fallzahl größer ist als vier. Zur Definition der Cluster siehe die folgende Abbildung.

Definition der Cluster

5.2.2.6 Reproduktionszahlen

Als Maße für die Entwicklungsgeschwindigkeit bieten sich Parameter an, die ausdrücken, um welchen Anteil sich eine Größe innerhalb eines definierten Zeitabschnitts verändert. In der Corona-Pandemie wurde insbesondere durch das Robert-Koch-Institut (RKI) die sog. "Reproduktionszahl" eingeführt. Durch die Wahl des Zeitraums, auf den sich die Größe bezieht, ergeben sich diverse Möglichkeiten, eine Reproduktionszahl zu definieren. Mathematisch gesehen ist die Reproduktionszahl wie ein Zinssatz zu verstehen.

Das RKI definiert zwei verschiedene Reproduktionszahlen:

Im täglichen Situationsbericht werden zwei R-Werte dargestellt. Zum einen der sensitivere 4-Tage-R-Wert. Dieser Wert bildet zeitnah den Trend der Anzahl von Neuerkrankungen ab und kann auf mögliche Trendänderungen hinweisen. Er reagiert jedoch empfindlich auf kurzfristige Änderungen der Fallzahlen – wie sie etwa durch einzelne Ausbruchsgeschehen verursacht werden können - was besonders bei insgesamt kleineren Anzahlen von Neuerkrankungen zu verhältnismäßig großen Schwankungen führen kann. Zusätzlich gint das RKI ein stabileres 7-Tage-R an, das sich auf einen längeren Zeitraum bezieht und daher weniger tagesaktuellen Schwankungen unterliegt. Das 7-Tage-R bildet Trends zuverlässiger ab, bezieht sich dabei jedoch auf ein Infektionsgeschehen, das etwas länger zurückliegt als beim 4-Tage-R-Wert.

Aus: "Was versteht man unter der Reproduktionszahl R, und wie wichtig ist sie für die Bewertung der Lage?" (RKI - Häufig gestellte Fragen. Abgerufen am 27.11.2020

Im IGES Pandemie Monitor wird ebenfalls eine Reproduktionszahl angegeben, die noch robuster ist, weil zu einem bestimmten Datum noch die 6 vorausgehenden Tage eingeschlossen werden und dieser Wert auf einen 7-Tages-Zeitraum bezogen wird, der genau 7 Tage zurückliegt.

Zuletzt geändert: 14.11.20

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