IGES Pandemie Monitor

Präsentiert von Deutschlands führendem Gesundheitsexperten

Orientierung in der Corona-Pandemie

1. Aktuelle Lage

Wie sich das derzeitige Infektionsgeschehen darstellt

Deutschland

Der dritte Lockdown (seit 15. Dezember 2020) wirkt. Der vierte wird dies noch unterstützen. Am Dienstag (19.1.2021) wird über den fünften Lockdown entschieden.

Deutschland

17.01.2021

IGES Frühindikator: Lockdown 3 (seit 15.12.2020) zeigt Wirkung bei Neuinfektionen - Weihnachtsfeiertage haben Entwicklung verlangsamt

  • Der Rückgang der Fallzahlen ab dem 24. Dezember ist in erheblichem Maße durch die weit verbreitete Arbeitsruhe der Feiertag zurückzuführen. Ca. 60.000 Fälle waren in dieser Zeit nicht gemeldet worden.e
  • Ab dem 7. Januar kam es zu einem Wiederanstieg der Fallzahlen, weil die nicht gemeldeten Fälle durch Ansteckung zu neuen Fällen geführt haben.
  • Diese Entwicklung hielt aber nur ein paar Tage an, sodass seit knapp einer Woche ein kontinuierlicher Rückgang zu verzeichnen ist.
  • Damit haben sich die Fallzahlen nach dem 3. Lockdown um ca. 5.000 reduziert. Die Weihnachtsfeiertage haben den Prozess sicherlich verlangsamt, weil in dieser Zeit die Infektionskontrolle nur reduziert funktionsfähig war.
  • Wenn man die derzeitige Entwicklung extrapoliert, ist Ende Januar mit ca. 11.000 Fälle pro Tag zu rechnen.
  • Vorbedingung: Ausbrüche (auch durch die "britische Mutation" und Reiserückkehrer) können begrenzt werden. Impfungen laufen weiter.

Der IGES Frühindikator zur Fallzahlentwicklung: Aufgrund des zeitlichen Verzugs an validen Meldedaten wird für die unmittelbare Vergangenheit auf die Daten der RKI-Lageberichte zurückgegriffen. Der Frühindikator wird gebildet als Differenz der vom RKI tagesaktuell gemeldeten Fallzahlen gegenüber dem Wert der Vorwoche geteilt durch sieben. Er liefert eine genau Vorausschau auf die Fallzahlen, wie sie sich nach dem bis zu einwöchigen Meldeverzug durch die Gesundheitsämter darstellen.

IGES Frühindikator: Lockdown 3 (seit 15.12.2020) zeigt Wirkung bei Neuinfektionen - Weihnachtsfeiertage haben Entwicklung verlangsamt

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

Deutschland

Zahl der Intensivpatienten geht kontinuierlich zurück

  • Seit 4. Januar geht die Zahl der Intensivpatienten zurück.
  • Dies ist auf einen Rückgang der Zahl der Neuinfektionen zurückzuführen. Geschätzt hat dieser Rückgang am 26. Dezember eingesetzt.
  • Dies ist plausibel, weil ein Lockdown seine Wirkung immer erst nach ca. 10 Tagen gezeigt hat (3. Lockdown gilt seit 15.12.).
  • Mit einem Rückgang der Fälle auf Intensivstationen geht auch ein Rückgang der Sterbefälle einher.
  • Dieser Rückgang ist das zweite sichere Zeichen, dass der 3. Lockdown Wirkung zeigt.

Zahl der Intensivpatienten geht kontinuierlich zurück

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten von DIVI

Starke Rückreisewelle aus Balkanländern kann Fallzahlen ab Januar erhöhen.

  • Erfahrungen aus den Sommerferien und im Oktober zeigen, dass hohe Inzidenzen im Ausland die Inzidenz im Inland stark beeinflussen können.
  • Viele Pflegekräfte kommen aus Balkanländern.
  • Europaweite Strategie ist gefordert.

Corona-Inzidenz in Balkanländern derzeit doppelt so hoch. Hohe Zahl von Rückflügen gleich zu Beginn des neuen Jahres erwartet.

Deutschland / Balkan

03.01.2021

Zahl der Flüge aus Balkanländern am ersten Januarwochenende um 43 Prozent reduziert, aber immer noch hoch.

Hinweis: Verglichen wird das erste Wochenende im Januar 2020 mit dem in 2021.

  • Die wesentlichen Ziele liegen in Bulgarien, Kosovo, Rumänien und Serbien.
  • Vermutlich durch die Corona-Pandemie bedingter Rückgang der Flüge aus Balkandestinationen um insgesamt 43 Prozent.
  • Der Rückgang ist umso geringer, je weiter die Ziele entfernt sind. Eventuell werden Destinationen in Kroatien eher mit Auto oder Bus angefahren.
  • Auch in der zweiten Januarwoche (7. bis 10.1.2021) beträgt die Zahl der Flüge aus Balkanländern nach Deutschland noch 211 gegenüber 382 im Vorjahr (-45%).
  • Damit sind die oben in Ansatz gebrachten Flug- und Passagierzahlen bestätigt: Pro Woche ist derzeit mit 400 Flügen zu rechnen. Bringt man 150 Passagiere pro Flug in Ansatz, so ist mit 60.000 Passagieren pro Woche zu rechnen.

Zahl der Flüge aus Balkanländern am ersten Januarwochenende um 43 Prozent reduziert, aber immer noch hoch.

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten der Deutschen Flugsicherung und Flightstats

Deutschland

18.12.2020

Alten- und Pflegeheime seit Mitte Oktober (42. Kalenderwoche) als Infektionsort stark zunehmend.

  • Bis Oktober wurde das Corona-Infektionsgeschehen hauptsächlich von jüngeren Menschen getragen.
  • Die beiden Wellen von Urlaubsrückkehrern im August und September hatten daran wesentlichen Anteil.
  • Ab Oktober beschleunigte sich das Infektionsgeschehen und die Inzidenz nahm stark zu.
  • Die Folge war eine starke Zunahme von Infektionen in Alten- und Pflegeheimen.
  • Diese sind derzeit auf Rang 1 der Orte, die für Neuinfektionen ermittelt werden können.
  • Dieses Geschehen findet nunmehr seinen Niederschlag in der starken Erhöhung der Zahl der Todesfälle und der Behandlungen auf Intensivstationen.
  • Die Rate der Todesfälle gemessen an der Bevölkerung ist nirgends so hoch wie in Sachsen (1,1 je 100.000 Einwohner am 19.11.).
  • Berlin mit seiner relativ jungen Bevölkerung folgt auf Rand 2 mit einem Wert von 0,7. Von dort werden hohe Zahlen von Verstorbenen gemeldet, die sich in Alters- und Pflegeheimen angesteckt haben

Alten- und Pflegeheime seit Mitte Oktober (42. Kalenderwoche) als Infektionsort stark zunehmend.

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Deutschland

17.01.2021

Reproduktionswert deutlich unter 1,0 zeigt Wirkung des dritten Lockdown an
  • Der starke Rückgang des Reproduktionswertes auf Werte unter 1,0 repräsentiert die erhebliche Wirkung des dritten Lockdown.
  • Die Stimmung, dass "die Infektionszahlen (nicht) sinken" hat aus dieser Perspektive keine Basis.

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES (IGES R7 Wert)

Fallhäufigkeiten in den Bundesländern sehr unterschiedlich.

Bundesländer

Bundesländer

14.01.2021

"Der Osten ist rot" - Mecklenburg-Vorpommern bildet erfreuliche Ausnahme. Bayern gibt erneut Anlass zu Sorgen
  • Die schlechte Nachricht: Mit einer Ausnahme sind noch immer die östlichen Bundesländer die Treiber des Infektionsgeschehens.
  • Die gute Nachricht: Als Erklärung muss nicht die "britische Mutation" herangezogen werden, sondern lange anhaltende Probleme beim Management der Pandemie.
  • Mecklenburg-Vorpommern hat offensichtlich bessere Konzepte, darunter eine konsequentere Überwachung der Grenze(n) z.B. nach Polen. Aber mit Dänemark und der Ostsee hat das Land eben auch Nachbarn mit geringer Inzidenz.

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

Deutschland

16.01.2021

Östliche Bundesländer bekommen Infektionen bei älteren Menschen nicht in den Griff und reagieren kaum auf den 3. Lockdown
  • Die östlichen Bundesländer waren lange Zeit nur wenig betroffen.
  • Seit Oktober steigen die Fallzahlen praktisch überall.
  • Der 3. Lockdown (15. Dezember bis heute) hat von den östlichen Bundesländern nur in Sachsen gewirkt.
  • In den westlichen Bundesländern zeigen sich Erfolge vor allem in Baden-Württemberg, NRW und Bayern.

Hinweis zur Abbildung: Graue Flächen markieren Infektionsschwerpunkte bei älteren Menschen.

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Stadt- und Landkreise

Inzidenz in Potsdam mit stark steigender Tendenz. Unverständliche Verzögerungen in Bezug auf die Suche nach gefährlichen Mutationen.

  • Kein anderer Kreis nimmt derzeit so schnell an Inzidenz zu. Eine solche Entwicklung muss sofort auf eine mögliche Verbreitung neuer Mutationen untersucht werden.
  • Dies ist offensichtlich noch nicht geschehen (Stand 12.1.2021)
  • Ministerium in Potsdam verweist darauf, dass Tests auf Mutationen derzeit in Brandenburg nicht möglich seien.
  • Geeignete Tests sollten erst ab 19. Januar durchgeführt werden.
  • Die bisherigen Erklärungen, dass es sich um Ausbrüche in Pflegeheimen handele, wird vom geringen Durchschnittsalter der Fälle nicht gestützt.

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Inzidenz neue Fälle

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Durchschnittsalter der neuen Fälle

2. Entwicklungen

Rückblicke und Ausblicke

Deutschland

Deutschland

24.01.2021

Meilensteine und Phasen der bisherigen Entwicklung sind:
  1. Erster Ausbruch in Heinsberg
  2. 1. Lockdown - ab 22. März
  3. Höhepunkt der Neufälle pro Tag (KW14)
  4. Geringste Zahl der Neufälle
  5. Höhepunkt der Ausbrüche in der Fleischindustrie und großen Familienverbünden (Göttingen, Neukölln) (KW25)
  6. Zwischentiefpunkt bei den Corona-Neuinfektionen
  7. Erste Rückkehrerwelle (NRW und Hessen - KW34)
  8. Zweite Rückkehrerwelle (Bayern und Baden-Württemberg)
  9. Größere Ausbrüche überwiegend im Familienkontext (KW39)
  10. Beginn des massiven Anstiegs bei den Corona-Fallzahlen
  11. Effekt der Herbstferien
  12. 2. Lockdown - ab 1. November
  13. 2. Lockdown Verlängerung - ab 25. November
  14. 3. Lockdown - ab 15. Dezember
  15. 4. Lockdown - ab 10. Januar
  16. 5. Lockdown - ab 19.Januar

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

Die Entwicklung der Fälle nach Alter und Geschlecht

Eine wesentliche Voraussetzung zur Prävention weiterer Infektionsfälle besteht in der genauen Analyse der Konstellationen. An dieser Stelle wird dargestellt, wie alleine eine sorgfältige Analyse der demografischen Verhältnisse einiges aufklären kann. Das spezifische Wissen in den Gesundheitsämtern und nachgelagerten Behörden sollte dennoch verstärkt genutzt werden.

Deutschland

Die 20- bis 29-Jährigen sind während der gesamten Epidemie die wesentlichen Treiber

  • In der 11. bis 13. Kalenderwoche sind die Fallzahlen der ersten Welle zu sehen (Vordergrund). Auffällig ist eine Dreigipfligkeit bei den Altersklassen (20-29 Jahre, 50-59 Jahre, 80+)
  • Diese Dreigipfligkeit ist auch heute sichtbar, obwohl der Altersgipfel von 80+ Jahren zumindest relativ zurückgegangen ist.
  • Seit dem Ende der ersten Welle bleibt die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen auffällig: Männer in dieser Altersgruppe haben durchgehend höhere Werte. Diese steigern sich:
    • In der 25. Woche (ab 17. Juni): Hier koinzidieren die Ausbrüche in der Fleischindustrie und Infektionen nach dem Zuckerfest. Diese sind auch bei den Frauen sichtbar.
    • In der 34. Woche (ab 19. August) kommt es zu einem Maximum an Fällen in dieser Altersgruppe, bei den Männern deutlich stärker als bei den Frauen. Vermutlich reisen nicht nur Familien aus ihrem Heimaturlaub zurück, sondern auch alleinstehende Männer.
    • Bis zur 41. Woche (ab 7. Oktober) steigern sich die Fallzahlen in dieser Altersgruppe noch relativ isoliert von den anderen Altersgruppen. Danach kommt es in nahezu allen Altersgruppen zu Steigerungen. Hochzeiten und andere große Veranstaltungen im Familienkreis spielen hierbei sicherlich eine wichtige Rolle, wie zahlreiche lokale Medienberichte beschreiben.
  • Die Entwicklung der Infektionslage in der gesamten Bevölkerung weist dieser Altersgruppe - insbesondere den Männern - eine zentrale Rolle zu.
  • Nach dem Ende der derzeitig präsenten zweiten Welle wird es unumgänglich sein, diese Altersgruppe stärker zu fokussieren. Dabei müssen sowohl die verschiedenen Untergruppen gesondert in den Blick genommen werden als auch die Lebenssituation dieser Altersgruppe, die sich in ihrer generativen Lebensphase befindet. Hochzeiten sind ein wesentliches Element dieser Phase.

Hinweis zu den Abbildungen: Die Grafiken zeigen jeweils Schichten von absoluten Zahlen von Neuinfektionen nach Altersgruppen und Kalenderwochen.

Die 20- bis 29-Jährigen sind während der gesamten Epidemie die wesentlichen Treiber

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI (SurvStat)

Deutschland

28.10.2020

Schulkinder zeigen geringsten Anstieg - Risikogruppen den höchsten
  • Schulkinder haben die geringsten Steigerungsraten bei den Corona-Neuinfektionen und sind kleine Gruppe unter den Infizierten.
  • Schule als Treiber der Inzidenz kommt als allgemeiner Faktor daher weniger in Frage.
  • Hochaltrige über 80 Jahren sind alarmierend häufig vertreten.
  • Die Sicherungsmaßnahmen in Pflegeeinrichtungen waren absolut nicht ausreichend.

Führt der Wiederanstieg der Fallzahlen zu einem Anstieg der Todesfälle?

Deutschland

28.12.2020

Häufigkeit von Todesfällen folgt der Inzidenz mit knapp 3wöchigem Verzug - Seit Dezember steigen Todesfälle schneller als die Inzidenz
  • Der 2. Lockdown am 1. November (1) führt am 17. November (2) zu einer kurzen Beruhigung der Sterbefälle.
  • Am 23. November (3) kommt es erneut zu einem Anstieg der Sterbefälle, obwohl die Inzidenz nicht gestiegen ist. Dieser Anstieg steht im Zusammenhang mit der Welle von Ausbrüchen in Pflegeheimen, die infolge der hohen allgemeinen Inzidenz nicht mehr vermieden werden können.
  • So lange dort noch kein ausreichender Impfschutz verfügbar ist, ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen.

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

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Bundesländer

Bundesländer

29.12.2020

Infektionsgeschehen im September und Oktober weithin von Männern geprägt. Seit Ende Oktober Übergang zu Familienstrukturen. In Sachsen sind vor allem Alte betroffen.
  • In der Phase des steilen Anstiegs waren vielfach Männer (M - blau) überrepräsentiert.
  • In der letzten Phase des Anstiegs sind durch die hohen Zahlen der Neuinfektionen eher Familien (F - grün) betroffen.
  • In östlichen Bundesländern, insbesondere in Sachsen, sind sehr stark ältere Menschen (P - grau) betroffen.

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Stadt- und Landkreise

Bautzen jetzt Spitzenreiter

22.12.2020

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI

Große Städte in Deutschland

15.01.2021

Häufigkeit von Todesfällen in deutschen Großstädten

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

3. Analysen

Faktoren, die die Corona-Pandemie beeinflussen

Deutschland

Die Explosion der Fallzahlen im Oktober baute sich in mehreren Phasen auf

Deutschland

27.10.2020

Mehrere Phasen zu erkennen. Laufende Steigerung der Inzidenz seit der ersten Ferienrückkehrer-Welle

  • Phase 1: Erster Lockdown bringt die Inzidenz auf Werte um 300 Fälle pro Tag.
  • Phase 2: Ausbrüche in Fleischindustrie und bei familiären Anlässen rund um das Zuckerfest können wieder zurückgefahren werden.
  • Phase 3: Erste Urlaubswelle lässt Fallzahlen von 348 auf 1.370 pro Tag steigen. Nur noch geringe Rückbildung möglich.
  • Phase 4: Zweite Urlaubswelle führt zu einem weiteren Anstieg auf 1.750. Keine Rückbildung mehr.
  • Phase 5: Massiver Anstieg der Corona-Neuinfektionen durch Familienfeiern und insbesondere durch hohe Inzidenzen in den Nachbarländern vorangetrieben.
  • Phase 6: Zweiter Lockdown führt zu einem Stillstand des Anstiegs, aber es folgt keine nennenswerte Rückbildung mehr.
  • Phase 7: Erneuter Anstieg in der Vorweihnachtszeit führt zu drittem Lockdown.

Mehrere Phasen zu erkennen. Laufende Steigerung der Inzidenz seit der ersten Ferienrückkehrer-Welle

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

Deutschland

23.12.2020

Fast alle Nachbarländer im Oktober mit massiv erhöhter Inzidenz - Ende Oktober starke Erhöhung der Inzidenz an den Rändern der Republik

  • Starker Anstieg im Oktober hat zum 2. Lockdown am 1. November geführt.
  • Anstieg im Oktober hat sich von den Rändern der Republik ins Landesinnere ausgebreitet.
  • Massiv erhöhte Inzidenzen in fast allen Nachbarländern außer Dänemark.
  • Tschechien und Belgien sind besonders stark betroffen.
  • Deutschland war noch Anfang Oktober eine Insel der geringen Inzidenz in Zentraleuropa.
  • Der Zentralbereich in Mittel- und Norddeutschland ist zu diesem Zeitpunkt noch wenig beeinflusst.
  • Grenzüberschreitende Verkehre sind wahrscheinliche Auslöser.

Fast alle Nachbarländer im Oktober mit massiv erhöhter Inzidenz - Ende Oktober starke Erhöhung der Inzidenz an den Rändern der Republik

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des ECDC

Sommerferien hatten Infektionen durch Urlaubsrückkehrer zur Folge

  • Die Zahlen des RKI in den Lageberichten zeigen für die 34. Kalenderwoche (17. - 23. August), dass 64 Prozent aller Neufälle mit ermitteltem Infektionsort auf einen Ort im Ausland entfielen (Lagebericht vom 8.9.2020), was 49 Prozent aller insgesamt aufgetretenen Fälle entspricht.
  • Die Lageberichte des RKI weisen die Balkanländer zu annähernd zwei Dritteln als Infektionsort aus, wenn dieser außerhalb von Deutschland lag.
  • Klassische Ferienländer wie Spanien, Italien, Frankreich und Österreich spielen im Hinblick auf die Corona-Neuinfektionen eine untergeordnete Rolle.
  • Als Ursachen werden vom RKI "Reisen im Familienverbund" genannt (Lagebericht vom 8.9.2020)
  • Die Statistik des RKI umfasst die Kalenderwochen 25-36 mit insgesamt 46.051 Fällen, bei denen ein ausländischer Infektionsort mit dem Coronavirus ermittelt wurde. Ein Infektionsort konnte insgesamt in knapp 70 Prozent aller Fälle ermittelt werden. Serbien und Montenegro wurden nicht in allen Lageberichten gesondert ausgewiesen und daher der Rubrik "Andere" zugeordnet.

Anteil der Auslandsinfektionen an den Infektionen mit bekanntem Infektionsort

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

Deutschland

28.11.2020

Anteil der Auslandsinfektionen an den Infektionen mit bekanntem Infektionsort

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Balkanländer mit Abstand wichtigste Herkunftsländer für Auslandsinfektionen

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

Deutschland

28.11.2020

Balkanländer mit Abstand wichtigste Herkunftsländer für Auslandsinfektionen

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Deutschland - Kosovo

28.11.2020

Fallstudie zu Inzidenz im Kosovo: Flüge von Kosovo nach Deutschland und Infektionen aus dem Ursprungsland Kosovo stehen in deutlichem Zusammenhang

  • In der 30. bis 34. Kalenderwoche (Mitte Juli bis Mitte August) kam es zu einer Steigerung der Inzidenz zwischen 24 und 32 Prozent pro Woche. Damit war längerfristig der Weg bereitet für die ab Oktober stark steigenden Corona-Fallzahlen.
  • Zu dieser Zeit (z. B. 34. Woche) betrug der Anteil der Fälle mit bekanntem Ansteckungsort (77 Prozent aller Corona-Fälle), denen eine Ansteckung im Ausland zugrunde lag, bei 64 Prozent.
  • Kosovo nimmt den Spitzenplatz ein.
  • Im Kosovo lagen im Sommer bis zu zehnfach höhere Inzidenzraten vor als in Deutschland (Daten vom European Center for Disease Prevention and Control).
  • Die Zahl der Flüge von Kosovo (Flughafen Pristina) nach Deutschland stieg von knapp 30 auf über 40 Flüge mit geschätzten 5.000 bis 7.500 Passagieren pro Woche (nach Daten der Deutschen Flugsicherung).
  • Da Kosovo nur sehr wenig von Touristen besucht wird, ist davon auszugehen, dass die Flüge überwiegend mit dem Ende der Ferien in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern in Verbindung stehen.
  • Urlaubsrückkehrer aus dem Kosovo ließen in diesem Zeitraum die Fallzahlen in Deutschland um wöchentlich bis zu 900 Fälle ansteigen.
  • Die Zunahme der Zahl der Flüge ab Mitte Oktober deutet darauf hin, dass auch die Herbstferien wieder zu vermehrten Rückreisen nach Deutschland geführt haben. Aufgrund der erneut gestiegenen Inzidenz ist wieder mit vermehrten Infektionsfällen zu rechnen.
  • Ein wesentliches Element der Infektionsbekämpfung sollte in Zukunft die wirksame Unterbindung von Auslandsinfektionen sein.

Fallstudie zu Inzidenz im Kosovo: Flüge von Kosovo nach Deutschland und Infektionen aus dem Ursprungsland Kosovo stehen in deutlichem Zusammenhang

Quelle: IGES Analysen auf Basis von RKI, ECDC und Deutsche Flugsicherung

Deutschland

03.12.2020

Aufklärungsquote bei Ausbrüchen derzeit bei gerade zwölf Prozent

  • Einer der wichtigsten Gründe für Maßnahmen zur Senkung der Corona-Inzidenz besteht darin, die Behörden wieder zu befähigen, Ausbrüche aufzuklären. Die Identifizierung von möglichweise infizierten Menschen und die Veranlassung von Quarantäne kann durch nichts ersetzt werden.
  • Bei den aktuellen Infektionszahlen von mehr als 100.000 Fällen pro Woche (in Deutschland) ist die Aufklärungsquote auf 12 Prozent gesunken. Als die wöchentlichen Infektionszahlen bei 500 lagen, waren es bis zu 70 Prozent.
  • Offensichtlich nimmt die Aufklärung schon bei leichten Fallzahlsteigerungen stark ab, weil die Behörden personell und technisch unterausgestattet sind. Derzeit müssen die Streitkräfte aushelfen.
  • Neben einer Senkung der Inzidenz besteht gleichermaßen die Aufgabe, die Aufklärung der Fälle sicherzustellen. Hierzu müssen verstärkt digitale Lösungen zur Verfügung stehen. Softwarepakete wie DEMIS sind noch nicht überall implementiert. Die bisherigen Erfahrungen müssen dringend bewertet werden in Bezug auf die Frage, ob zusätzlich auf Erfahrungen aus dem Kundenmanagement zurückgegriffen werden muss.
  • Die Aufklärungsquote muss dringend gesteigert werden, wenn wir die Schlacht gegen diese und andere Pandemien gewinnen wollen.

Aufklärungsquote bei Ausbrüchen derzeit bei gerade zwölf Prozent

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Deutschland

29.11.2020

Lockdown-Verlierer sind östlich und ländlich

  • Bevölkerungs- und ökonomische Faktoren spielen eine Rolle in Bezug auf die Entwicklung der Pandemie in Deutschland.
  • Vor diesem Hintergrund wurden wiederholte multiple Regressionen durchgeführt, um Inzidenz und nun auch die Reaktion der Kreise auf den neuerlichen Lockdown zu untersuchen.
  • Am Ende der Sommerferien waren insbesondere der Anteil der Ausländer an der Bevölkerung der 401 Kreise sowie die Bevölkerungsdichte starke Prädiktoren für die Inzidenz: Je höher der Anteil der Ausländer und je höher die Dichte der Bevölkerung (EW/qm), desto höher war die Inzidenz eines Kreises.
  • Seit Anfang November haben sich aber ganz andere Konstellationen ergeben: Die Bevölkerungsdichte ist zwar immer noch ein signifikanter Prädiktor, jetzt allerdings umgekehrt: Je weniger dicht besiedelt, also je ländlicher ein Kreis ist, desto weniger reagiert er auf den Lockdown. Kreise mit ländlicher Struktur zeigen im Lockdown einen leichten, aber signifikanten Anstieg im Unterschied zu dichter besiedelten Kreisen.
  • Ob ein Kreis in einem östlichen Bundesland liegt (ohne Berlin) spielt dagegen eine erhebliche und statistisch signifikante Rolle: Kreise im Osten zeigen seit Beginn des Lockdown einen Anstieg von 15 Prozent, während Kreise im Westen um zwei Prozent abnehmen.
  • In diesem Kontext ist es bedeutsam, dass die östlichen Bundesländer mit deutlicher Verspätung und von einem sehr viel geringeren Niveau von der zweiten Welle erfasst worden sind. Die These, dass sie sich lange Zeit in Sicherheit gefühlt haben, ist nicht von der Hand zu weisen.
  • Dennoch ist noch nicht aufgeklärt, wie sich die Übertragung vollzogen hat.

Lockdown-Verlierer sind östlich und ländlich

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

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Die Erhöhung der Zahl der Tests ist nicht der entscheidende Faktor für die Erhöhung der Zahl der Neuinfektionen.

Deutschland

28.11.2020

Anzahl der Tests, der Neuinfektionen und der Positivenquote

  • Verschiedentlich wird bezweifelt, dass die aktuell ablaufende 2. Welle der Pandemie eine echte Erhöhung darstellt. Es wird vermutet, dass entweder die aktuellen Fallzahlen durch vorwiegend symptomarme Betroffene mit geringen Krankheitszeichen angereichert sind. Andere vermuten, dass auch schon im März und April ähnlich hohe Fallzahlen zustande gekommen wären, wenn so viel getestet worden wäre wie gegen Ende des Jahres.
  • Tatsächlich hat sich die Zahl der Tests wöchentlich von ca. 0,4 Mio. pro Woche auf 1,6 Mio. pro Woche erhöht (untere Abbildung).
  • Die Anzahl der Neuinfektionen zeigt den zweigipfligen Verlauf der beiden Wellen.
  • Die "Positivenquote" (Quote aus Anzahl der Tests und Anzahl der Neuinfektionen) zeigt ebenfalls einen Verlauf, der der Anzahl der Neuinfektionen ähnlich ist.
  • In den Phasen B und D bleiben die Testzahlen relativ gleich - die Anzahl der Neuinfektionen und die Positivenquote ändern sich jedoch.
  • In der Phase C steigt die Anzahl der Tests - die Anzahl der Neuinfektionen aber nur geringfügig.
  • In der Phase E (KW41 bis KW45) steigt die Anzahl der Tests um 35 Prozent, während die Zahl der Neuinfektionen um 325 Prozent stieg - die Positivenquote von 2,5 auf 7,9 Prozent.
  • Wenn es nun zutreffen würde, dass es bereits im März ähnlich hohe Fallzahlen gegeben hätte wie heute (ca. 18.000), wäre zu erwarten gewesen, dass die damals täglich durchgeführten 58.000 Tests zu etwa einem Drittel positiv gewesen wären. Dies war aber nicht der Fall, es sei denn, dass massive systematische Verzerrungen im Zugang zu Tests stattgefunden hätten, was aber nicht wahrscheinlich ist.
  • Vor diesem Hintergrund lässt sich die These von der Test-Induzierung der Inzidenz sicherlich nicht halten was die Aussage des RKI zu dieser Problematik stützt.

Anzahl der Tests, der Neuinfektionen und der Positivenquote

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

Digitale Medien in Deutschland

28.11.2020

Berichte über Ursachen der Pandemie kommen in Nachrichtenmedien kaum vor

Von dem „Content Intelligence“ Dienstleister "Ubermetrics" werden seit 28. September sämtliche digital veröffentlichten Artikel in deutscher Sprache (incl. transkribierte Audio- und Videobeiträge) zur Analyse bereitgestellt, die Begriffe wie "Corona", "Covid19" u. ä. enthielten.
Dies waren bis 15. November ca. 2 Millionen "Erwähnungen" (Artikel).
In dieser Menge waren ca. 10.000 Artikel enthalten, in denen auch der Begriff "Ursache" vorkam (0,5 Prozent).
In dieser Teilmenge fanden sich 541 Artikel, in denen der Begriff "Ursache" nicht mehr als zehn Wörter entfernt von Begriffen wie "Corona" standen (0,3 Promille).
Auf Twitter entfielen 340 Artikel und auf weitere "Usermedien" noch einmal 97 Artikel (zusammen 437 bzw. 0,22 Promille).
Auf die klassischen Nachrichtenmedien (Tagespresse) entfielen 104 Artikel (0,05 Promille).
Gut die Hälfte der Artikel aus den Nachrichtenmedien entfiel auf den 21. Oktober und die beiden Tage danach. Dies steht mit der Berichterstattung über das Berchtesgadener Land, in dem erstmalig seit April wieder ein kompletter Lockdown angeordnet worden war (siehe Abbildung).
Die meistgenannte Assoziation zu „Ursache“ zog der Begriff „diffus“ auf sich. Der dortige Landrat wurde in der Presse vielfach mit den Worten zitiert „Es ist nicht so, dass eine Gemeinde auffällig ist. Ich kann nur sagen: ‚Diffuses Infektionsgeschehen im Landkreis'.‘“
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Dieser Befund illustriert die massive Lücke, die die traditionellen Nachrichtenmedien offen lassen. Das Bedürfnis nach einer Erklärung für das, was aktuell geschieht und solche massiven Bedrohungen erzeugt, sucht sich seine Befriedigung eher bei Twitter. Dort landet es aber bei Inhalten, die sich häufig nicht auf Quellen beziehen, die einer faktenbasierten Überprüfung standhalten. In diesem Zusammenhang mag auch stehen, dass der Anstieg der Artikel in den Usermedien um den 1. November herum stattfindet (siehe Abbildung), als die Marke von 17.000 Neuinfektionen pro Tag überschritten wurde. Die Frage nach dem "warum" findet praktisch nur hier Antworten.

Berichte über Ursachen der Pandemie kommen in Nachrichtenmedien kaum vor

Quelle: IGES Analysen mit Daten von Ubermetrics

Stadt- und Landkreise

Auf Kreisebene zeigen sich Entwicklungen, die für gezielte Entscheidungen zu nutzen wären

Die Analyse zweier Kreise, die derzeit massive Ausbrüche zeigen, legt nahe, dass es bisher keine präzise Analyse oder ausreichend wirksame Maßnahmen gegeben hat. Die Nachrichtenlage über die Ursachen der Ausbrüche ist in beiden Kreise stellvertretend für viele andere schwach.

Berchtesgadener Land
Der Landkreis ist derzeit so stark betroffen, dass er praktisch die Stärke des Ausbruchs in Gütersloh (Tönnies Schlachthof) erreicht (siehe oben).
Von den Verantwortlichen wird ein diffuses Geschehen angenommen.
Vor diesem Hintergrund sollte berücksichtigt werden, dass der Landkreis über Monate immer wieder von Ausbrüchen betroffen war, die teilweise den Bundesdurchschnitt um das Vierfache überschritten haben.
Die gezielte Auswertung der Meldungen zu diesen Fällen dürfte eine ergiebige Quelle von Informationen sein, die eingesetzt werden könnten, um weiteren Ausbrüchen vorzubeugen.

Berlin Neukölln
Der Berliner Bezirk Neukölln hat gegenwärtig (Ende Okt.) erhöhte Werte im Vergleich zu

  • Berlin gesamt: dreifach erhöht
  • Deutschland: fünffach erhöht
  • Berlin Marzahn: zehnfach erhöht
Die erhöhte Inzidenz in Berlin Neukölln besteht über das ganze Jahr und betrifft alle markanten Phasen der Pandemie:
  • Der Lockdown hatte deutlich weniger Wirkung als im restlichen Berlin.
  • Obwohl noch im Lockdown, stieg die Inzidenz in den Osterferien auf den doppelten Berliner Wert.
  • Private Feiern am Zuckerfest führten zu einer wochenlangen Überinzidenz.
  • Die gilt auch für den Rückreiseverkehr,
Der Berliner Bezirk Marzahn zeigt ein völlig anderes Profil.
Wenn zielgruppenspezifische Maßnahmen ergriffen worden waren, waren sie bislang nicht wirksam.
Dringend sind hier Nachbesserungen erforderlich.
Allgemeingültige Maßnahmen für ganz Berlin sind besonders zu begründen.

Historie der Ausbrüche der aktuell zehn am meisten betroffenen Kreise im Zeitraum vom 1.5. bis 30.9.2020

Mit einer Ausnahme (Erzgebirgskreis) hatten alle Kreise im Vorfeld zahlreiche Ausbrüche. Die oben gestellten Fragen sollten beantwortet werden.

Gibt es weitere Hinweise für das Management der Pandemie auf regionaler Ebene?

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Die 20 bevölkerungsreichsten Stadt- und Landkreise

28.11.2020

Dresden und Berlin legen bei den Corona-Fallzahlen am stärksten zu - Leipzig, Hannover und Recklinghausen nehmen am stärksten ab

  • Eine multivariate Analyse mit Bevölkerungsindikatoren (näheres dazu) ergibt "Erwartungswerte" (hellblau) und "Residuen" (orange), das sind nicht durch die Bevölkerungsindikatoren gedeckten Erwartungswerte. Beide zusammen ergeben die tatsächlich beobachtete Veränderung im Lockdown an (dunkel umrandete Säulen).
  • Die Residuen geben an, um wie viel "zusätzliche Effekte" zum aktuellen Wert der Veränderung nach dem Lockdown beigetragen haben.
  • "Zusätzliche Effekte" können hier nicht inhaltlich bestimmt werden. Es kann sich aber um die Fähigkeit des regionalen Management handeln, die Krise zu bewältigen, oder um Eigenschaften der Bevölkerung, wie diese auf die Krise und die getroffenen Maßnahmen reagiert. Darin kann zum Ausdruck kommen, wie "gut" ein Kreis seine epidemiologische Situation kontrolliert.
  • Ein hoher Residuenwert bedeutet, dass ein Kreis eine für seine Verhältnisse (Bevölkerungsdichte, Lage in Ost oder West) unerwartet hohe oder geringe Veränderungsrate hat.
    • Beispiele:
      • Dresden überschreitet die erwartete Veränderung nach dem Lockdown um 47 Prozent und legt im Lockdown insgesamt um 61,7 Prozent zu.
      • Berlin überschreitet die erwartete Veränderung nach dem Lockdown um 22 Prozent und legt im Lockdown insgesamt um 13,8 Prozent zu.
      • Leipzig unterschreitet die erwartete Veränderung nach dem Lockdown um 17 Prozent und nimmt im Lockdown insgesamt um 8,2 Prozent ab.

Dresden und Berlin legen bei den Corona-Fallzahlen am stärksten zu - Leipzig, Hannover und Recklinghausen nehmen am stärksten ab

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI und Statistischem Bundesamt

Berchtesgadener Land

28.11.2020

Entstehung des enormen Anstiegs bei den Corona-Fallzahlen nicht aus heiterem Himmel

  • Im Landkreis Berchtesgadener Land war ab der 42. Woche ein enorm steiler Anstieg der Fallzahlen zu beobachten.
  • Von lokalen Stellen wurde das Geschehen als "diffuses" Geschehen wahrgenommen.
  • Eine Betrachtung der Vorgeschichte des Anstiegs zeigt allerdings, dass bereits in der 34. Kalenderwoche unter den 15- bis 34-Jährigen über Wochen ein erhöhtes Infektionsgeschehen zu beobachten war.
  • Für diese Zeit weisen zahlreiche andere Befunde darauf hin, dass eine erhöhte Rückreisetätigkeit aus Heimatländer als mitverursachend anzunehmen ist.
  • Zwischen der 39. und 41. Woche zeigten sich kleinere Ausbrüche on den Altersgruppen zwischen 20 und 59 Jahren.
  • Ab der 42. KW kam es zu einem massiven Anstieg in allen Altersgruppen.
  • Eine Erklärung dafür könnte sein, dass insbesondere jüngere Menschen als asymptomatisch Infizierte oder mit geringen Symptomen unentdeckt breitere Bevölkerungskreise angesteckt haben könnten.
  • Kleinere Ausbrüche sollten in Zukunft konsequent aufgeklärt und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden (konsequente Quarantäne), um massive Konsequenzen wie einen kompletten Lockdown zu vermeiden.

Entstehung des enormen Anstiegs bei den Corona-Fallzahlen nicht aus heiterem Himmel

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

4. IGES Pandemie Monitor

Ausgangspunkt und Ziele

Corona-Pandemie: viel Information - wenig Orientierung

Die Corona-Pandemie hat zu einer noch nie gekannten Fülle von quantitativen Informationen über die Entwicklung der Krise geführt. Der allgemeine Zugriff auf die Meldedaten und die offensive Nutzung des Internets hat dem "Datenjournalismus" ermöglicht, mit tagesaktuellen Karten, Statistiken und Grafiken, ein enormes Informationsangebot rund um das Infektionsgeschehen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu schaffen. Die sogenannten. "Dashboards" ermöglichen den Nutzern zusätzlich eigene Recherchemöglichkeiten, die in diesem Ausmaß bisher noch nie Bestandteil journalistischer Arbeit waren.

Dennoch übertrifft das Fernsehen in Deutschland die Online-Medien der Zeitungen und Zeitschriften als Informationsquelle über das Coronavirus und die Pandemie um das Doppelte. Laut einer Umfrage des Meinungs- und Marktforschungsinstitutes Kantar im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung nutzen 76% der 18- bis 65-jährigen das Fernsehen und 36 % entsprechende Online-Angebote von Printmedien (Ergebnisse aus der Studie "Globale Studie über die Verbreitung von Desinformationen in der Corona-Krise" (www.freiheit.org/umfrage_desinformation_naumann-stiftung.pdf). Obwohl sich die große Mehrheit in Deutschland gut oder sehr gut informiert fühlt, halten 34% der Befragten es für möglich, dass ihnen etwas verschwiegen wird. Ebenfalls 34 % halten die Medienberichterstattung für "nicht glaubhaft". Unvorteilhafte Aspekte der TV-Berichterstattung wurden kürzlich in einer qualitativen Studie ("Die Verengung der Welt") der Universität Passau aufgezeigt (www.researchgate.net/publication/_Die_Verengung_der_Welt).

Aus verschiedenen Gesprächen haben wir ferner den Eindruck gewonnen, dass die enorme Vielzahl an Informationen eher eine gewisse Indifferenz und mangelnde Einordnung von Fakten nach sich zieht. Hinzu kommt der Umstand, dass ein Ereignis das andere jagt und nach kürzester Zeit keine Lehren mehr aus einer erfolgten Befassung abgespeichert werden. Ein eigenes Urteil über sinnvolle Wege zu einer Bekämpfung der Pandemie wird dadurch ebenfalls nicht gefördert.

Last but not least hat auch die offizielle Berichterstattung des dafür zuständigen Robert Koch-Instituts (RKI) mit seiner stark wissenschaftlich geprägten Kommunikation nicht immer dazu beigetragen, das Verständnis in der Bevölkerung zu befördern. Die zahlreichen Missverständnisse um Maßzahlen wie die Verdoppelungszeit und den Reproduktionszahl "R" haben diesen Eindruck erweckt.

Daraus folgt:
Der Pandemie Monitor von IGES

Das IGES Institut hat seine Expertise in den vergangenen 40 Jahren konsequent durch empirische Analysen entwickelt. Gleich wichtig war dabei die Vermittlung der oft komplizierten wissenschaftlichen Aussagen in die politische und gesellschaftliche Praxis: "Von der Information zur Innovation".

Vor diesem Hintergrund fiel nach vier Monaten Pandemie die Entscheidung, dem Problem der unzureichenden Orientierung in der Corona-Krise mit eigenen Analysen und einem eigenen Informationsmedium entgegenzutreten: mit dem IGES Pandemie Monitor.

Der IGES Pandemie Monitor will der allgemeinen wie auch der Fachöffentlichkeit das Infektionsgeschehen so aufbereiten, dass kurz-, mittel- und langfristige Trends sichtbar werden. Gleichzeitig soll auf der Basis verfügbarer Daten schon während des Geschehens die Analyse wahrscheinlicher Ursachen erfolgen. IGES wird seine 40-jährige Erfahrung mit Analysen im Gesundheitssektor nutzen, um aus den Meldedaten und aus der Kombination mit anderen Daten mehr Erkenntnisse zu gewinnen als dies gegenwärtig häufig der Fall ist. Selbstverständlich greifen unsere Erörterungen auch auf andere seriösen Studien zurück, die im Lauf der Zeit von anderen publiziert werden.

Wo eine aktuelle Analyse der Ursachen nicht zweifelsfrei gelingt, weil die verfügbare Datenbasis zu schmal ist oder weil weitere Entwicklungen abgewartet werden müssen, wird der IGES Pandemie Monitor Hypothesen formulieren und entsprechende Fragen stellen.

Der IGES Pandemie Monitor wird eine sich ständig erweiternde Internetseite sein. Analysen und Statistiken zu wichtigen Episoden der Pandemie - wie z. B. die massiven Ausbrüche in der Fleischindustrie Mitte Juni - werden dauerhaft zugänglich bleiben und damit den Nutzern wichtige Ankerpunkte bieten, die zum Verständnis der Corona-Pandemie beitragen.

Und letztlich will der Monitor dazu beitragen, dass die Maßnahmen zur Überwindung der Corona-Pandemie sowohl im Großen wie auch im Kleinen weiterentwickelt werden können. Der IGES Pandemie Monitor will eine Plattform werden, die nicht nur in dieser Krise, sondern auch bei möglichen weiteren Pandemien hilft, die richtigen Erkenntnisse zu gewinnen und die richtigen Maßnahmen anzuleiten.

Zum Aufbau des IGES Pandemie Monitors

Die Corona-Pandemie ist leider keine kurzfristige Erscheinung. Sie ist durch ein Auf und Ab gekennzeichnet, bei dem das Wechselspiel von Infektion und Gegenmaßnahmen prägend ist: der massenhafte Ausbruch im März und der darauf folgende Lockdown, die darauf folgenden kleineren Ausbrüche und die Eindämmungsmaßnahmen auf lokaler Ebene, saisonale Zunahmen infolge des ferienbedingten Reiseverkehrs und landesweite Programme zu deren Bekämpfung. Das Geschehen folgt der sehr frühen Einschätzung von Tomas Pueyo, der die Dynamik als "the hammer and the dance" bezeichnet hat (https://medium.com/tomas-pueyo/coronavirus-articles-endorsements).

Der Wichtigkeit der zeitlichen Dimension trägt der IGES Pandemie Monitor dadurch Rechnung, dass die Darstellungen danach unterschieden werden, ob sie von kurz-, mittel-, oder langfristiger Bedeutung sind. Daher ist die zeitliche Dimension in die Kategorien "Aktuelle Lage", "Entwicklungen" und "Analysen" eingeteilt, die dieser zeitlichen Abstufung entsprechen (siehe folgendes Schema).

Die räumliche Dimension, die der IGES Pandemie Monitor berücksichtigt, bezeichnet den Rahmen, in dem die Intervention stattfindet. Diesbezüglich spielen in Deutschland der Bund, die Länder und die Kreise die Rollen, die ihnen im föderalen System zugewiesen sind. Die Ebene der Kommune kann hingegen nicht abgebildet werden, da die entsprechenden Daten aus dem Meldegesetz auf dieser Ebene nicht zugänglich sind.

Die sachliche Dimension bezeichnet die Tatsache, dass nicht nur Infektionszahlen Gegenstand von Darstellungen und Analysen sind, sondern dass auch Indikatoren aus den Bereichen "Bevölkerung" und "Infrastruktur" herangezogen werden, um das Geschehen verständlich zu machen. Hierzu werden gelegentlich auch Informationen herangezogen, die aus den Medien gewonnen werden.

Zusammengenommen liegt dem IGES Pandemie Monitor ein dreidimensionales Berichtskonzept zugrunde, das über die Menüführung angesteuert werden kann. Das folgende Schema zeigt die insgesamt neun verschiedenen Berichtsebenen, die zukünftig bedient werden.

Die einzelnen Berichtselemente sind als "Artikel" gefasst, die - ähnlich der Systematik im Zeitungswesen - jeweils zu Beginn den zeitlichen und den räumlichen Bezug ausweisen. Die Artikel sind in der Regel so gefasst, dass ein Thema durch einen empirischen Teil - meist eine Abbildung - repräsentiert ist, der in einem zugehörigen Textteil erläutert wird. Häufig werden zwischen den Berichtsebenen und Artikeln auch Bezüge erstellt.

Die meisten Abbildungen können heruntergeladen werden und teilweise kann zwischen einer Linien- und einer Balkendarstellung gewählt werden.Diese Materialien können unter Quellennennung allgemein genutzt werden.

Zu Beginn dieser Internetseite sind einige wenige "Schlagzeilen" aufgeführt, die auf die aus Sicht der Redaktion wichtigsten Themen hinweisen sollen. Hyperlinks verweisen auf die jeweils zugehörigen Artikel.

5. Methodik

5.1 Datengrundlage

5.1.1 Quelle für die Coronavirus-Fallzahlen

Die wesentliche empirische Quelle für den IGES Pandemie Monitor sind die Daten, die das Robert Koch-Institut (RKI) täglich veröffentlicht. Diese wiederum werden von den 379 Gesundheitsämtern über die jeweiligen Landesbehörden an das RKI gemeldet. Rechtliche Grundlage dafür ist das Infektionsschutzgesetz (IfSG).

5.1.1.1 Der öffentliche RKI-Datensatz

Das RKI macht täglich die neuesten Meldezahlen über eine gesonderte Internetseite der Öffentlichkeit zugänglich (https://npgeo-corona-npgeo-de.hub.arcgis.com/). Diese Daten entsprechen im Wesentlichen den Angaben, die das RKI über sein sogenannte „Dashboard“ macht (https://corona.rki.de/). Diese Daten liegen allen unseren Analysen zugrunde, sofern sie sich auf Zeiträume beziehen, die mehr als sieben Tage älter sind als der tagesaktuelle Zeitpunkt.
Angaben, die jünger sind als sieben Tage (vom aktuellen Zeitpunkt aus betrachtet), werden von einer anderen Datenquelle bezogen (s. 5.1.1.2). Der Grund dafür liegt darin, dass die RKI-Daten einem Meldeverzug unterworfen sind, der innerhalb der zurückliegenden sieben Tage zu einer starken Unterbewertung der aktuellen Zahlen führt.

In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass die im täglich veröffentlichten „Lagebericht“ des RKI gemeldeten Fälle nicht über die aktuelle Infektionslage berichten in dem Sinne, dass es sich um den Wert des vorausgegangenen Tages handelt. So wird etwa im Lagebericht vom 28.8.2020 über 1.571 neu gemeldete Fälle berichtet, die sich auf den 27.8.2020 beziehen. Das Dashboard weist jedoch am 28.8. um 19:00) für den 27.8.2020 lediglich 798 Fälle aus. Damit beziehen sich 773 Fälle auf weiter zurückliegende Fälle, die jetzt erst nachgemeldet werden (z. B. ein Fall vom 27.3.2020).
Die Meldungen aus dem Lagebericht werden häufig dahingehend falsch interpretiert, dass die Meldung aus dem Lagebericht dem vergangenen Tag zugeordnet werden.

5.1.1.2 Ergänzende Datenquellen von IGES auf Basis der Webseiten der Gesundheitsämter

Die Schwächen, die sich hinsichtlich der tagesaktuellen Berichterstattung aus dem offiziellen Meldeweg über das RKI ergeben, können teilweise kompensiert werden, weil die Gesundheitsämter in Deutschland für die insgesamt 401 Stadt- und Landkreise in Deutschland täglich auf ihren Webseiten die tagesaktuellen Zahlen der bisher insgesamt Infizierten berichten (auf Basis der ihnen gemeldeten Fälle). Aus der Differenz der Eintragungen (Tag/Vortag) errechnet der IGES Pandemie Monitor tagesaktuell die Zahl der jeweils neu Infizierten. Somit entsteht für die letzten sieben Tage ein nicht-offizieller, jedoch tagesgenauer Meldeweg, der die offiziellen RKI-Erhebungen ergänzt.
Hierzu erhebt IGES mit eigenen Mitarbeitern diese Daten täglich. Einen ähnlichen Zugang organisiert die Johns-Hopkins-Universität, die bereits sehr früh mit ihren global erhobenen Daten an die Öffentlichkeit getreten ist. In Deutschland sind noch mehrere weitere Netzwerke am Start.

5.2 Berechnungen

5.2.1 Absolute Fallzahlen

Absolute Fallzahlen werden ohne Berechnung von der offiziellen Datenbank des RKI übernommen. Für die jeweils letzten sieben Tage kommt die eigene Datenquelle des IGES Institut zum Einsatz.

5.2.2 Relative Angaben

Relative Angaben entstehen beim Bezug auf die Bevölkerungsgröße sowie bei der Berechnung von Anteilen von Teilpopulationen an der Gesamtpopulation der Fälle. Die Anteile werden jeweils auf 100.000 Einwohner bezogen. In den Abbildungen wird dies angezeigt z. B. als "Neue Fälle, relativ, ...".
Die Bevölkerungsgröße wird den Daten entnommen, die das RKI für die Kreise zugrunde legt. Sie sind unter https://www.esri.de/de-de/landingpages/corona-impact-2020/faq. veröffentlicht.
Teilpopulationen werden aus den Angaben gebildet, die das RKI für die Merkmale "Alter" und "Geschlecht" veröffentlicht.

5.2.2.3 Gemittelte Werte

Die Dynamik der Meldungen nach dem Infektionsschutzgesetz folgt in Deutschland einem ausgeprägten Wochenrhythmus. Dieser ist zwischen den Kreisen teilweise stark unterschiedlich. Er ist darauf zurückzuführen, dass sämtliche Beteiligten der Meldekette - Ärzte, Labore, Gesundheitsämter, Landesbehörden - in unterschiedlichem Umfang an Samstagen oder Sonntagen ihre Arbeit einschränken oder einstellen. In Berlin ist es beispielsweise kaum möglich, an einem Wochenende getestet zu werden, geschweige denn ein Testresultat zu erhalten.
Vor diesem Hintergrund machen intertemporale Vergleiche - die wesentliche Grundlage für die Bewertung der Situation bzw. der Effektivität von Maßnahmen - keinen Sinn, wenn sie nicht den Wochenrhythmus berücksichtigen: Abnahmen oder Zunahmen können ausschließlich durch den Vergleich zwischen verschiedenen Wochentagen bedingt sein.
Daher werden im IGES Pandemie Monitor entweder nur einzelne Wochentage untereinander verglichen oder aber ein 7-Tage-Durchschnitt berechnet, in dem eine ganze Woche gemittelt wird, um auf dieser Basis den Wochenrhythmus weitgehend auszugleichen (gekennzeichnet als "7T gD"). Durch die Durchschnittsbildung werden in den Abbildungen Daten gezeigt, die keine ganzen Zahlen sind, sondern Dezimalstellen ausweisen.

5.2.2.4 Krisenregionen

  • Unter "Krisenregionen" versteht der IGES Pandemie Monitor Stadt- oder Landkreise, für die folgendes zutrifft:
  • Durchschnittliche Zahl der Fälle in den vergangenen drei Tagen über 3,5
  • Fallzahl am Stichtag größer als am Vortag
  • Anzahl neuer Fälle pro 100.000 Einwohner am Stichtag über 1,0
  • Das Attribut "Krisenregion" ist somit nicht per se als Großereignis zu werten, sondern als Indikator für eine sich akut verschlechternde Lage.

5.2.2.5 Clusterbildung

Über die Zeit der Corona-Pandemie in Deutschland hat sich herausgestellt, dass temporäre regionale bzw. lokale Fallzahlsteigerungen ihren Schwerpunkt bei unterschiedlichen demografischen Teilen der Bevölkerung haben. So sind die ersten Ausbrüche bei vorwiegend männlichen Skisportlern aufgetreten ("Ischgl"-Infektionen). Etwas später waren alte Menschen betroffen, insbesondere in Pflegeheimen. Die Ausbrüche in der Fleischindustrie Mitte Juni betrafen wiederum überwiegend jüngere Männer, die häufig als Saisonarbeiter mit Werkverträgen tätig sind. Ebenfalls ab Mitte Juni häuften sich Ausbrüche, bei denen hauptsächlich große, kinderreiche Familien mit Migrationshintergrund betroffen waren (z. B. in Göttingen).

Vor diesem Hintergrund wird die Bevölkerung für die Analysen des IGES Pandemie Monitor in drei Cluster aufgeteilt:
M Männer Anteil der Männer an den jeweils Infizierten überwiegt
F Familien Anteil der Familien an den jeweils Infizierten überwiegt
P Pflege Anteil der Pflegebedürftigen an den jeweils Infizierten überwiegt

Ein Cluster wird nur dann berechnet, wenn die über sieben Tage gemittelte Fallzahl größer ist als vier. Zur Definition der Cluster siehe die folgende Abbildung.

Definition der Cluster

5.2.2.6 Reproduktionszahlen

Als Maße für die Entwicklungsgeschwindigkeit bieten sich Parameter an, die ausdrücken, um welchen Anteil sich eine Größe innerhalb eines definierten Zeitabschnitts verändert. In der Corona-Pandemie wurde insbesondere durch das Robert-Koch-Institut (RKI) die sog. "Reproduktionszahl" eingeführt. Durch die Wahl des Zeitraums, auf den sich die Größe bezieht, ergeben sich diverse Möglichkeiten, eine Reproduktionszahl zu definieren. Mathematisch gesehen ist die Reproduktionszahl wie ein Zinssatz zu verstehen.

Das RKI definiert zwei verschiedene Reproduktionszahlen:

Im täglichen Situationsbericht werden zwei R-Werte dargestellt. Zum einen der sensitivere 4-Tage-R-Wert. Dieser Wert bildet zeitnah den Trend der Anzahl von Neuerkrankungen ab und kann auf mögliche Trendänderungen hinweisen. Er reagiert jedoch empfindlich auf kurzfristige Änderungen der Fallzahlen – wie sie etwa durch einzelne Ausbruchsgeschehen verursacht werden können - was besonders bei insgesamt kleineren Anzahlen von Neuerkrankungen zu verhältnismäßig großen Schwankungen führen kann. Zusätzlich gint das RKI ein stabileres 7-Tage-R an, das sich auf einen längeren Zeitraum bezieht und daher weniger tagesaktuellen Schwankungen unterliegt. Das 7-Tage-R bildet Trends zuverlässiger ab, bezieht sich dabei jedoch auf ein Infektionsgeschehen, das etwas länger zurückliegt als beim 4-Tage-R-Wert.

Aus: "Was versteht man unter der Reproduktionszahl R, und wie wichtig ist sie für die Bewertung der Lage?" (RKI - Häufig gestellte Fragen. Abgerufen am 27.11.2020

Im IGES Pandemie Monitor wird ebenfalls eine Reproduktionszahl angegeben, die noch robuster ist, weil zu einem bestimmten Datum noch die 6 vorausgehenden Tage eingeschlossen werden und dieser Wert auf einen 7-Tages-Zeitraum bezogen wird, der genau 7 Tage zurückliegt.

Zuletzt geändert: 21.01.21

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