IGES Pandemie Monitor

Präsentiert von Deutschlands führendem Gesundheitsexperten

Orientierung in der Corona-Pandemie

1. Aktuelle Lage

Wie sich das derzeitige Infektionsgeschehen darstellt

Deutschland

Deutschland

24.09.2020

Fallzahlen am Mittwoch wieder etwas niedriger
  • Betrachtet werden die Werte am Mittwoch (siehe Methodik).
  • Die letzten zwei Wochen (9.9. und 16.9.) standen im Zeichen des Anstiegs. Treiber waren Bayern und Baden-Württemberg, die noch von Infektionen durch Heimaturlauber geprägt waren.
  • Nach dem Abklingen dieses Effektes kommt es nun (23.9.) zu einem geringfügigen Rückgang.
  • Dieser wird allerdings durch größere Ausbrüche bedroht, die nicht mehr im direkten Zusammenhang mit dem Ferienende stehen.

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

Rückgang der Fallzahlen nach Ferienende nunmehr in allen Bundesländern eingetreten - Neue Treiber für Infektionen allerdings in Sicht

Alle Bundesländer

23.09.2020

  • Ferien sind hellrot markiert.
  • Bayern und Baden-Württemberg noch vom Ferienende geprägt, aber erstmals wieder rückläufig.
  • Stadtstaaten wieder mit erneutem Anstieg.
  • NRW und Niedersachsen aktuell stabilisiert.

Deutschland

19.09.2020

Reproduktionszahl: Kurzfristig wieder über 1,0 durch Ferienende in Bayern und Baden-Württemberg
  • Den lange Zeit steigenden Corona-Fallzahlen entspricht, dass die Reproduktionszahl R (nach RKI) mehr als fünf Wochen konstant über 1,0 war.
  • Die Reproduktionszahl "zackelt" in dieser Episode, Anstiege und Rückgänge wechseln sich ab.
  • Dieser Umstand bewahrte die Bundesrepublik vor einer weitaus dynamischeren Entwicklung von Corona-Neuinfektionen, wie sie im März zu beobachten war.
  • Das "Auf und Ab" zeigt an, dass immer wieder erfolgreiche Gegenmaßnahmen eingeleitet werden konnten.
  • Nach dem Ende der Ferien in Bayern und Baden-Württemberg kann wieder mit einem Rückgang unter 1,0 gerechnet werden.

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI

Deutschland

25.09.2020

Zahl der Regionen mit steigenden Fallzahlen ("Krisenregionen") bleibt hinter Fallhäufigkeit zurück - die Vielzahl kleiner Ausbrüche durch Urlaubsrückkehrer verliert an Bedeutung. Größere Ausbrüche gewinnen an Gewicht.
  • "Krisenregionen" sind Stadt- oder Landkreise, die sich durch eine Erhöhung der Corona-Fallzahlen über einen Schwellenwert auszeichnen (definiert unter Methodik).
  • In der ersten Augusthälfte ist die Zahl der Krisenregionen stark angestiegen, wodurch die Arbeitsbelastung zahlreicher Gesundheitsämter teilweise stark gewachsen ist.
  • Auslöser war die Zunahme der Fallzahlen durch infizierte Reiserückkehrer.
  • Die Zahl der "Krisenregionen" nimmt derzeit wieder ab, weil sich die Neuinfektionen wieder auf größere Ausbrüche konzentrieren (siehe unten z.B. Hamm und Würzburg).

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

Bundesländer

Bundesländer

23.09.2020

Einfluss der Sommerferien klingt ab: Bayern und Baden-Württemberg zeigen rückläufige bzw. normalisierte Fallzahlen
  • Bayern und vor allem Baden-Württemberg zeigen deutliche Zeichen der Normalisierung.
  • Östliche Bundesländer nach wie vor kaum betroffen, u.a. aufgrund des vergleichsweise niedrigen Ausländeranteils.
  • Berlin und Hamburg nehmen allerdings stark zu.

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

Die fünf größten Bundesländer

24.09.2020

Ferienrhythmik, Endsommer-Anstieg und Ferienausklang
  • Peaks am Ferienende und anschließend rückläufige Fallzahlen kennzeichnen die Situation in allen größeren Bundesländern.
  • Bayern zeigt im Zusammenhang mit dem Ferienende einen besonders starken und anhaltenden Anstieg.
  • Eine Sonderanalyse von 40 Kreisen, in denen fleischverarbeitende Betriebe ansässig sind zeigt, dass auch im größeren Abstand zum Ferienende Anstiege zu verzeichnen sind, die von jüngeren Urlaubsrückkehrern verursacht sind, ohne dass Kinder häufiger beteiligt sind.
  • Nach Ausklingen der Feriendynamik beruhigt sich das Geschehen mit Ausnahme von NRW.

Quelle: IGES Institut; Daten RKI und IGES

Bundesland im Fokus: Bayern

12.9.2020
Die Corona-Fallzahlen in Bayern sind derzeit stark von Ferienrückkehrern beeinflusst.

Bayern bis Mitte Mai
  • Zu Beginn der Pandemie war Bayern das am stärksten betroffene Bundesland.
  • Viele jüngere Menschen hatten sich in österreischischen Skigebieten infiziert. Ähnlich stark war Baden-Württemberg betroffen.
  • Aufgrund der geringen Erfahrungen mit dem Management der Krise kam es zu einem Übersprung der Infektionen auf ältere Menschen und in der Folge zu sehr vielen Todesfällen.
Bayern ab Mitte Mai
  • Der bayerischen Administration ist es in der Folge gelungen, die Infektionshäufigkeit von Mitte Mai bis Mitte August im Durchschnitt auf Bundesniveau zu halten.
  • Zwei Wochen nach Ferienbeginn kam es zu einem rapiden Anstieg der Corona-Neufälle auf das Dreifache, der sich zum Ferienende auf das Vierfache steigerte.
  • Aufgrund der Erfahrungen aus anderen Bundesländern (insbesondere NRW und Hessen) ist in den kommenden Wochen mit einem deutlichen Rückgang zu rechnen.

Stadt- und Landkreise

20. September 2020

Kreise mit der derzeit höchsten Infektionshäufigkeit: Größere Familien und Hochzeiten häufig im Mittelpunkt. Hohe Fallzahlen pro Ereignis.

  • Hamm: Demografisches Muster Typ "jüngere Familien". Starke Häufung bei Kindern bis 15 Jahren. Medien nennen "südosteuropäische Hochzeitsfeier" in drei Städten mit bis zu 600 Teilnehmern (wa.de vom 17.9.2020 und 23.9.2020 sowie wn.de vom 21.9.2020)
  • Würzburg (Stadt): Demografisches Muster Typ "jüngere Familien". Starke Häufung bei Kindern bis 15 Jahren. Medien nennen Reiserückkehrer und Besucher einer Shisha-Bar (BR24 vom 13.9.2020)
  • München (Stadt): Demografie wie Würzburg. Starke Häufung bei Kindern bis 15 Jahren.
  • Cloppenburg: Demografisches Muster: "Familien". "Ausbrüche in größeren Familieneinheiten" hätten laut Landkreis "wesentlich zu den hohen Infektionszahlen von heute beigetragen"(Landkreis Cloppenburg vom 25.9.2020)
  • Remscheid: Demografisches Muster. "Familien". "Eine Analyse der Remscheider Infektionszahlen macht deutlich, dass der Anstieg insbesondere auf reiserückkehrende Familienverbünde mit Kindern im Kita-und Schulalter zurückgeführt werden kann." (Stadt Remscheid vom 21.9.2020)
  • Dingolfing-Landau: Demografisches Muster: "Männer". Ausbruch in einem BMW-Werk und einem Logistikdienstleister. (Niederbayern TV vom 23.9.2020)
  • Rhön-Grabfeld: Demografisches Muster: Familie. "Hochzeitsfeierlichkeiten vom 12.September 2020"(Landkreis Rhön-Grabfeld vom 25.9.2020)

Quelle: IGES Institut. Daten:RKI und IGES. Für Detailbetrachtungen können einzelne Kreise durch Klicken auf den Namen des Kreises hervorgehoben oder abgewählt werden.

25.09.2020

Großstädte im Vergleich: Rückgang nach Ferienende überwiegt
  • München konnte nach dem Ferienende die hohen Fallzahlen längere Zeit nicht abbauen. Nunmehr Rückgang. Hatten Übermittlungspannen hierbei eine Auswirkung? (BR24 vom 4.9.2020)
  • Stuttgart bisher erfolgreich mit Maßnahmen nach Ferienende.
  • Köln: (Private Party - RTL vom 19.9.2020). Ebenfalls Rückgang.
  • Berlin: erleben erneute Anstiege im deutlichen Abstand zu den Ferien.
  • Leipzig als ostdeutsche Großstadt liegt bei der Häufigkeit von Corona-Neufällen konstant etwa 50 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI und IGES. Für Detailbetrachtungen können einzelne Kreise durch Klicken auf den Namen des Kreises hervorgehoben oder abgewählt werden.

2. Entwicklungen

Wie sich die Zahl der Coronavirus-Infektionen mittelfristig entwickeln wird

Deutschland Prognose

Deutschland

24.09.2020

Sommerferien lassen die Fallhäufigkeit auf das Dreifache ansteigen - Rückgang auf das Doppelte drei Wochen nach Ferienende

  • Die folgende Analyse basiert auf einer rechnerischen Überlagerung der Fallhäufigkeiten aller 16 Bundesländer. Die Daten der Bundesländer werden synchronisiert dargestellt.
  • Daraus ergibt sich eine Darstellung, die das Infektionsgeschehen im zeitlichen Rahmen der Sommerferien abbildet: 49 Tage vor Ferienende bis 21 Tage nach Ferienende.
  • Aufgrund der Tatsache, dass die Sommerferien in Baden-Württemberg und Bayern zum Zeitpunkt der Analyse noch keine 21 Tage zurückliegen, werden die Bevölkerungszahlen dieser beiden Bundesländer nicht berücksichtigt (A: ohne Baden-Württemberg; B: ohne B-W und Bayern).
  • Die Sommerferien dauern in Deutschland im Durchschnitt 42 Tage.
  • 15 Tage nach Ferienbeginn beginnt die Fallhäufigkeit ausgehend von einem Niveau von 0,62 pro 100.000 Einwohner zu steigen.
  • Sechs Tage nach Ferienende ist ein Höchststand von 1,91 erreicht, als ca. der 3fache Wert.
  • Danach sinkt die Fallhäufigkeit wieder bis auf 1,22 am 18. Tag nach Ferienende.
  • Diese Entwicklung stimmt mit anderen Beobachtungen darin überein, dass der wesentliche Grund für den Anstieg des Infektionsgeschehens im Rückstrom von Heimaturlaubern aus Risikogebieten zu sehen ist.

Sommerferien lassen die Fallhäufigkeit auf das Dreifache ansteigen - Rückgang auf das Doppelte drei Wochen nach Ferienende

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

03.09.2020

Nach Ende der Feriensaison sinken die Fallzahlen
  • Aufgrund der starken Abhängigkeit von Corona-Infektionen, die während der Schulferien in Risikogebieten erworben wurden, kann mit einem Rückgang der Fallzahlen gerechnet werden.
  • Ein Rückgang auf die Mitte zwischen dem Niveau vor und nach den Ferien zeichnet sich in den aktuellen Analysen ab.
  • Damit wäre bundesweit mit rund 850 Corona-Neufällen pro Tag zu rechnen.
  • Leider lässt die Serie von Ausbrüchen - vor allem in den Stadtstaaten und in NRW - erwarten, dass diese Zahlen nicht erreicht werden.
  • Mittelfristig muss zusätzlich befürchtet werden, dass das Ende des warmen Wetters zu einer wesentlichen Zunahme von Begegnungen in geschlossenen Räumen führen wird und damit zu einer erneuten Erhöhung der Fallzahlen.

3. Analysen

Faktoren, die die Corona-Pandemie beeinflussen

Deutschland

Reiserückkehrer aus Heimaturlauben bestimmen die Dynamik in den Sommerferien

Deutschland

12.09.2020

Bei Auslandsinfektionen überwiegen die Balkanländer

  • Das RKI gibt für die 34. Kalenderwoche (17. - 23. August) an, dass 49 Prozent aller Neufälle mit ermitteltem Infektionsort auf einen Ort im Ausland entfielen (Lagebericht vom 8.9.2020).
  • Die Lageberichte des RKI weisen die Balkanländer zu annähernd zwei Dritteln als Infektionsort aus, wenn dieser außerhalb von Deutschland lag.
  • Klassische Ferienländer wie Spanien, Italien, Frankreich und Österreich spielen im Hinblick auf die Neuinfektionen eine untergeordnete Rolle.
  • Als Ursachen werden vom RKI "Reisen im Familienverbund" genannt (Lagebericht vom 8.9.2020)
  • Die Statistik des RKI umfasst die Kalenderwochen 25-36 mit insgesamt 46.051 Fällen, bei denen ein ausländischer Infektionsort mit dem Coronavirus ermittelt wurde. Ein Infektionsort konnte insgesamt in knapp 70 Prozent aller Fälle ermittelt werden. Serbien und Montenegro wurden nicht in allen Lageberichten gesondert ausgewiesen und daher der Rubrik "Andere" zugeordnet.

Bei Auslandsinfektionen überwiegen die Balkanländer

Quelle: IGES Institut nach RKI-Lageberichten vom 15.7, 11.8. und 8.9.2020

Deutschland

Ferienzeit: Stadt- und Landkreise mit hohem Ausländeranteil zeigen am Ferienende besonders starke Anstiege der Fallhäufigkeit

  • Der Zusammenhang zwischen der Zahl der Neufälle und dem Anteil von Ausländern in den Land- und Stadtkreisen (nach Statistischem Bundesamt) nimmt in den Ferien stark zu.
  • Der Ausländeranteil ist dabei als Indikator für die Häufigkeit von heimkehrenden Familienbesuchern zu deuten.
  • Dies unterstützt die Analyse des RKI, das im Zusammenhang mit erhöhten Neuinfektionen aus Balkanländern von "Reisen im Familienverbund" spricht.
  • Eine finanzielle Förderung von besonders betroffenen Kreisen wäre zu bedenken (siehe folgenden Artikel).

Ferienzeit: Stadt- und Landkreise mit hohem Ausländeranteil zeigen am Ferienende besonders starke Anstiege der Fallhäufigkeit

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES, Statistisches Bundesamt (destatis)

Deutschland nach Bundesländern

03.09.2020

Östliche Bundesländer mit besonders geringer Fallhäufigkeit

  • Die enge Beziehung zwischen dem Ausländeranteil und der Fallhäufigkeit zeigt sich auch auf Bundeslandebene über einen längeren Zeitraum (1. Mai bis 6. September 2020).
  • Dabei wird zum einen sichtbar, dass die fünf östlichen ("neuen") Bundesländer sowohl beim Ausländeranteil als auch bei der Fallhäufigkeit am unteren Ende rangieren.
  • Zum anderen zeigt sich, dass unter den Bundesländern mit hohem Ausländeranteil und hoher Fallhäufigkeit mit Ausnahme der Stadtstaaten die vier bevölkerungsreichsten Bundesländer Hessen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern sind.
  • Bei der Verteilung von Ressourcen an die mit dem Infektionsschutz beauftragten Institutionen ("Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst" (BMG vom 5.9.2020)) sollte ein Ausgleich dieses Faktors diskutiert werden - sowohl auf Länder- als auch auf Kreisebene.

Östliche Bundesländer mit besonders geringer Fallhäufigkeit

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, Statistisches Bundesamt

Was kann aus der bisherigen Entwicklung der Corona-Pandemie für die kommenden Monate geschlossen werden?

Deutschland

05.09.2020

Meilensteine der bisherigen Entwicklung sind:
  1. Erster Ausbruch in Heinsberg
  2. Beginn Lockdown
  3. Höhepunkt der Neufälle pro Tag
  4. Geringste Zahl der Neufälle
  5. Höhepunkt der Ausbrüche in der Fleischindustrie
  6. Zwischentiefpunkt
  7. Ende des Anstiegs nach der Rückkehrerwelle

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

Entwicklung und Prognose

  • Kontaktbeschränkungen sind Grundlage für die geringen Fallzahlen, die sich im Anschluss an die massiven Ausbrüche im März ergeben haben.
  • Nach der Beruhigung der Situation ab April entstanden Ausbrüche zum einen im Kontext von Arbeitssituationen und zum anderen in größeren Gemeinschaften in deren Wohnumfeld oder in religiösen Kontexten.
  • Mit Ende der Ferien kam es in jedem Bundesland zu teilweise massiven Anstiegen. Herkunftsländer der Infektionen sind im Wesentlichen Balkanländer, insbesondere Kosovo.
  • Mit dem Ferienende wird es zu einem gewissen Rückgang der Fallzahlen in Deutschland kommen, der bei 800 bis 900 Fällen im September geschätzt wird.

Führt der Wiederanstieg der Fallzahlen zu einem Anstieg der Todesfälle?

Deutschland

26.08.2020

Todesfälle bleiben trotz Anstieg der Fallzahlen weiterhin sehr niedrig
  • Derzeit sterben im gesamten Bundesgebiet pro Tag nur etwa drei bis fünf Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion.
  • Hätten wir Verhältnisse wie Ende April läge die Zahl der Sterbefälle bei rund 70.
  • Der entscheidende Grund ist, dass die Pflegeheime vor Corona-Infektionen effektiv geschützt werden konnten.
  • Durch die Verschiebung des Infektionsgeschehens hin zu Familien ist das Durchschnittsalter der Corona-Infizierten stark gesunken.
  • Vor diesem Hintergrund könnte in Erwägung gezogen werden, partielle Lockdown-Strategien zu überdenken, die hohe wirtschaftliche Folgewirkungen nach sich ziehen.

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

Ändert sich die Charakteristik der von den Infektionen Betroffenen?

Deutschland

01.09.2020

Cluster betroffener Menschen verschieben sich über die Laufzeit der Pandemie
  • Eine neuartige Clusteranalyse des IGES Pandemie Monitors ordnet das Infektionsgeschehen nach demografischen Merkmalen der betroffenen Menschen (siehe Methodik).
  • Die Corona-Pandemie beginnt Anfang März überwiegend unter jüngeren Männern ("M"): Vielfach Rückkehrer aus Wintersportgebieten.
  • Anfang April erkranken überwiegend Bewohner von Pflegeeinrichtungen bzw. betagte Menschen ("P").
  • In der abklingenden Phase (Ende April bis Ende Mai) sind wieder jüngere Männer betroffen - hauptsächlich Beschäftigte in Betrieben mit einem Schwerpunkt auf Leiharbeitern.
  • Seit Anfang Juni dominieren Infektionen in demografischen Situationen, die durch Familien mit Kindern geprägt sind.
  • Dieses Muster kann je nach Region stark variieren.

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

Deutschland

01.09.2020

Durchschnittsalter sinkt immer weiter
  • Zu Beginn der Pandemie (1.3.) lag das Durchschnittsalter knapp über 40 Jahre. Das Geschehen war überwiegend von Männern geprägt. Zurückkehrende Skifahrer aus Österreich spielten dabei eine wesentliche Rolle.
  • Das Durchschnittsalter stieg dann bis Mitte April auf ca. 53 Jahre. Ursache waren die massiven Infektionen unter Alten und Pflegebedürftigen.
  • Ab Mitte April sank das Durchschnittsalter kontinuierlich auf ca. 30 Jahre.
  • Ausbrüche bei männlichen Arbeitern aus Osteuropa mit Werkverträgen und anschließend die Verbreitung in meist kinderreichen Familien waren wesentliche Gründe dafür.

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

Deutschland

01.09.2020

Fälle von Kindern bis 15 Jahren nehmen stark zu
  • Die Zahl der von Neuinfektionen betroffenen Kinder hat seit Mitte Juli ständig zugenommen.
  • Außerdem sind Mitte Juni und Mitte August starke Sondereffekte sichtbar, die auf Ausbrüche in einzelnen Regionen (Berlin und NRW) zurückgehen.
  • Der Anstieg der Fallzahlen bei Kindern verweist auf Ausbrüche in größeren Verbänden mit kinderreichen Familien.

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

Bundesländer

Wird die Wiederöffnung der Schulen zur Verbreitung der Infektionen führen?

Die Schließung der Schulen zu Beginn der Pandemie hat bis zu den Sommerferien zu einer überwältigenden Beeinträchtigung der Ausbildung von Kindern, Jugendlichen und - weil auch die Universitäten betroffen waren - junger Erwachsener geführt. Die Folgen davon sind noch unübersehbar. Die Schulen waren aufgrund ihrer durchweg rückschrittlichen Digitalisierung weitgehend ohne Alternative.

In der Diskussion um die Wiederöffnung der Schulen kam es zu einer Diskussion, ob Kinder eine geringe oder eine hohe Gefahr für das Wiederaufflammen der Pandemie darstellen. Diese Diskussion konnte bislang kein Ergebnis erbringen.

Daher ist es von elementarer Bedeutung, ob der derzeitige Verlauf der Infektionszahlen insbesondere bei Kindern Anzeichen zeigen, die eine Aufrechterhaltung der Öffnung der Schulen nach den Ferien rechtfertigen.

Vor diesem Hintergrund werden zwei Betrachtungen angestellt:

1. Stehen Fallzahlsteigerungen bei Kindern (bis 15) im Zusammenhang mit schulischen Ereignissen?
2. Wie entwickeln sich die Fallhäufigkeiten nach den Ferien?

Zu 1.: Infektionen bei Kindern bisher nicht schulischen, sondern familiären Ursprungs

Beispiel Berlin

  • Berlin zeigt zwei starke Anstiege (Peaks) der Zahl der infizierten Kinder: Am 19. Juni sowie am 7. und 12. August.
  • Der erste Peak steht im Zusammenhang des starken Ausbruchs in Neukölln, als von einem überwiegend von rumänischen Gemeindemitgliedern mehrere hundert Infektionen ausgingen (BZ vom 15.6.2020).
  • Der Peak am 7. August fällt exakt auf das Ende der Sommerferien bzw. den Mittwoch nach Schulbeginn. Diese zeitliche Nähe lässt das Geschehen in Verbindung mit Reiserückkehrern mit schulpflichtigen Kindern sehen.
  • Es ist offensichtlich gelungen, größere Ausbrüche in Schulen zu unterbinden.

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

Zu 2.: Fallhäufigkeit bei Kindern geht nach dem "Rückkehrer-Peak" wieder zurück

Beispiele Berlin und NRW:

  • In beiden Bundesländern kommt es am Ferienende zu einem massiven Anstieg der Fallzahlen bei Kindern (bis 15).
  • Im Anschluss sind die Fallzahlen schnell wieder auf Werte, wie sie während der Ferien üblich waren.
  • Bisher kann daher nicht davon die Rede sein, dass die Schule zu einem eigenständigen Verstärker von Infektionen geworden ist.
  • Vielmehr scheinen familiär geprägte Ereignisse (Reiserückkehrer) der führende Grund zu sein.

Quelle: IGES Institut; Daten:

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

Nach Schulbeginn in den einzelnen Bundesländern keine Anzeichen, dass Kinder vermehrt infiziert werden

22.09.2020

  • Es folgt eine Übersicht der Zahl der neu infizierten Kinder unter 15 je 100.000 Einwohner für alle Bundesländer.
  • In jeder Abbildung sind die Sommerferien farblich markiert.

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI und IGES

  • Die Betrachtung der einzelnen Bundesländer zeigt, dass die Inzidenz bei Kindern (bis 15) kurz vor Ferienende stark ansteigt (Reiserückkehrer), danach aber auf das Niveau zurückgeht, das in den Ferien zu sehen war.
  • Einige Bundesländer sind noch nicht mit Sicherheit zu beurteilen (Ferienende noch nicht überall erreicht - Hamburg mit deutlichem Ausschlag drei Wochen nach Ferienende).
  • Bei einzelnen Bundesländern (BY, BW) geht die Inzidenz bereits vor dem Ende der Ferien zurück.
  • Der Rückgang der Inzidenz bei Kindern nach Schulbeginn unterstützt die Annahme, dass bisher in den Schulen kein eigenständiges Infektionsgeschehen besteht.
  • Dennoch werden vereinzelt Klassen geschlossen, wenn einzelne Schüler infiziert sind (Tagesspiegel Corona-Blog vom 12.9.2020)
  • Die Entwicklung wird ständig beobachtet.

Stadt- und Landkreise

Chronik großer Ausbrüche

Die fünf Kreise mit der bisher größten Fallhäufigkeit

07.09.2020

  • Hinweis: Zu beachten ist, dass die hier gezeigten Werte für jeden Tag separat ausgewiesen werden. Die im Beschluss von Bund und Ländern gezogene Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern wird hingegen kumulativ über sieben Tage berechnet. Um mit dieser Grenze von 50 kompatibel zu sein, sind die im Monitor ausgewiesenen Werte mit sieben zu multiplizieren. Dies bedeutet, dass ein Wert von 7,1 Neuinfektionen pro 100.000 EW im Monitor einem Wert von 50 entspricht, wenn dieser als offizieller Grenzwert kumuliert über sieben Tage verstanden wird.
  • Die ersten drei Großausbrüche fallen in die Zeit der allgemeinen Ausbruchswelle im März und April. Alle drei befinden sich in Bayern. Sie sind gekennzeichnet dadurch, dass die Bevölkerung in der Region durchweg infiziert worden ist. Alte Menschen waren genauso betroffen und trugen am meisten zu der damals hohen Sterblichkeit bei.
  • Die Ausbrüche in Gütersloh und Dingolfing waren auf Beschäftigte konzentriert, die überwiegend aus dem osteuropäischen Ausland stammten und als Saisonkräfte oder Leiharbeitnehmer mittels Werkverträgen eingesetzt waren. In Gütersloh waren dies hauptsächlich Männer, die in der Fleischindustrie tätig waren, in Dingolfing handelte es sich um Erntehelfer, wobei Männer und Frauen gleichermaßen betroffen waren.
  • Die beiden letztgenannten Ausbrüche hatten praktisch keine Auswirkungen auf die Sterblichkeit, weil unter den Betroffenen keine Alten waren.

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI

4. IGES Pandemie Monitor

Ausgangspunkt und Ziele

Corona-Pandemie: viel Information - wenig Orientierung

Die Corona-Pandemie hat zu einer noch nie gekannten Fülle von quantitativen Informationen über die Entwicklung der Krise geführt. Der allgemeine Zugriff auf die Meldedaten und die offensive Nutzung des Internets hat dem "Datenjournalismus" ermöglicht, mit tagesaktuellen Karten, Statistiken und Grafiken, ein enormes Informationsangebot rund um das Infektionsgeschehen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu schaffen. Die sogenannten. "Dashboards" ermöglichen den Nutzern zusätzlich eigene Recherchemöglichkeiten, die in diesem Ausmaß bisher noch nie Bestandteil journalistischer Arbeit waren.

Dennoch übertrifft das Fernsehen in Deutschland die Online-Medien der Zeitungen und Zeitschriften als Informationsquelle über das Coronavirus und die Pandemie um das Doppelte. Laut einer Umfrage des Meinungs- und Marktforschungsinstitutes Kantar im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung nutzen 76% der 18- bis 65-jährigen das Fernsehen und 36 % entsprechende Online-Angebote von Printmedien (Ergebnisse aus der Studie "Globale Studie über die Verbreitung von Desinformationen in der Corona-Krise" (www.freiheit.org/umfrage_desinformation_naumann-stiftung.pdf). Obwohl sich die große Mehrheit in Deutschland gut oder sehr gut informiert fühlt, halten 34% der Befragten es für möglich, dass ihnen etwas verschwiegen wird. Ebenfalls 34 % halten die Medienberichterstattung für "nicht glaubhaft". Unvorteilhafte Aspekte der TV-Berichterstattung wurden kürzlich in einer qualitativen Studie ("Die Verengung der Welt") der Universität Passau aufgezeigt (www.researchgate.net/publication/_Die_Verengung_der_Welt).

Aus verschiedenen Gesprächen haben wir ferner den Eindruck gewonnen, dass die enorme Vielzahl an Informationen eher eine gewisse Indifferenz und mangelnde Einordnung von Fakten nach sich zieht. Hinzu kommt der Umstand, dass ein Ereignis das andere jagt und nach kürzester Zeit keine Lehren mehr aus einer erfolgten Befassung abgespeichert werden. Ein eigenes Urteil über sinnvolle Wege zu einer Bekämpfung der Pandemie wird dadurch ebenfalls nicht gefördert.

Last but not least hat auch die offizielle Berichterstattung des dafür zuständigen Robert Koch-Instituts (RKI) mit seiner stark wissenschaftlich geprägten Kommunikation nicht immer dazu beigetragen, das Verständnis in der Bevölkerung zu befördern. Die zahlreichen Missverständnisse um Maßzahlen wie die Verdoppelungszeit und den Reproduktionszahl "R" haben diesen Eindruck erweckt.

Daraus folgt:
Der Pandemie Monitor von IGES

Das IGES Institut hat seine Expertise in den vergangenen 40 Jahren konsequent durch empirische Analysen entwickelt. Gleich wichtig war dabei die Vermittlung der oft komplizierten wissenschaftlichen Aussagen in die politische und gesellschaftliche Praxis: "Von der Information zur Innovation".

Vor diesem Hintergrund fiel nach vier Monaten Pandemie die Entscheidung, dem Problem der unzureichenden Orientierung in der Corona-Krise mit eigenen Analysen und einem eigenen Informationsmedium entgegenzutreten: mit dem IGES Pandemie Monitor.

Der IGES Pandemie Monitor will der allgemeinen wie auch der Fachöffentlichkeit das Infektionsgeschehen so aufbereiten, dass kurz-, mittel- und langfristige Trends sichtbar werden. Gleichzeitig soll auf der Basis verfügbarer Daten schon während des Geschehens die Analyse wahrscheinlicher Ursachen erfolgen. IGES wird seine 40-jährige Erfahrung mit Analysen im Gesundheitssektor nutzen, um aus den Meldedaten und aus der Kombination mit anderen Daten mehr Erkenntnisse zu gewinnen als dies gegenwärtig häufig der Fall ist. Selbstverständlich greifen unsere Erörterungen auch auf andere seriösen Studien zurück, die im Lauf der Zeit von anderen publiziert werden.

Wo eine aktuelle Analyse der Ursachen nicht zweifelsfrei gelingt, weil die verfügbare Datenbasis zu schmal ist oder weil weitere Entwicklungen abgewartet werden müssen, wird der IGES Pandemie Monitor Hypothesen formulieren und entsprechende Fragen stellen.

Der IGES Pandemie Monitor wird eine sich ständig erweiternde Internetseite sein. Analysen und Statistiken zu wichtigen Episoden der Pandemie - wie z. B. die massiven Ausbrüche in der Fleischindustrie Mitte Juni - werden dauerhaft zugänglich bleiben und damit den Nutzern wichtige Ankerpunkte bieten, die zum Verständnis der Corona-Pandemie beitragen.

Und letztlich will der Monitor dazu beitragen, dass die Maßnahmen zur Überwindung der Corona-Pandemie sowohl im Großen wie auch im Kleinen weiterentwickelt werden können. Der IGES Pandemie Monitor will eine Plattform werden, die nicht nur in dieser Krise, sondern auch bei möglichen weiteren Pandemien hilft, die richtigen Erkenntnisse zu gewinnen und die richtigen Maßnahmen anzuleiten.

Zum Aufbau des IGES Pandemie Monitors

Die Corona-Pandemie ist leider keine kurzfristige Erscheinung. Sie ist durch ein Auf und Ab gekennzeichnet, bei dem das Wechselspiel von Infektion und Gegenmaßnahmen prägend ist: der massenhafte Ausbruch im März und der darauf folgende Lockdown, die darauf folgenden kleineren Ausbrüche und die Eindämmungsmaßnahmen auf lokaler Ebene, saisonale Zunahmen infolge des ferienbedingten Reiseverkehrs und landesweite Programme zu deren Bekämpfung. Das Geschehen folgt der sehr frühen Einschätzung von Tomas Pueyo, der die Dynamik als "the hammer and the dance" bezeichnet hat (https://medium.com/tomas-pueyo/coronavirus-articles-endorsements).

Der Wichtigkeit der zeitlichen Dimension trägt der IGES Pandemie Monitor dadurch Rechnung, dass die Darstellungen danach unterschieden werden, ob sie von kurz-, mittel-, oder langfristiger Bedeutung sind. Daher ist die zeitliche Dimension in die Kategorien "Aktuelle Lage", "Entwicklungen" und "Analysen" eingeteilt, die dieser zeitlichen Abstufung entsprechen (siehe folgendes Schema).

Die räumliche Dimension, die der IGES Pandemie Monitor berücksichtigt, bezeichnet den Rahmen, in dem die Intervention stattfindet. Diesbezüglich spielen in Deutschland der Bund, die Länder und die Kreise die Rollen, die ihnen im föderalen System zugewiesen sind. Die Ebene der Kommune kann hingegen nicht abgebildet werden, da die entsprechenden Daten aus dem Meldegesetz auf dieser Ebene nicht zugänglich sind.

Die sachliche Dimension bezeichnet die Tatsache, dass nicht nur Infektionszahlen Gegenstand von Darstellungen und Analysen sind, sondern dass auch Indikatoren aus den Bereichen "Bevölkerung" und "Infrastruktur" herangezogen werden, um das Geschehen verständlich zu machen. Hierzu werden gelegentlich auch Informationen herangezogen, die aus den Medien gewonnen werden.

Zusammengenommen liegt dem IGES Pandemie Monitor ein dreidimensionales Berichtskonzept zugrunde, das über die Menüführung angesteuert werden kann. Das folgende Schema zeigt die insgesamt neun verschiedenen Berichtsebenen, die zukünftig bedient werden.

Die einzelnen Berichtselemente sind als "Artikel" gefasst, die - ähnlich der Systematik im Zeitungswesen - jeweils zu Beginn den zeitlichen und den räumlichen Bezug ausweisen. Die Artikel sind in der Regel so gefasst, dass ein Thema durch einen empirischen Teil - meist eine Abbildung - repräsentiert ist, der in einem zugehörigen Textteil erläutert wird. Häufig werden zwischen den Berichtsebenen und Artikeln auch Bezüge erstellt.

Die meisten Abbildungen können heruntergeladen werden und teilweise kann zwischen einer Linien- und einer Balkendarstellung gewählt werden.Diese Materialien können unter Quellennennung allgemein genutzt werden.

Zu Beginn dieser Internetseite sind einige wenige "Schlagzeilen" aufgeführt, die auf die aus Sicht der Redaktion wichtigsten Themen hinweisen sollen. Hyperlinks verweisen auf die jeweils zugehörigen Artikel.

5. Methodik

5.1 Datengrundlage

5.1.1 Quelle für die Coronavirus-Fallzahlen

Die wesentliche empirische Quelle für den IGES Pandemie Monitor sind die Daten, die das Robert Koch-Institut (RKI) täglich veröffentlicht. Diese wiederum werden von den 379 Gesundheitsämtern über die jeweiligen Landesbehörden an das RKI gemeldet. Rechtliche Grundlage dafür ist das Infektionsschutzgesetz (IfSG).

5.1.1.1 Der öffentliche RKI-Datensatz

Das RKI macht täglich die neuesten Meldezahlen über eine gesonderte Internetseite der Öffentlichkeit zugänglich (https://npgeo-corona-npgeo-de.hub.arcgis.com/). Diese Daten entsprechen im Wesentlichen den Angaben, die das RKI über sein sogenannte „Dashboard“ macht (https://corona.rki.de/). Diese Daten liegen allen unseren Analysen zugrunde, sofern sie sich auf Zeiträume beziehen, die mehr als sieben Tage älter sind als der tagesaktuelle Zeitpunkt.
Angaben, die jünger sind als sieben Tage (vom aktuellen Zeitpunkt aus betrachtet), werden von einer anderen Datenquelle bezogen (s. 5.1.1.2). Der Grund dafür liegt darin, dass die RKI-Daten einem Meldeverzug unterworfen sind, der innerhalb der zurückliegenden sieben Tage zu einer starken Unterbewertung der aktuellen Zahlen führt.

In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass die im täglich veröffentlichten „Lagebericht“ des RKI gemeldeten Fälle nicht über die aktuelle Infektionslage berichten in dem Sinne, dass es sich um den Wert des vorausgegangenen Tages handelt. So wird etwa im Lagebericht vom 28.8.2020 über 1.571 neu gemeldete Fälle berichtet, die sich auf den 27.8.2020 beziehen. Das Dashboard weist jedoch am 28.8. um 19:00) für den 27.8.2020 lediglich 798 Fälle aus. Damit beziehen sich 773 Fälle auf weiter zurückliegende Fälle, die jetzt erst nachgemeldet werden (z. B. ein Fall vom 27.3.2020).
Die Meldungen aus dem Lagebericht werden häufig dahingehend falsch interpretiert, dass die Meldung aus dem Lagebericht dem vergangenen Tag zugeordnet werden.

5.1.1.2 Ergänzende Datenquellen von IGES auf Basis der Webseiten der Gesundheitsämter

Die Schwächen, die sich hinsichtlich der tagesaktuellen Berichterstattung aus dem offiziellen Meldeweg über das RKI ergeben, können teilweise kompensiert werden, weil die Gesundheitsämter in Deutschland für die insgesamt 401 Stadt- und Landkreise in Deutschland täglich auf ihren Webseiten die tagesaktuellen Zahlen der bisher insgesamt Infizierten berichten (auf Basis der ihnen gemeldeten Fälle). Aus der Differenz der Eintragungen (Tag/Vortag) errechnet der IGES Pandemie Monitor tagesaktuell die Zahl der jeweils neu Infizierten. Somit entsteht für die letzten sieben Tage ein nicht-offizieller, jedoch tagesgenauer Meldeweg, der die offiziellen RKI-Erhebungen ergänzt.
Hierzu erhebt IGES mit eigenen Mitarbeitern diese Daten täglich. Einen ähnlichen Zugang organisiert die Johns-Hopkins-Universität, die bereits sehr früh mit ihren global erhobenen Daten an die Öffentlichkeit getreten ist. In Deutschland sind noch mehrere weitere Netzwerke am Start.

5.2 Berechnungen

5.2.1 Absolute Fallzahlen

Absolute Fallzahlen werden ohne Berechnung von der offiziellen Datenbank des RKI übernommen. Für die jeweils letzten sieben Tage kommt die eigene Datenquelle des IGES Institut zum Einsatz.

5.2.2 Relative Angaben

Relative Angaben entstehen beim Bezug auf die Bevölkerungsgröße sowie bei der Berechnung von Anteilen von Teilpopulationen an der Gesamtpopulation der Fälle. Die Anteile werden jeweils auf 100.000 Einwohner bezogen. In den Abbildungen wird dies angezeigt z. B. als "Neue Fälle, relativ, ...".
Die Bevölkerungsgröße wird den Daten entnommen, die das RKI für die Kreise zugrunde legt. Sie sind unter https://www.esri.de/de-de/landingpages/corona-impact-2020/faq. veröffentlicht.
Teilpopulationen werden aus den Angaben gebildet, die das RKI für die Merkmale "Alter" und "Geschlecht" veröffentlicht.

5.2.2.3 Gemittelte Werte

Die Dynamik der Meldungen nach dem Infektionsschutzgesetz folgt in Deutschland einem ausgeprägten Wochenrhythmus. Dieser ist zwischen den Kreisen teilweise stark unterschiedlich. Er ist darauf zurückzuführen, dass sämtliche Beteiligten der Meldekette - Ärzte, Labore, Gesundheitsämter, Landesbehörden - in unterschiedlichem Umfang an Samstagen oder Sonntagen ihre Arbeit einschränken oder einstellen. In Berlin ist es beispielsweise kaum möglich, an einem Wochenende getestet zu werden, geschweige denn ein Testresultat zu erhalten.
Vor diesem Hintergrund machen intertemporale Vergleiche - die wesentliche Grundlage für die Bewertung der Situation bzw. der Effektivität von Maßnahmen - keinen Sinn, wenn sie nicht den Wochenrhythmus berücksichtigen: Abnahmen oder Zunahmen können ausschließlich durch den Vergleich zwischen verschiedenen Wochentagen bedingt sein.
Daher werden im IGES Pandemie Monitor entweder nur einzelne Wochentage untereinander verglichen oder aber ein 7-Tage-Durchschnitt berechnet, in dem eine ganze Woche gemittelt wird, um auf dieser Basis den Wochenrhythmus weitgehend auszugleichen (gekennzeichnet als "7T gD"). Durch die Durchschnittsbildung werden in den Abbildungen Daten gezeigt, die keine ganzen Zahlen sind, sondern Dezimalstellen ausweisen.

5.2.2.4 Krisenregionen

  • Unter "Krisenregionen" versteht der IGES Pandemie Monitor Stadt- oder Landkreise, für die folgendes zutrifft:
  • Durchschnittliche Zahl der Fälle in den vergangenen drei Tagen über 3,5
  • Fallzahl am Stichtag größer als am Vortag
  • Anzahl neuer Fälle pro 100.000 Einwohner am Stichtag über 1,0
  • Das Attribut "Krisenregion" ist somit nicht per se als Großereignis zu werten, sondern als Indikator für eine sich akut verschlechternde Lage.

5.2.2.5 Clusterbildung

Über die Zeit der Corona-Pandemie in Deutschland hat sich herausgestellt, dass temporäre regionale bzw. lokale Fallzahlsteigerungen ihren Schwerpunkt bei unterschiedlichen demografischen Teilen der Bevölkerung haben. So sind die ersten Ausbrüche bei jungen, eher männlichen Skisportlern aufgetreten ("Ischgl"-Infektionen). Etwas später waren alte Menschen, insbesondere in Pflegeheimen betroffen. Die Ausbrüche in der Fleischindustrie Mitte Juni betrafen wiederum überwiegend jüngere Männer, die häufig als Saisonarbeiter mit Werkverträgen tätig sind. Ebenfalls ab Mitte Juni häuften sich Ausbrüche, bei denen hauptsächlich große, kinderreiche Familien mit Migrationshintergrund betroffen waren (z. B. in Göttingen).

Vor diesem Hintergrund wird die Bevölkerung für die Analysen des IGES Pandemie Monitor in drei Cluster aufgeteilt:
M Männer Anteil der Männer an den jeweils Infizierten überwiegt
F Familien Anteil der Familien an den jeweils Infizierten überwiegt
P Pflege Anteil der Pflegebedürftigen an den jeweils Infizierten überwiegt

Ein Cluster wird nur berechnet, wenn die über sieben Tage gemittelte Fallzahl größer ist als vier. Zur Definition der Cluster siehe die folgende Abbildung.

Definition der Cluster

Zuletzt geändert: 24.09.20

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