IGES Pandemie Monitor

Präsentiert von Deutschlands führendem Gesundheitsexperten

Orientierung in der Corona-Pandemie

1. Aktuelle Lage

Wie sich das derzeitige Infektionsgeschehen darstellt

Deutschland

Zur Ermittlung der Zahl der nicht im Akutstadium verstorbenen Fälle verwendet IGES sehr ähnliche Regeln wie das RKI

       
      

Deutschland

12.09.2021

Auch das RKI geht in der Mehrzahl der Fälle davon aus, dass ein Covid-19-Infizierter nach 28 Tagen "genesen" ist

  • Das RKI hat in einer Antwort auf die Anfrage von IGES dankenswerteweise dargelegt, dass für die Ermittlung der Zahl der Genesenen ein Algorithmus zur Anwendung kommt, der auf insgesamt 6 Regeln basiert (nach Abzug der Zahl der Gestorbenen - siehe dazu folgende Abbildung).
  • Im Wesentlichen wird dabei davon ausgegangen, dass eine infizierte Person 28 Tage nach der Erkrankung (bzw. nach Meldung der Infektion) nicht mehr akut krank ist und damit den "Genesenen" zugerechnet wird. Wenn ein Fall als 'leicht' eingestuft wird, wird diese Grenze bereits nach 14 Tagen gezogen.
  • IGES verwendet bei der Ermittlung von Todesfällen von "Genesenen" ein leicht modifiziertes Kriterium: Wenn eine infizierte Person später als 35 Tage (5 Wochen) nach der Meldung der Infektion vom RKI als "verstorben" gemeldet wird, wird sie den "Genesenen" zugerechnet. Zusätzlich wird noch eine Grenze von 70 Tagen und mehr verwendet, um sehr späte Fälle zu unterscheiden.
  • Der Aufschlag von 7 Tagen gegenüber dem RKI ist dadurch begründet, dass angenommen wird, dass zwischen dem Sterbedatum (nicht öffentlich bekannt) und dem Datum der Mitteilung an die Öffentlichkeit einige Tage vergehen und es auch zu Beginn des Falls zu einem Meldeverzug kommen kann.
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  • Verschiedentlich war am Vorgehen von IGES bei der Ermittlung von Fällen, die vermutlich nicht an Covid-19 akut verstorben sind, Kritik geäußert worden. Hierdurch würden Fälle nicht erfasst, die noch später als 5 Wochen verstürben.
  • Dass es solche Fälle gibt, wird für den Einzelfall keinesfalls bestritten, aber die Annahme einer Grenze für die Dauer der akuten Infektion erfolgt aus statistischen Gründen und findet sich gleichermaßen beim Vorgehen des RKI.
  • Auch die Statistik des Vereinigten Königreichs (UK) geht davon aus, dass eine zeitliche Grenze von 28 Tagen "provides a more accurate, and sensitive measure, of the immediate impact of COVID on deaths. This will allow us to better determine if deaths related to COVID are trending up or down." Nur solche Todesfälle, die sich innerhalb dieser Frist ereignen, werden als akut Verstorbene gezählt.

Auch das RKI geht in der Mehrzahl der Fälle davon aus, dass ein Covid-19-Infizierter nach 28 Tagen "genesen" ist

Quelle: Mitteilung RKI

Presse-Aussage, dass 80 Prozent der Corona-Todesfälle an anderen Todesursachen verstorben seien, bezieht sich keinesfalls auf die gesamte Zeit der Pandemie, sondern nur auf den aktuellen Zeitraum seit Juli 2021

       
       
Weitergehende Informationen zum Presseartikel in der WELT vom 30. August 2021

Deutschland

01.09.2021

Juli / Mitte August 2021: Ca. 80 Prozent der gemeldeten Todesfälle sind mehr als fünf Wochen vor der Meldung infiziert worden bzw. ca. 70 Prozent vor mehr als zehn Wochen

  • Von April bis Juli ist der Anteil der täglich gemeldeten Todesfälle von ca. 20 auf über 80 Prozent gestiegen, die fünf und mehr Wochen vor der Todesmeldung als infiziert gemeldet worden sind (1. April bis 19. August: 78%).
  • Wenn man die Fälle betrachtet, die sogar 10 und mehr Wochen vorher als infiziert gemeldet worden sind, betrug der Anteil im Juli immerhin 75 Prozent (1. April bis 19. August: 69%).
  • Im August hat sich dieser Trend etwas zurückgebildet.
  • Damit besteht die Gefahr einer Überschätzung der Sterbefallzahlen. Im genannten Zeitraum betrifft dies 80 Prozent (5-Wochen-Grenze) bzw. 70 Prozent (10-Wochen-Grenze) der gemeldeten Todesfälle, für die eine andere Todesursache maßgeblich sein könnte als eine Covid-19-Infektion. Je länger der Zeitraum ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass sich Sterbefälle von Genesenen dem normalen Sterbegeschehen der Bevölkerung annähern.
  • Zur Methode
  • Die Fälle derjenigen, die max. fünf Wochen nach der Infektionsmeldung als "verstorben" gemeldet worden sind, werden den akut an Covid-19 Verstorbenen zugerechnet. Hintergrund sind empirische Befunde, dass bei Verstorbenen die Zeit vom Symptombeginn bis zum Tod im Mittel (Median) 11 Tage einnimmt ("Epidemiologischer Steckbrief zu SARS-CoV-2 und COVID-19"). Unter Berücksichtigung verschiedener Meldeverzüge werden zur Ermittlung der Zahl der akut an Covid-19 Verstorbenen bei der erfolgten Analyse fünf Wochen angenommen. Im Vereinigten Königreich wird diese Frist auf 28 Tage festgelegt.
  • Die Analyse wurde auf der Grundlage einer Datenbank erstellt, die aus täglichen Kopien der RKI-Daten besteht, die dem RKI-Dashboard zugrunde liegen.

Juli / Mitte August 2021: Ca. 80 Prozent der gemeldeten Todesfälle sind mehr als fünf Wochen vor der Meldung infiziert worden bzw. ca. 70 Prozent vor mehr als zehn Wochen

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Sorgen um Anstieg der Sterbefälle oder die Überlastung des Gesundheitssystems sind wenig begründet

Der Impfschutz hält bei den gefährdeten Altersgruppen

      

Deutschland

16.08.2021

Infektionsfälle von Menschen im Alter von 80+ sind seit Beginn des Jahres weitgehend verschwunden

Rückgang der Infektionsfälle von 80+-Jährigen beträgt 98 Prozent seit Beginn des Jahres bzw. des Impfprogramms.
Dieser Befund ist Ausdruck der Wirkung des bundesweiten Impfprogrammes, das insbesondere den Schutz der Alten zum Ziel hatte, die besonders anfällig für einen tödlichen Ausgang sind.
Trotz Anstieg der allgemeinen Inzidenz sind die gefährdeten Altersgruppen nicht betroffen.
Auch der aktuelle leichte Anstieg der Infektionen in der Gesamtbevölkerung bleibt bei den Alten praktisch aus.
Sorgen um einen neuerlichen Anstieg der Todesfälle oder um die Überlastung des Gesundheits-systems sind aus dieser Perspektive nicht begründet.

Infektionsfälle von Menschen im Alter von 80+ sind seit Beginn des Jahres weitgehend verschwunden

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

16.08.2021

Infektionshäufigkeit bei Alten gegenwärtig fast überall auf ähnlich niedrigem Stand

Gemeldete Inzidenz bei 80+-Jährigen zeigt nur bei wenigen Regierungsbezirken stärkere Abweichungen.
Nur Hamburg und der Regierungsbezirk Schwaben zeigen Werte über 10.
Dort sollte nach Lücken im Impfprogramm gesucht werden.

Infektionshäufigkeit bei Alten gegenwärtig fast überall auf ähnlich niedrigem Stand

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI. Berücksichtigt sind die Kalenderwochen 30 bis 32

Derzeit werden zu viele Corona-Todesfälle gemeldet

Gefahr der Überschätzung der Sterblichkeit während des zu erwartenden Anstiegs der Infektionen

      

Deutschland

24.07.2021

Am Beispiel des 14. Juli: Von 31 neu gemeldeten Todesfällen waren nur 3 in den zurückliegenden 5 Wochen infiziert worden

  • 16 von 31 Todesfällen sind vor 10 Wochen oder länger zurückliegend infiziert worden.
    • Dieser Befund ist Ergebnis einer längsschnittlichen Analyse der täglich vom RKI veröffentlichten Fallzahlen über neue Infektionsfälle und neue Todesfälle, wie sie im „COVID-19-Dashboard“ zu sehen sind.

Am Beispiel des 14. Juli: Von 31  neu gemeldeten Todesfällen waren nur 3 in den zurückliegenden 5 Wochen infiziert worden

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Deutschland

24.07.2021

Der Anteil der neu gemeldeten Todesfälle, die vor 10 und mehr Wochen infiziert wurden, ist jetzt auf über 60% gestiegen

  • Der Anteil der Todesfälle, die nicht als akute Reaktion auf eine Coronavirus-Infektion gedeutet werden können, steigt seit Anfang 2021 ständig.
  • Als Hintergrund ist in Betracht zu ziehen, dass Meldungen erfolgen, bei denen die aktuelle Todesursache nicht dokumentiert wird.

Der Anteil der neu gemeldeten Todesfälle, die vor 10 und mehr Wochen infiziert wurden, ist jetzt auf über 60% gestiegen

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Deutschland

24.07.2021

Von den insgesamt 3,7 Millionen genesenen COVID-19-Infizierten sterben pro Tag etwa 100 an anderen Todesursachen

  • Genesene COVID-19-Infizierte sind – wie alle Menschen – einem Sterberisiko ausgesetzt.
  • Dieses liegt auf der Basis der Altersstruktur der Genesenen nach unseren Berechnungen bei 10,2 im Vergleich zu 11,0 Verstorbene je 1.000 Einwohner pro Jahr in ganz Deutschland.
  • Dies entspricht gut 100 COVID-19-Genesenen täglich, die an einer anderen Todesursache versterben und nicht an COVID-19.
  • Es ist davon auszugehen, dass der hohe Anteil an Verstorbenen, die schon vor 10 Wochen oder länger infiziert worden sind, darauf zurückzuführen ist, dass ihnen fälschlicherweise als Todesursache „COVID-19“ zugewiesen wurde
  • Eine aktuelle Studie aus mehreren Ländern (ohne Deutschland) zeigt, dass bei COVID-19-Patienten selbst mit schweren Störungen der Atemfunktion die Verweildauer auf der Intensivstation im Mittel bei 16 Tagen liegt.
  • Für die kommenden Monate ist es daher erforderlich, dass die Gesundheitsämter Meldungen von Todesfällen vermeiden, die nicht an COVID-19 verstorben sind.

Von den insgesamt 3,7 Millionen  genesenen COVID-19-Infizierten sterben pro Tag etwa 100 an anderen Todesursachen

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Deutschland

24.07.2021

Trotz wochenlanger sehr geringer Corona-Inzidenz geht die Zahl der täglich berichteten Todesfälle nicht weiter zurück

  • Derzeit hat sich die Zahl der gemeldeten Corona-Todesfälle bei 25 pro Tag eingependelt. Dazu gehören auch zahlreiche COVID-19-Verstorbene, deren Infektion länger zurückliegt und die genesen sind.
  • Entsprechend dem im vorausgegangenen Beitrag dargestellten generellen Todesrisiko von schon lange genesenen COVID-19-Patienten ist davon auszugehen, dass jeder vierte aktuell gemeldete Corona-Tote fälschlicherweise den COVID-19-Sterbefällen zugeordnet wird.
  • Erhöhte Sorgfalt der Gesundheitsämter bei der Zuordnung von COVID-19-Verstorbenen zu Coronavirus-Infektionen ist erforderlich.

Trotz wochenlanger sehr geringer Corona-Inzidenz geht die Zahl der täglich berichteten Todesfälle nicht weiter zurück

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Die Pandemie in Europa

Das Corona-Virus wird von Mensch zu Mensch übertragen und macht auch nicht Halt zwischen verschiedenen Staaten. Die kleinräumige Mobilität, Fernverkehr und Flugreisen tragen dazu bei. Nationale und regionale Eingriffe versuchen, der Infektionen Herr zu werden. Das Zusammenwirken aller Kräfte führt zu einem "Tanz der Nationen", der kaum vorherzusagen ist.

The Pandemic in Europe

The Corona virus is transmitted from person to person and does not stop between different countries. Small-scale mobility, long-distance travel and air travel contribute to this. National and regional interventions are trying to control the infections. The interaction of all forces leads to a "dance of nations" that is hard to predict.

Deutschland

18.04.2021

Letalität der Neuinfektionen fast um 75 Prozent gegenüber Höchststand gesunken.

Die Letalität der Covid-19-Fälle ist vom September bis zum Januar ständig gestiegen von 0,3 Prozent auf maximal 4,6 Prozent (Faktor 15).

Die wesentlichen Ursachen sind darin zu sehen, dass
       1. in der Hochphase der 2. Welle besonders viele alte Menschen betroffen waren, die ein hohes Sterberisiko haben und
       2. die medizinische Versorgung erhebliche Fortschritte bei der Versorgung von schwer Erkrankten gemacht hat.

Der Rückgang auf derzeit ca. 1,3 Prozent ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das Impfprogramm bei den Alten Wirkung zeigt. In einzelnen Bundesländern (v.a. Thüringen) sind dabei allerdings noch erhebliche Verbesserungen möglich.

Letalität der Neuinfektionen fast um 75 Prozent gegenüber Höchststand gesunken.

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Unter "Letalität" wird der Quotient aus den an einer Erkrankung Verstorbenen (Zähler) und den von dieser Erkrankung Betroffenen (Nenner) verstanden. Die Letalität gibt an, wie "schlimm" eine Erkrankung ist.

Hierzu lassen sich unterschiedliche Berechnungsregeln heranziehen. Aus Gründen der Praktikabilität wurden an dieser Stelle die Zahlen herangezogen, wie sie in den "Lageberichten" des RKI täglich abgebildet werden. Diese wurden lediglich einer 7-Tage-Mittelung unterzogen, um Tagesschwankungen zu glätten.

Die Zahl der Verstorbenen wurde gegenüber der Zahl der als infiziert Gemeldeten jeweils 21 Tage später gewählt, weil zwischen der Meldung der Infektion und der Todesmeldung beim RKI ungefähr drei Wochen liegen (was allerdings Schwankungen unterworfen ist).

Nachbarländer

30.07.2021

KW29: Die Entkoppelung von Inzidenz und Restriktionen

  • Eine Karte ändert ihre Bedeutung
  • Ein Blick auf die Karte zeigt erneut eine vielfach (30fach) höhere Inzidenz im Vereinigten Königreich (UK).
  • Aber im Unterschied zu Darstellungen noch im April ist UK heute das Land, in dem die allermeisten Restriktionen gefallen sind - insbesondere Beschränkungen bei größeren Ansammlungen. Hintergrund ist der sehr hohe Impfstatus der Bevölkerung mit Ausnahme von Kindern und Jugendlichen, die jetzt das Zentrum des Infektionsgeschehens darstellen.
  • Auch Deutschland begegnet dieser Entwicklung insofern gelassen, als Personen, die aus UK (bzw. anderen Risikogebieten oder Hochrisikogebieten) einreisen, keine Quarantäne mehr antreten müssen, wenn sie vollständig geimpft sind.
  • Bemerkenswert ist im Vergleich zum vergangenen Jahr der Umstand, dass die Balkanländer (die im vergangenen Jahr Quelle für Infektionen von Urlaubsrückkehrern waren) ganz überwiegend eine geringe Inzidenz aufweisen.
  • Vor diesem Hintergrund sollte es auch in Deutschland kein Zurück mehr geben zu den noch im Frühjahr gültigen allgemeinen Beschränkungen. Der Impfstatus von Erwachsenen muss eine zentrale Rolle spielen.

KW29: Die Entkoppelung von Inzidenz und Restriktionen

Quelle: European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) - Die Inzidenzen sind pro 100.000 Einwohner und umgerechnet auf 7 Tage

Video über die Ausbreitung der Pandemie seit Beginn

      
      
Die Ausprägung der zeitlich-räumlichen Verteilung der Pandemie in Deutschland kann jederzeit angehalten, vor- und zurückgesetzt werden. Es erlaubt das Studium der Infektionsherde und ihrer Ausbreitung über die Zeit.

Dazu empfiehlt es sich, die Entwicklung einzelner regionaler Cluster anzusehen, die in unserem Artikel vom 13.3.2021 beschrieben sind.

26.03.2021

Verbreitung von Impfungen in Deutschland und Großbritannien

Das britische Impfprogramm unterscheidet sich diametral vom deutschen:

  • Überwiegende Verwendung des Impfstoffes für die erste Dosis bei Streckung des Intervalls.
  • Fünffache Impfquote gegenüber Deutschland durch deutlich höheren Einsatz von Impfstoff.

Verbreitung von Impfungen in Deutschland und Großbritannien

Quelle: https://coronavirus.data.gov.uk/details/vaccinations | https://impfdashboard.de/daten

26.03.2021

Die Effekte zeigen, dass die britische Strategie in der Lage war, eine knapp 3fach höhere Inzidenz (verursacht durch die sog. "britische Mutation" auf dasselbe Niveau zu bringen, wie es derzeit in Deutschland vorherrschend ist. Die Inzidenz sinkt noch immer.

Es ist zu vermuten, dass ein unverzüglicher Einsatz aller verfügbaren Impfdosen in Deutschland eine erhebliche Hilfe sein könnte, die derzeit steigenden Fallzahlen noch zu kontrollieren.

Quelle: https://coronavirus.data.gov.uk/details/vaccinations | https://impfdashboard.de/daten

Deutschland

06.03.2021

Seit Beginn des Jahres schaffen die Gesundheitsämter die Zuordnung von Fällen zu Ausbrüchen nicht substanziell zu steigern, obwohl die Inzidenz um zwei Drittel gesunken ist

Die Schwellenwerte für Kontaktbeschränkungen und andere Maßnahmen zur Senkung der Inzidenz werden häufig damit begründet, dass bestimmte Schwellwerte erreicht sein müssen, damit die Gesundheitsämter ihre Aufgaben erfüllen können, die ihnen im Rahmen der Infektionsbekämpfung zugeordnet sind. Diese sind bedeutsam, weil

  • die Aufklärung von Einzelfällen nur durch die Anwendung von Wissen aus früheren Ausbrüchen erfolgen kann,
  • die Prävention davon abhängt, dass Erkenntnisse über besondere Gefährdungen vorliegen.

Mehrfach wird darauf hingewiesen, dass die Fälle bzw. ihre Zugehörigkeit zu Ausbrüchen schwer zu eruieren sei. Die Lage bliebe daher vielfach "diffus". Die Aufklärung selbst erfolgt in den Gesundheitsämtern offensichtlich nach sehr unterschiedlichen Regeln. Die dafür vorgesehene Software "SORMAS" ist offensichtlich in der Mehrheit der Kreise installiert, aber vermutlich noch wenig in Benutzung.

Als immer wieder geäußerte Einschränkung für diese Arbeit der Gesundheitsämter wird hervorgehoben, dass es in Phasen mit hoher Inzidenz schwieriger ist, die erforderliche Zeit für die Ausbruchsermittlung zur Verfügung zu stellen. Daraus kann die Erwartung abgeleitet werden, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Anteil der Fälle, die einem Ausbruch zugeordnet werden können, und der Inzidenz.

Hervorhebungen durch IGES Pandemie Monitor

>>> Lagebericht vom 02.03.2021 (S. 11):
In den meisten Kreisen handelt es sich zumeist um ein diffuses Geschehen, mit zahlreichen Häufungen vor allem in Alten- und Pflegeheimen, dem beruflichen Umfeld sowie in Privathaushalten. In einigen Landkreisen ist ein konkreter größerer Ausbruch als Ursache für die hohen Inzidenzen bekannt. Zu der hohen Inzidenz tragen aber nach wie vor auch viele kleinere Ausbrüche bei, z.B. in Krankenhäusern.
...
>>> Lagebericht vom 02.03.2021 (S. 2):
Das genaue Infektionsumfeld lässt sich häufig nicht ermitteln.

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>>> Von der RKI-Website zum Thema "Ausbruchsuntersuchungen":
Das wahrscheinliche Infektionsumfeld wird ebenfalls erhoben und in die Meldesoftware eingegeben. Die Daten und Entwicklungen werden dienstags im Situationsbericht veröffentlicht. Tatsächlich ist es in der Praxis für Gesundheitsämter und Betroffene oft sehr schwer, den exakten Infektionsort zu bestimmen. Die Inkubationszeit ist mit bis zu 14 Tagen sehr variabel und die Symptome beginnen schleichend und sind oft unspezifisch.
...
Da eine eindeutige Aufklärung der eigenen Infektionsumstände für sehr viele Einzelfälle nicht möglich ist, ist die Aufarbeitung von COVID-19-Ausbruchsgeschehen umso wichtiger. Die Gesundheitsämter ermitteln im Umfeld von Fällen, ob weitere Fälle auftreten. Solche Ausbruchsgesehen werden den Landesbehörden und dem RKI ebenfalls übermittelt.
...
Für die zielgerichtete Prävention von COVID-19-Infektionen und -Ausbrüchen ist es wichtig zu wissen, unter welchen Bedingungen sich Infektionsübertragungen besonders leicht ereignen und Ausbrüche entstehen.
Die Ausweisung von Ausbrüchen dient in erster Linie der Erleichterung der Arbeit im Gesundheitsamt und besseren Zusammenarbeit zwischen beteiligten Gesundheitsämtern. Wie Ausbrüche in den Gesundheitsämtern als solche gekennzeichnet werden, ist sehr unterschiedlich und hängt von den Gegebenheiten vor Ort sowie der Charakteristika der Ausbrüche ab. Manchmal kann es sinnvoll sein, einen größeren Ausbruch in mehrere kleinere Cluster zu unterteilen, sodass die absolute Anzahl der übermittelten Ausbrüche nicht immer aussagekräftig ist.
...
Es sind jeweils weitere Unterteilungen möglich. Allerdings sind auch diese Angaben mit Vorsicht zu interpretieren: Die Zuordnung ist nicht immer eindeutig. Trotz der Vielzahl der Auswahlmöglichkeiten werden nicht alle Settings abgedeckt, in denen es zu Ausbrüchen kommt. Die Gesundheitsämter hatten zudem während der Krisensituation der ersten Welle aufgrund des hohen Aufkommens von Fällen häufig nicht die Kapazität, detaillierte Informationen zu Ausbrüchen zu erheben und zu übermitteln. Im Mittelpunkt stand zu dieser Zeit die Übermittlung der Fälle.
...

Die folgende Abbildung zeigt auf der linken Seite, dass in den bisher dokumentierten Kalenderwochen des Jahres 2021 zum einen die Zahl der Neuinfektionen stark zurückgegangen ist, zum anderen aber auch die Zahl der Fälle, die einem Ausbruch zugeordnet werden konnten. Auf der rechten Seite ist neben der Zahl der zugeordneten Fälle auch ihr Anteil an allen Neuinfektionen ausgewiesen.

Der Anteil der zugeordneten Fälle steigt von Kalenderwoche 1 bis 3 von 17 Prozent auf ca. 20 Prozent, obwohl sich die Inzidenz in dieser Zeit nahezu halbiert hat. Der starke Rückgang in der 8. KW soll erst kommentiert werden, wenn Daten über weitere Kalenderwochen vorliegen, weil es sich um einen "Ausreißer" handeln könnte.

Zusammenfassend zeigen die Daten aus diesem Jahr, dass mit einem Rückgang der Inzidenz derzeit keine Steigerung der Zuordnung der Fälle zu Ausbrüchen zu erwarten ist.

07.03.2021

Zuordnung von Fällen zu Ausbrüchen steigt nicht über 30 Prozent selbst bei sehr geringen Inzidenzen. Nicht geeignet zur Begründung von Maßnahmen.

Der oben beschriebene Verlauf der Ausbruchzuordnung im Jahr 2021 (KW1 bis 8) findet sich in der folgenden Abbildung als orangefarbige Punkte. Die als blaue Kreise dargestellten Kalenderwochen des Jahres 2020 (KW41 bis 53) liegen überwiegend unterhalb der Kalenderwochen von 2021. Dies legt den Schluss nahe, dass die Gesundheitsämter in 2021 ihre Fähigkeit verbessern konnten, Fälle zu Ausbrüchen zuzuordnen.

Über den gesamten Zeit erkennt man einen hyperbolischen Zusammenhang, der durch eine Potenzfunktion ausreichend gut approximiert werden kann. Für ausgewählte Inzidenzwerte ergeben sich folgende Quoten für die Ausbruchszuordnung:

7-Tage-Inzidenz
Zuordnungsquote
50
19%
35
21%
10
27%

Die Modellierung bestätigt die empirische Verteilung (siehe folgende Abbildung) und macht deutlich, dass sich die Zuordnung von Fällen zu Ausbrüchen zwischen Inzidenzwerten von 50, 35 oder 10 nur unwesentlich verändert. Selbst bei einem 7-Tage-Inzidenzwert von 5 würde die Zuordnungsquote nur auf 32 Prozent steigen.

Aus DIESER Perspektive erscheint es nicht gerechtfertigt, 7-Tage-Inzidenzquoten von unter 50 Fällen anzustreben.

Zuordnung von Fällen zu Ausbrüchen steigt nicht über 30 Prozent selbst bei sehr geringen Inzidenzen. Nicht geeignet zur Begründung von Maßnahmen.

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Aufklärung der Treiber von Inzidenzen ist Voraussetzung für mehr Mikromanagement und den Verzicht auf simple und unspezifische Lockdown-Maßnahmen.
Der IGES Pandemie Monitor startet weitere Analysen zum Ausbruchsgeschehen.

Ausgewählt wurden die 25 Kreise mit Spitzenwerten bei Dauer und Ausmaß hoher Inzidenzwerte. Dabei stehen Offenbach, Cloppenburg, Hof und München exemplarisch für unterschiedliche Cluster von Ausbruchstreibern.

Deutschland
08.03.2021

Während das Geschehen bei einzelnen Ausbrüchen ohne detaillierte Kenntnisse vor Ort nur in seltenen Fällen von außen analysierbar ist, können auf Kreisebene mehr Schlüsse gezogen werden. Es stehen nicht nur demografische Informationen über die Infizierten zur Verfügung, sondern auch zahlreiche weitere demografische, soziale, ökonomische und politische Informationen.

Im Folgenden soll gezeigt werden, welche Informationen auf Kreisebene verdichtet werden können, mit denen Kreise im Hinblick auf die Infektionsdynamik und die sie begleitenden soziodemografischen und ökonomischen Variablen charakterisiert werden können.

Hierzu wurde für alle 401 Kreise ein Indikator gesucht, der die Kreise im Hinblick auf Häufigkeit und Intensität von Inzidenzen in eine Rangordnung bringt, die "Covid-Intensität". Auf dieser Basis wurden diejenigen 25 Kreise bestimmt, die das epidemische Geschehen in Deutschland anführen. Für sie - so die These - lohnt es sich vordringlich, die hier ermittelten Erkenntnisse auf lokaler Ebene als Grundlage für eine vertiefende Analyse zu verwenden, um die häufig geteilte Einschätzung "diffuses Geschehen" besser aufzuklären, um wiederum der Pandemie auf lokaler Ebene die Stirn zu bieten. Hiermit sollen die gefürchteten landesweiten Lockdowns überflüssig werden.

Bei der Ermittlung der Kreise mit der höchsten "Covid-Aktivität" wird zunächst bestimmt,

  • a) wie viele Tage jeder Kreis seit dem 1.7.2020 pro Tag Inzidenzwerte über dem Bundesdurchschnitt hatte (Häufigkeit) und
  • b) wie hoch die höchste Inzidenz seit dem 1.7. gewesen ist (Intensität).
Für beide Parameter wird eine Rangreihe unter den 401 Kreisen gebildet. Für jeden Kreis wird durch Multiplikation die "Covid-Aktivität" bestimmt. Die 25 Kreise mit den geringsten Werten bilden die Gruppe der Top-25 Covid-Kreise.

Die folgende Tabelle zeigt, welchen Rang die 25 Kreise mit der höchsten "Covid-Aktivität" einnehmen:
  • Rot unterlegte Felder zeigen an, dass der Kreis in Bezug auf den Indikator zum obersten Viertel gehört (also stark ausgeprägt ist).
  • Grün unterlegte Felder zeigen einen Rang im untersten Viertel an.
Die 25 Kreise wurden dann jeweils einem "Cluster" zugeordnet. Ein Cluster fasst mehrere Eigenschaften zusammen. Die Cluster sind:
  • AEA: Hoher Ausländeranteil, Enge Wohnverhältnisse, Arme Bevölkerung
  • AER: Hoher Ausländeranteil, Enge Wohnverhältnisse, Reiche Bevölkerung
  • JFM: Junge Bevölkerung, Fitte Bevölkerung, Männeranteil hoch
  • "Sonstige": Zuordnung zu den genannten Clustern nicht sinnvoll.
"Arm" bedeutet: "Verfügbares Einkommen im unteren Viertel", "jung" bedeutet: "mittleres Alter im unteren Viertel", "fit" bedeutet: "Anteil der Pflegebedürftigen je 100.000 Einwohner (100k EW) im unteren Viertel".

Ein hoher Ausländeranteil war (zusammen mit einer hohen Bevölkerungsdichte) die am häufigsten vorkommende Eigenschaft unter den Variablen.
Insgesamt zeigt sich das Bild, dass die Kreise, die eine hohe Covid-Intensität aufweisen, folgende Eigenschaften aufweisen:

  • geringere Nähe zur deutschen Sprache,
  • beengte Wohnverhältnisse,
  • eher geringes Einkommen,
  • jüngeres mittleres Alter.

Die Cluster unterscheiden sich stark im Hinblick auf Präventionsansätze

Die Darstellung der beschriebenen Cluster zeigt:

  • AEA (Hoher Ausländeranteil, Enge Wohnverhältnisse, Arme Bevölkerung) ist das größte Cluster. Die Inzidenz in den Kreisen ist eher lange und nachhaltig über dem Durchschnitt. Die Höhe der Ausbrüche zeigt keine Spitzenwerte. Aus der Perspektive der Prävention kommen eher allgemeine Maßnahmen in Betracht, die das alltägliche Verhalten ansprechen. Sprachbarrieren sind effektiv zu überwinden.
  • JFM (Junge Bevölkerung, Fitte Bevölkerung, Männeranteil hoch) ist das zweitgrößte Cluster. Hier stehen sehr hohe Ausbrüche im Vordergrund, an denen eher jüngere Männer beteiligt sind. Dies verweist auf Arbeitszusammenhänge. Der Fall "Gütersloh" hat gezeigt, dass zwar ein Extremausbruch nicht wieder aufgetreten ist, dass aber über lange Zeit eine erhebliche Überinzidenz hingenommen werden musste. Dennoch geht an einem Ansatz, der die Arbeitswelt fokussiert, kein Weg vorbei.
  • AER (Hoher Ausländeranteil, Enge Wohnverhältnisse, Reiche Bevölkerung) ist ein Cluster, das sich durch mittlere Ränge bei der Dauerhaftigkeit als auch dem Ausmaß der Inzidenz auszeichnet. Es sind Großstädte betroffen. Sprachbarrieren spielen auch hier eine herausragende Rolle. Auch hier sind Vor-Ort-Informationen besonders wichtig.
  • alt ist ein Cluster, das sich durch eine hohes Durchschnittsalter auszeichnet, nicht aber durch einen hohen Ausländeranteil. Hoher Pflegebedarf ist ein assoziiertes Merkmal. Der Schwerpunkt muss hier auf der Verhinderung von Ausbrüchen in Pflegeheimen liegen.

Generell sollte es gelingen, alleine für diese 25 Spitzen-Kreise lokale Lösungen zu finden, die verhindern, dass die Kreise weiterhin negative Beiträge zur Gesamtinzidenz beisteuern und für ihre Nachbarkreise Infektionsquelle sind.

Die Cluster unterscheiden sich stark im Hinblick auf Präventionsansätze

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Ausgewählte Kreise mit hoher Covid-Aktivität

08.03.2021

7-Tage-Inzidenzen für Offenbach (Stadt), Cloppenburg, Hof (Landkreis) und München (Stadt)

Vier Kreise unter den 25 Kreisen mit der höchsten "Covid-Aktivität" stehen exemplarisch für verschiedene Cluster.
Nur München ist es seit Beginn des Jahres gelungen, die Inzidenz unter den Bundesdurchschnitt zu senken.

Um auf die aktuell gebräuchlichen Werte der "7-Tage-Inzidenzen zu kommen, müssen die angezeigten Werte mit dem Faktor 7 multipliziert werden.
Durch Klicken auf den Namen des Kreises oder "Deutschland" können die entsprechenden Linien abgewählt werden.

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Deutschland

13.03.2021

Längerfristig stabile Verteilung des "Covid-Aktivität"-Indikator auf die 401 Kreise in Deutschland

Die folgende Abbildung zeigt die Verteilung des obersten Viertel der Kreise in rot und dem unteren Viertel der Kreise in grün. Die Bildung des Indikators "Covid-Aktivität" wird in einem vorausgehenden Artikel beschrieben. Die Rangfolge der Kreise kommt durch eine längerfristige Betrachtung zustande und stellt damit keine Momentaufnahme dar.

Sowohl stark betroffene Kreise als auch schwach betroffene Kreise sind nicht gleichmäßig über das Bundesgebiet verteilt. Sie treten überwiegend in regionalen Verdichtungen auf, bei der sich teilweise zehn und mehr benachbarte Kreise derselben Rangstufe befinden. Die Ausnahme bilden Stadtkreise, die überwiegend zum oberen Viertel der Kreise gehören.

Die Betrachtung der regionalen Verteilung zeigt mindestens folgende neun regionale Verdichtungen, die als Zusammenballung von Kreisen mit hoher "Covid-Aktivität" entstehen:

  • Südöstliches Sachsen (u.a. Bautzen)
  • Südliches Thüringen und Nordbayern (u.a. Vogtland und Hof)
  • Westliches Thüringen (u.a. Hildburghausen)
  • Südöstliches Bayern (u.a. Erding)
  • Südliches Bayern (u.a. Garmisch-Partenkirchen)
  • Mittleres Hessen (u.a. Offenbach)
  • Eifel (u.a. Bitburg-Prüme)
  • Ruhrgebiet (u.a. Düsseldorf)
  • Nordwestliches Niedersachsen (u.a. Cloppenburg)
Da den regionalen Verdichtungen eine längerfristig stabile Konstruktion des Indikators "Covid-Aktivität" zugrunde liegt, sollten diese Gebiete eingehender auf die ihnen zugrundeliegenden treibenden Faktoren untersucht werden. Damit könnte die Basis für regional spezifische Interventionskonzepte geschaffen werden. Dieser Ansatz könnte das oben dargestellte "Cluster-Konzept" ergänzen.

Längerfristig stabile Verteilung des "Covid-Aktivität"-Indikator auf die 401 Kreise in Deutschland

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Deutschland

13.03.2021

Auch weiterhin wenig Übereinstimmung zwischen Nachweis von Virusmutationen und hoher Inzidenz

Am 10. März 2021 wurde vom RKI die Aktualisierung zum 3. Bericht "zu Virusvarianten von SARSCoV-2 in Deutschland, insbesondere zur Variant of Concern (VOC) B.1.1.7" veröffentlicht. Darin wurden 24.707 zuvor positiv getestete Proben zusätzlich auf Punktmutationen untersucht (keine Gensequenzierungen). 11.401 Proben (46,1%) waren positiv. Von diesen Proben ist bekannt, aus welchem geographischen Raum sie stammen. Auf der folgenden Karte ist dies in blauer Schattierung dokumentiert (siehe folgende Abbildung).

Auf der folgenden Grafik haben wir diese Karte mit der Darstellung jener Kreise zusammengeführt, die am 12.03.2021 eine 7-Tages-Inzidenz von mehr als 100 gezeigt haben. Zu beachten ist, dass die Karte die Verteilung der Mutationen auf der Basis von Postleitzahlregionen zeigt, während die Inzidenzen auf der Ebene von Stadt- und Landkreisen dargestellt werden.

Die qualitative visuelle Analyse zeigt, dass im Grenzgebiet zwischen Tschechien, Bayern und Thüringen hohe Inzidenzwerte und die Häufigkeit von Proben, die positiv auf die Varianten (Mutationen) getestet wurden, zusammen auftreten. Seit der letzten Analyse zeigen sich solche Übereinstimmungen auch in größeren Teilen Thüringens.
Ansonsten finden sich überwiegend keine Übereinstimmungen zwischen den geografischen Verteilungen.

Die Gegenüberstellung erhärtet den Verdacht, dass das aktuelle Inzidenzgeschehen in der Region Ost- und Nordbayern, Thüringen und Sachsen durch die Variante B.1.1.7 unterstützt wird. In vielen anderen Gebieten mit hoher Inzidenz muss eher nach regulären Faktoren der Verursachung gesucht werden.

Über solche Cluster und ihre Treiber wird im Abschnitt "Aufklärung der Treiber ..." berichtet.

Auch weiterhin wenig Übereinstimmung zwischen Nachweis von Virusmutationen und hoher Inzidenz

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI; Bericht zu Virusvarianten von SARSCoV-2 in Deutschland, insbesondere zur Variant of Concern (VOC) B.1.1.7

Art der Labortestungen:
Es handelt sich um eine Art "Schnelltest", die "einen labordiagnostischen Verdacht auf das Vorliegen der VOC B.1.1.7" liefert, aber keinen Beweis. Dieser kann nur per Gensequenzierung durchgeführt werden.

Auswahl der Proben:
Die Proben waren nicht vorselektiert, umfassten aber nicht alle Labore in Deutschland und von den teilnehmenden Laboren wurden nicht alle Proben nachuntersucht.

13.03.2021

Impfungen zeigen deutliche Effekte bei Menschen über 80 Jahre

Seit Ende Dezember kam es infolge der Wirkung des 3. Lockdown zu einem deutlichen Rückgang der Inzidenz, der gegenwärtig vorerst abgeschlossen zu sein scheint.

Seit Ende Dezember wird in Deutschland gegen Covid-19 geimpft. Zu den ersten Empfängern gehören Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, die überwiegend hohen Alters sind. Zu Ende Januar waren über 800.000 Impfungen an die ca. 750.000 Bewohner von Pflegeheimen verabreicht worden.

Vor diesem Hintergrund soll die Entwicklung dieser Altersgruppen fokussiert betrachtet werden. Da auch schon die erste Impfdosis einen gewissen Schutz aufbaut, könnte es sein, dass in diesen Altersgruppen der Rückgang der Neuinfektionen stärker ist als in anderen Altersgruppen.

Die Abbildung zeigt deutlich, dass dies bei Menschen über 80 Jahre der Fall ist: Von der ersten bis zur neunten Kalenderwoche sind die Fallzahlen bei dieser Gruppe am stärksten zurückgegangen, und zwar um -89 Prozent. Der durchschnittliche Rückgang betrug -60 Prozent.

Beachtlich ist, dass die Fallzahlen der Kinder unter 10 im Berichtszeitraum sogar zugenommen haben. Bei der Erklärung dieses Phänomens könnte die zunehmende Zahl von Tests bei Kindern spielen. Weitere Beobachtungen werden folgen.

Impfungen zeigen deutliche Effekte bei Menschen über 80 Jahre

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Orientierung in der Pandemie
Todesfallzahlen, Krankheitsdauer, Meldeverzug: Warum ist es so schwer, die aktuelle Lage zu beurteilen?
      
      

Deutschland

11.03.2021

Übermittelte Todesfallzahlen in den Lageberichten des RKI übertreiben die tatsächlich dokumentierten Sterbefälle.

  • Die in den Lageberichten übermittelten Todesfallzahlen werden in der Reihenfolge ihres Eingangs beim RKI in den Lageberichten ausgewiesen. Dies bringt es mit sich, dass darunter Fälle sind, die an verschiedenen Tagen verstorben oder an verschiedenen Tagen als erkrankt gemeldet worden sind. Sie bilden also keinesfalls das Geschehen richtig ab. Zudem sind die Schwankungen innerhalb der Woche enorm hoch.
  • Wenn man die genannten Werte aus den Lageberichten mit den tatsächlich in den einzelnen Wochen verstorbenen Menschen vergleicht, zeigt sich seit der 1. Kalenderwoche 2021 eine deutliche Überschätzung der im Mittel pro Tag verstorbenen Fälle. Diese rührt daher, dass die Zahlen aus den Lageberichten über Fälle berichten, die in der Hochphase der Pandemie infiziert worden sind. Dazu kommt, dass der über 2wöchige Meldeverzug während der Feiertage noch zu Nachmeldungen von Personen führt, deren Versterben erst verspätet gemeldet worden ist.
  • Es sollte daher in Zukunft darauf verzichtet werden, die Zahl der Verstorbenen, wie sie in den Lageberichten berichtet werden, zur Grundlage für eine aktuelle Lagebewertung zu machen.

Übermittelte Todesfallzahlen in den Lageberichten des RKI übertreiben die tatsächlich dokumentierten Sterbefälle.

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Deutschland

07.03.2021

Alten- und Pflegeheime als Infektionsort seltener betroffen - Impfprogramm zeigt Wirkung

  • Bis Oktober wurde das Corona-Infektionsgeschehen hauptsächlich von jüngeren Menschen getragen.
  • Die beiden Wellen von Urlaubsrückkehrern im August und September hatten daran wesentlichen Anteil.
  • Ab Oktober beschleunigte sich das Infektionsgeschehen und die Inzidenz nahm stark zu.
  • Die Folge war eine starke Zunahme von Infektionen in Alten- und Pflegeheimen.
  • Seit Beginn des neuen Jahres ist die Zahl von Fällen, die Infektionsorten zugeordnet werden können, insgesamt stark gefallen.
  • Auffällig ist dabei, dass die Alten- und Pflegeheime viel stärker zurückgegangen sind. Sie waren zunächst häufiger vertreten als die privaten Haushalte und sind ab KW 5 weniger häufig als diese.
  • In Verbindung mit den rückläufigen Zahlen der Infektionen bei über 80jährigen kann dies als sicheres Zeichen für die Wirksamkeit des Impfprogramms gewertet werden.

Alten- und Pflegeheime als Infektionsort seltener betroffen - Impfprogramm zeigt Wirkung

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Die Pandemie in 3D - Neue Möglichkeiten zu ihrer Erkundung und zu ihrem Verständnis.

Die Pandemie spielt sich in einem gedanklichen Raum ab, zu dem die folgenden drei Dimensionen gehören:

  • Der physikalische Raum mit seiner Untergliederung nach Kreisen und Bundesländern.
  • Die fortschreitende Zeit sowie
  • Populationen der Bevölkerung, die nach Alter und Geschlecht differenziert werden können.

Während der physikalische Raum häufig durch Karten repräsentiert wird, kann das Zusammenspiel von Zeit und Populationen in einen dreidimensionalen Zusammenhang gebracht werden.

Dies wurde schon verschiedentlich durch fixierte 3D-Grafiken gezeigt. Nunmehr kann eine interaktive Darstellung angeboten werden.

Die folgende Tabelle zählt insgesamt acht wichtige Punkte für die Entwicklung der Pandemie in Deutschland auf.

Deutschland

28.02.2021

Absolute Fallzahlen

Unter der Abbildung findet sich der Schaltknopf für die interaktive 3D-Darstellung.

Die Abbildung zeigt die absoluten Inzidenzwerte im Verlauf der Pandemie für die unterschiedlichen Populationen.

Der Punkt 3 stellt den "point of no return" dar. Im Anschluss daran haben die Fallzahlen nur noch zugenommen. Erst mit dem 2. Lockdown im November konnte die Entwicklung angehalten werden, nachdem sie ein sehr hohes Niveau erreicht hatte.

Beeindruckend ist auch das "Tal", das durch die geringen Fallzahlen der Altersgruppen zwischen 65 und 80 ab der 45 KW entsteht. Die "jungen Alten" können sich aufgrund ihrer Lebensumstände ab effektivsten gegen Infektionen schützen. Siehe dazu auch den folgenden Artikel sowie ein Beitrag in der Ärztezeitung.

Absolute Fallzahlen

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Deutschland

28.02.2021

Relative Inzidenzen zeigen den Beitrag der Altersgruppen innerhalb einer Kalenderwoche

Diese ungewöhnliche Darstellung zeigt, welche Rolle eine Altersgruppe im Verhältnis zur mittleren Inzidenz einer Kalenderwoche spielt. Die Darstellung gibt das jeweilige Vielfache der mittleren Inzidenz wieder - von 0 Prozent bis über 300 Prozent.

Die Darstellung gibt die herausragende Bedeutung der Altersgruppen um die Gruppe der 20- bis 24-jährigen. Diese erstreckt sich von der 20. bis zur 48. Kalenderwoche, also von Mitte Mai bis Anfang November. Diese Altersgruppe war prominent sowohl unter den Urlaubsrückkehrern als auch unter den Anlässen vertreten, die auf Familienfeiern zurückgehen.

Relative Inzidenzen zeigen den Beitrag der Altersgruppen innerhalb einer Kalenderwoche

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Deutschland

28.02.2021

Relative Inzidenzen zeigen den Beitrag der Altersgruppen innerhalb einer Kalenderwoche

Die Verteilung der Todeszahlen verdeutlicht einmal mehr, wie sehr sich dieses Geschehen auf die höheren und hohen Altersgruppen konzentriert.

Relative Inzidenzen zeigen den Beitrag der Altersgruppen innerhalb einer Kalenderwoche

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Bundesländer

Deutschland

14.03.2021

Östliche Bundesländer haben lange Phasen der hoher Inzidenz mit dem Schwerpunkt bei alten Menschen hinter sich
  • Die östlichen Bundesländer waren lange Zeit nur wenig betroffen.
  • Seit Oktober steigen die Fallzahlen praktisch überall. Besonders betroffen waren alte Menschen, die häufig in Alten- und Pflegeheimen infiziert worden sind.
  • Der 3. Lockdown (15. Dezember bis heute) hat auch in den östlichen Bundesländern gewirkt. In Thüringen allerdings bei Inzidenzen von ca. 150.
  • In den westlichen Bundesländern ist auffällig, dass seit März das demographische Muster "jüngere Männer" wieder hervortritt. Dieses war vorherrschend im vergangenen Juni als Arbeitsmigranten in der Fleischindustrie auffällig häufig betroffen waren.

Hinweis zur Abbildung: Graue Flächen markieren Infektionsschwerpunkte bei älteren Menschen.

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Stadt- und Landkreise

2. Entwicklungen

Rückblicke und Ausblicke

Deutschland

Deutschland

21.09.2021

Meilensteine und Phasen der bisherigen Entwicklung sind:
  1. Erster Ausbruch in Heinsberg
  2. 1. Lockdown - ab 22. März, beschlossen am 12./16./22. März 2020
  3. Höhepunkt der Neufälle pro Tag (KW14)
  4. Geringste Zahl der Neufälle
  5. Höhepunkt der Ausbrüche in der Fleischindustrie und großen Familienverbünden (Göttingen, Neukölln) (KW25)
  6. Zwischentiefpunkt bei den Corona-Neuinfektionen
  7. Erste Rückkehrerwelle (NRW und Hessen - KW34)
  8. Zweite Rückkehrerwelle (Bayern und Baden-Württemberg)
  9. Größere Ausbrüche überwiegend im Familienkontext (KW39)
  10. Beginn des massiven Anstiegs bei den Corona-Fallzahlen
  11. Effekt der Herbstferien
  12. 2. Lockdown - ab 1. November, beschlossen am 28. Oktober 2020
  13. 2. Lockdown Verlängerung - beschlossen am 25. November 2020
  14. 3. Lockdown - ab 15. Dezember, beschlossen am 13. Dezember 2020
  15. 4. Lockdown - ab 11. Januar, beschlossen am 5. Januar 2021
  16. 5. Lockdown - ab 25. Januar, beschlossen am 19.Januar 2021
  17. 5. Lockdown 1. Verlängerung - beschlossen am 10.Februar 2021
  18. 5. Lockdown 2. Verlängerung - beschlossen am 03. März 2021
  19. "Bundesnotbremse", in Kraft getreten am 23. April 2021

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

Die Entwicklung der Fälle nach Alter und Geschlecht

Eine wesentliche Voraussetzung zur Prävention weiterer Infektionsfälle besteht in der genauen Analyse der Konstellationen. An dieser Stelle wird dargestellt, wie alleine eine sorgfältige Analyse der demografischen Verhältnisse einiges aufklären kann. Das spezifische Wissen in den Gesundheitsämtern und nachgelagerten Behörden sollte dennoch verstärkt genutzt werden.

31.01.2021

Die jungen Alten sind Champions im Umgang mit Corona

Wie bekommt man COVID-19? Letztlich ist es eine Infektion von Mensch zu Mensch, und alle empfohlenen Maßnahmen zielen darauf ab, Kontakte zu vermeiden.

Das gelingt nicht so gut, wenn man andere so anziehend findet, dass man nicht widerstehen kann, oder wenn man anderen begegnen muss, sei es im öffentlichen Verkehr, in der Freizeit, in der Familie, in der Pflege jedweder Art. Aus dieser Perspektive entschlüsselt sich, wie die einzelnen demografischen Gruppen mit der Seuche zurechtkommen.

Corona-sichere Lebenssituation bei jungen Alten

Es bleibt die Gruppe der 65- bis 79-Jährigen. Sie haben die geringste Inzidenz und sind die Champions im Umgang mit Corona: Platz 1. Sie sind von beruflichen Kontakten befreit, neigen nicht zu Exzessen, und sind materiell vielfach in der Lage, sich mit dem eigenen Wagen fortzubewegen. Und sie können sich Dienstleistungen erlauben, die ihnen helfen, dem meisten aus dem Weg gehen, was ihnen schaden könnte. Diese Privilegien zahlen sich durch ein geringes Risiko aus, zu erkranken. Sie sind häufig alleinstehend und selten mit Kindern und Enkelkindern unter demselben Dach, was allerdings nicht alle als Privileg empfinden dürften. In Italien bezahlte diese Altersgruppe für das Privileg der intergenerationellen Kohabitation allerdings einen hohen Preis, was Corona betrifft.

Der Artikel ist am 26. Januar 2021 in der online-Ausgabe der Ärzte Zeitung erschienen. Lesen Sie hier: HIER

Die jungen Alten sind Champions im Umgang mit Corona

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Deutschland

28.10.2020

Schulkinder zeigen geringsten Anstieg - Risikogruppen den höchsten
  • Schulkinder haben die geringsten Steigerungsraten bei den Corona-Neuinfektionen und sind kleine Gruppe unter den Infizierten.
  • Schule als Treiber der Inzidenz kommt als allgemeiner Faktor daher weniger in Frage.
  • Hochaltrige über 80 Jahren sind alarmierend häufig vertreten.
  • Die Sicherungsmaßnahmen in Pflegeeinrichtungen waren absolut nicht ausreichend.

Führt der Wiederanstieg der Fallzahlen zu einem Anstieg der Todesfälle?

Deutschland

28.12.2020

Häufigkeit von Todesfällen folgt der Inzidenz mit knapp 3wöchigem Verzug - Seit Dezember steigen Todesfälle schneller als die Inzidenz
  • Der 2. Lockdown am 1. November (1) führt am 17. November (2) zu einer kurzen Beruhigung der Sterbefälle.
  • Am 23. November (3) kommt es erneut zu einem Anstieg der Sterbefälle, obwohl die Inzidenz nicht gestiegen ist. Dieser Anstieg steht im Zusammenhang mit der Welle von Ausbrüchen in Pflegeheimen, die infolge der hohen allgemeinen Inzidenz nicht mehr vermieden werden können.
  • So lange dort noch kein ausreichender Impfschutz verfügbar ist, ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen.

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI, IGES

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Bundesländer

Bundesländer

29.12.2020

Infektionsgeschehen im September und Oktober weithin von Männern geprägt. Seit Ende Oktober Übergang zu Familienstrukturen. In Sachsen sind vor allem Alte betroffen.
  • In der Phase des steilen Anstiegs waren vielfach Männer (M - blau) überrepräsentiert.
  • In der letzten Phase des Anstiegs sind durch die hohen Zahlen der Neuinfektionen eher Familien (F - grün) betroffen.
  • In östlichen Bundesländern, insbesondere in Sachsen, sind sehr stark ältere Menschen (P - grau) betroffen.

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Stadt- und Landkreise

Bautzen jetzt Spitzenreiter

22.12.2020

Quelle: IGES Institut; Daten: RKI

Große Städte in Deutschland

15.01.2021

Häufigkeit von Todesfällen in deutschen Großstädten

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

3. Analysen

Faktoren, die die Corona-Pandemie beeinflussen

Deutschland

Deutschland
07.02.2021

Impfstoffe sind weltweit sehr ungleich verteilt. In der westlichen Welt nehmen wenige Länder weit mehr Impfstoffe in Anspruch als eine Gleichverteilung erwarten ließe. Deutschland ist mit Frankreich unter den "Geberländern".

Deutschland befindet sich derzeit in einer Situation, in der die geplanten Impfprogramme wegen Mangels an Impfstoffen nicht wie geplant ausgeführt werden können. Andere Länder haben dagegen massive Vorteile bei der Versorgung. Vor dem Hintergrund von Appellen an eine global oder zumindest europäisch gerechte Versorgung mit knappen Impfstoffen stellt sich die Frage, in welchem Maße die internationale Versorgung diesen Maßstäben gerecht wird.

Hierzu wird im Folgenden eine Betrachtung angestellt, die fragt,

  • welche Länder einem gedachten Pool von verfügbarem Impfstoff welche Anteile entnommen haben.
Ferner wird dargestellt,
  • wie diese nationalen Entnahmen vor dem Hintergrund einer Gleichverteilung zu bewerten sind.
Schließlich wird gezeigt,
  • welche Impfquoten in den verschiedenen Ländern erzielt werden.

Der Analyse liegt eine Aufteilung der Länder zugrunde, die zum Ziel hat, Länder zusammenzufassen, die am ehesten auf dieselben Impfstoffe zurückgreifen.

Für die folgende Analyse wurden die bis zum 6. Februar 2021 gemeldeten Impfungen nach zwei Gruppen von Ländern aufgeteilt:

A.) Länder, von denen angenommen wird, dass sie im Wesentlichen auf die Impfstoffe von BioNTech, Moderna und AstraZeneca zurückgreifen.
B.) Übrige Länder, von denen angenommen wird, dass sie auf russische, chinesische und indische Wirkstoffe zurückgreifen.

Die Analyse wird nur für die Länder der Gruppe A ausgeführt.

Zu berücksichtigen ist, dass in den verschiedenen Ländern unterschiedlichen Impfstrategien gefolgt wird. So hat z. B. Deutschland für einen erheblichen Anteil der bisher durchgeführten Impfungen Rücklagen für eine zweite Impfung gebildet, während andere Länder wie z. B. United Kingdom ihre Ressourcen überwiegend für die erste Impfung eingesetzt haben. Diese Unterschiede können zu einer Verzerrung der Ergebnisse führen. Ebenfalls nicht berücksichtigt ist, dass die Länder nicht alle zu demselben Zeitpunkt mit dem Impfen begonnen haben.

Datenstand: 07.02.2021

Im Ergebnis zeigt sich, dass die sieben Länder
United States, United Kingdom, Israel, United Arab Emirates, Bahrain, Malta und Monaco
ca. 37 Millionen Impfdosen mehr verbrauchen als in einem Szenario der Gleichverteilung zu erwarten wäre. Das bedeutet, dass z. B. Israel zusätzlich zehnmal mehr Impfstoffe verbrauchen konnte als es seiner Bevölkerungsgröße entspricht.

Auf der anderen Seite sind 52 Länder, die gemessen an ihrer Bevölkerung weniger Impfstoffe zur Verfügung hatten, insgesamt 37 Millionen Dosen. Allein zehn Länder hatten 29 Millionen Dosen weniger zur Verfügung und trugen damit den Hauptanteil der Ungleichverteilung:
Ecuador, Canada, Saudi Arabia, France, Germany, Argentina, Turkey, Ukraine, Mexico, Brazil.
Die Analyse zeigt, dass Länder, die sich überdurchschnittlich viel Impfstoffe gesichert haben, weit höhere Impfquoten haben als andere Länder.

Eine politische Analyse muss zahlreiche Faktoren berücksichtigen wie Impfstrategien, Impfstart, Strategien der Zulassung von Wirkstoffen, Verträge mit Herstellern, Herstellungskapazitäten im eigenen Land etc. Zusätzlich darf nicht außer Acht gelassen werden, dass der Hauptsitz von Unternehmen diese anfällig macht, dem Druck nationaler Interessen bei der Wahl ihrer Lieferstrategie nachzugeben.

Insgesamt sollte der Block der Europäischen Union nicht vom Ziel einer gleichmäßigen Binnenverteilung abweichen. Die dennoch vergleichsweise unbefriedigenden Ergebnisse (insbesondere aus deutscher Sicht) sollten in Zukunft aber dazu führen, dass Ländern mit einer offensiveren Haltung zu Beschaffungsprozessen eine stärkere Position bei gemeinsamen Entscheidungen bekommen. Ggf. sollte ihnen eine Opt-out-Möglichkeit zugebilligt werden.

Quelle: IGES Institut Analysen nach: Our World in Data

Die Explosion der Fallzahlen im Oktober baute sich in mehreren Phasen auf

Deutschland

27.10.2020

Mehrere Phasen zu erkennen. Laufende Steigerung der Inzidenz seit der ersten Ferienrückkehrer-Welle

  • Phase 1: Erster Lockdown bringt die Inzidenz auf Werte um 300 Fälle pro Tag.
  • Phase 2: Ausbrüche in Fleischindustrie und bei familiären Anlässen rund um das Zuckerfest können wieder zurückgefahren werden.
  • Phase 3: Erste Urlaubswelle lässt Fallzahlen von 348 auf 1.370 pro Tag steigen. Nur noch geringe Rückbildung möglich.
  • Phase 4: Zweite Urlaubswelle führt zu einem weiteren Anstieg auf 1.750. Keine Rückbildung mehr.
  • Phase 5: Massiver Anstieg der Corona-Neuinfektionen durch Familienfeiern und insbesondere durch hohe Inzidenzen in den Nachbarländern vorangetrieben.
  • Phase 6: Zweiter Lockdown führt zu einem Stillstand des Anstiegs, aber es folgt keine nennenswerte Rückbildung mehr.
  • Phase 7: Erneuter Anstieg in der Vorweihnachtszeit führt zu drittem Lockdown.

Mehrere Phasen zu erkennen. Laufende Steigerung der Inzidenz seit der ersten Ferienrückkehrer-Welle

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

Deutschland

23.12.2020

Fast alle Nachbarländer im Oktober mit massiv erhöhter Inzidenz - Ende Oktober starke Erhöhung der Inzidenz an den Rändern der Republik

  • Starker Anstieg im Oktober hat zum 2. Lockdown am 1. November geführt.
  • Anstieg im Oktober hat sich von den Rändern der Republik ins Landesinnere ausgebreitet.
  • Massiv erhöhte Inzidenzen in fast allen Nachbarländern außer Dänemark.
  • Tschechien und Belgien sind besonders stark betroffen.
  • Deutschland war noch Anfang Oktober eine Insel der geringen Inzidenz in Zentraleuropa.
  • Der Zentralbereich in Mittel- und Norddeutschland ist zu diesem Zeitpunkt noch wenig beeinflusst.
  • Grenzüberschreitende Verkehre sind wahrscheinliche Auslöser.

Fast alle Nachbarländer im Oktober mit massiv erhöhter Inzidenz - Ende Oktober starke Erhöhung der Inzidenz an den Rändern der Republik

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des ECDC

Sommerferien hatten Infektionen durch Urlaubsrückkehrer zur Folge

Deutschland
28.11.2020

  • Die Zahlen des RKI in den Lageberichten zeigen für die 34. Kalenderwoche (17. - 23. August), dass 64 Prozent aller Neufälle mit ermitteltem Infektionsort auf einen Ort im Ausland entfielen (Lagebericht vom 8.9.2020), was 49 Prozent aller insgesamt aufgetretenen Fälle entspricht.
  • Die Lageberichte des RKI weisen die Balkanländer zu annähernd zwei Dritteln als Infektionsort aus, wenn dieser außerhalb von Deutschland lag.
  • Klassische Ferienländer wie Spanien, Italien, Frankreich und Österreich spielen im Hinblick auf die Corona-Neuinfektionen eine untergeordnete Rolle.
  • Als Ursachen werden vom RKI "Reisen im Familienverbund" genannt (Lagebericht vom 8.9.2020)
  • Die Statistik des RKI umfasst die Kalenderwochen 25-36 mit insgesamt 46.051 Fällen, bei denen ein ausländischer Infektionsort mit dem Coronavirus ermittelt wurde. Ein Infektionsort konnte insgesamt in knapp 70 Prozent aller Fälle ermittelt werden. Serbien und Montenegro wurden nicht in allen Lageberichten gesondert ausgewiesen und daher der Rubrik "Andere" zugeordnet.

Anteil der Auslandsinfektionen an den Infektionen mit bekanntem Infektionsort

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

Deutschland

28.11.2020

Anteil der Auslandsinfektionen an den Infektionen mit bekanntem Infektionsort

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Balkanländer mit Abstand wichtigste Herkunftsländer für Auslandsinfektionen

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

Deutschland

28.11.2020

Balkanländer mit Abstand wichtigste Herkunftsländer für Auslandsinfektionen

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Deutschland - Kosovo

28.11.2020

Fallstudie zu Inzidenz im Kosovo: Flüge von Kosovo nach Deutschland und Infektionen aus dem Ursprungsland Kosovo stehen in deutlichem Zusammenhang

  • In der 30. bis 34. Kalenderwoche (Mitte Juli bis Mitte August) kam es zu einer Steigerung der Inzidenz zwischen 24 und 32 Prozent pro Woche. Damit war längerfristig der Weg bereitet für die ab Oktober stark steigenden Corona-Fallzahlen.
  • Zu dieser Zeit (z. B. 34. Woche) betrug der Anteil der Fälle mit bekanntem Ansteckungsort (77 Prozent aller Corona-Fälle), denen eine Ansteckung im Ausland zugrunde lag, bei 64 Prozent.
  • Kosovo nimmt den Spitzenplatz ein.
  • Im Kosovo lagen im Sommer bis zu zehnfach höhere Inzidenzraten vor als in Deutschland (Daten vom European Center for Disease Prevention and Control).
  • Die Zahl der Flüge von Kosovo (Flughafen Pristina) nach Deutschland stieg von knapp 30 auf über 40 Flüge mit geschätzten 5.000 bis 7.500 Passagieren pro Woche (nach Daten der Deutschen Flugsicherung).
  • Da Kosovo nur sehr wenig von Touristen besucht wird, ist davon auszugehen, dass die Flüge überwiegend mit dem Ende der Ferien in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern in Verbindung stehen.
  • Urlaubsrückkehrer aus dem Kosovo ließen in diesem Zeitraum die Fallzahlen in Deutschland um wöchentlich bis zu 900 Fälle ansteigen.
  • Die Zunahme der Zahl der Flüge ab Mitte Oktober deutet darauf hin, dass auch die Herbstferien wieder zu vermehrten Rückreisen nach Deutschland geführt haben. Aufgrund der erneut gestiegenen Inzidenz ist wieder mit vermehrten Infektionsfällen zu rechnen.
  • Ein wesentliches Element der Infektionsbekämpfung sollte in Zukunft die wirksame Unterbindung von Auslandsinfektionen sein.

Fallstudie zu Inzidenz im Kosovo: Flüge von Kosovo nach Deutschland und Infektionen aus dem Ursprungsland Kosovo stehen in deutlichem Zusammenhang

Quelle: IGES Analysen auf Basis von RKI, ECDC und Deutsche Flugsicherung

Deutschland

03.12.2020

Aufklärungsquote bei Ausbrüchen derzeit bei gerade zwölf Prozent

  • Einer der wichtigsten Gründe für Maßnahmen zur Senkung der Corona-Inzidenz besteht darin, die Behörden wieder zu befähigen, Ausbrüche aufzuklären. Die Identifizierung von möglichweise infizierten Menschen und die Veranlassung von Quarantäne kann durch nichts ersetzt werden.
  • Bei den aktuellen Infektionszahlen von mehr als 100.000 Fällen pro Woche (in Deutschland) ist die Aufklärungsquote auf 12 Prozent gesunken. Als die wöchentlichen Infektionszahlen bei 500 lagen, waren es bis zu 70 Prozent.
  • Offensichtlich nimmt die Aufklärung schon bei leichten Fallzahlsteigerungen stark ab, weil die Behörden personell und technisch unterausgestattet sind. Derzeit müssen die Streitkräfte aushelfen.
  • Neben einer Senkung der Inzidenz besteht gleichermaßen die Aufgabe, die Aufklärung der Fälle sicherzustellen. Hierzu müssen verstärkt digitale Lösungen zur Verfügung stehen. Softwarepakete wie DEMIS sind noch nicht überall implementiert. Die bisherigen Erfahrungen müssen dringend bewertet werden in Bezug auf die Frage, ob zusätzlich auf Erfahrungen aus dem Kundenmanagement zurückgegriffen werden muss.
  • Die Aufklärungsquote muss dringend gesteigert werden, wenn wir die Schlacht gegen diese und andere Pandemien gewinnen wollen.

Aufklärungsquote bei Ausbrüchen derzeit bei gerade zwölf Prozent

Quelle: IGES Analysen auf Basis von Daten des RKI

Deutschland

29.11.2020

Lockdown-Verlierer sind östlich und ländlich

  • Bevölkerungs- und ökonomische Faktoren spielen eine Rolle in Bezug auf die Entwicklung der Pandemie in Deutschland.
  • Vor diesem Hintergrund wurden wiederholte multiple Regressionen durchgeführt, um Inzidenz und nun auch die Reaktion der Kreise auf den neuerlichen Lockdown zu untersuchen.
  • Am Ende der Sommerferien waren insbesondere der Anteil der Ausländer an der Bevölkerung der 401 Kreise sowie die Bevölkerungsdichte starke Prädiktoren für die Inzidenz: Je höher der Anteil der Ausländer und je höher die Dichte der Bevölkerung (EW/qm), desto höher war die Inzidenz eines Kreises.
  • Seit Anfang November haben sich aber ganz andere Konstellationen ergeben: Die Bevölkerungsdichte ist zwar immer noch ein signifikanter Prädiktor, jetzt allerdings umgekehrt: Je weniger dicht besiedelt, also je ländlicher ein Kreis ist, desto weniger reagiert er auf den Lockdown. Kreise mit ländlicher Struktur zeigen im Lockdown einen leichten, aber signifikanten Anstieg im Unterschied zu dichter besiedelten Kreisen.
  • Ob ein Kreis in einem östlichen Bundesland liegt (ohne Berlin) spielt dagegen eine erhebliche und statistisch signifikante Rolle: Kreise im Osten zeigen seit Beginn des Lockdown einen Anstieg von 15 Prozent, während Kreise im Westen um zwei Prozent abnehmen.
  • In diesem Kontext ist es bedeutsam, dass die östlichen Bundesländer mit deutlicher Verspätung und von einem sehr viel geringeren Niveau von der zweiten Welle erfasst worden sind. Die These, dass sie sich lange Zeit in Sicherheit gefühlt haben, ist nicht von der Hand zu weisen.
  • Dennoch ist noch nicht aufgeklärt, wie sich die Übertragung vollzogen hat.

Lockdown-Verlierer sind östlich und ländlich

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

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Die Erhöhung der Zahl der Tests ist nicht der entscheidende Faktor für die Erhöhung der Zahl der Neuinfektionen.

Deutschland

28.11.2020

Anzahl der Tests, der Neuinfektionen und der Positivenquote

  • Verschiedentlich wird bezweifelt, dass die aktuell ablaufende 2. Welle der Pandemie eine echte Erhöhung darstellt. Es wird vermutet, dass entweder die aktuellen Fallzahlen durch vorwiegend symptomarme Betroffene mit geringen Krankheitszeichen angereichert sind. Andere vermuten, dass auch schon im März und April ähnlich hohe Fallzahlen zustande gekommen wären, wenn so viel getestet worden wäre wie gegen Ende des Jahres.
  • Tatsächlich hat sich die Zahl der Tests wöchentlich von ca. 0,4 Mio. pro Woche auf 1,6 Mio. pro Woche erhöht (untere Abbildung).
  • Die Anzahl der Neuinfektionen zeigt den zweigipfligen Verlauf der beiden Wellen.
  • Die "Positivenquote" (Quote aus Anzahl der Tests und Anzahl der Neuinfektionen) zeigt ebenfalls einen Verlauf, der der Anzahl der Neuinfektionen ähnlich ist.
  • In den Phasen B und D bleiben die Testzahlen relativ gleich - die Anzahl der Neuinfektionen und die Positivenquote ändern sich jedoch.
  • In der Phase C steigt die Anzahl der Tests - die Anzahl der Neuinfektionen aber nur geringfügig.
  • In der Phase E (KW41 bis KW45) steigt die Anzahl der Tests um 35 Prozent, während die Zahl der Neuinfektionen um 325 Prozent stieg - die Positivenquote von 2,5 auf 7,9 Prozent.
  • Wenn es nun zutreffen würde, dass es bereits im März ähnlich hohe Fallzahlen gegeben hätte wie heute (ca. 18.000), wäre zu erwarten gewesen, dass die damals täglich durchgeführten 58.000 Tests zu etwa einem Drittel positiv gewesen wären. Dies war aber nicht der Fall, es sei denn, dass massive systematische Verzerrungen im Zugang zu Tests stattgefunden hätten, was aber nicht wahrscheinlich ist.
  • Vor diesem Hintergrund lässt sich die These von der Test-Induzierung der Inzidenz sicherlich nicht halten was die Aussage des RKI zu dieser Problematik stützt.

Anzahl der Tests, der Neuinfektionen und der Positivenquote

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

Digitale Medien in Deutschland

28.11.2020

Berichte über Ursachen der Pandemie kommen in Nachrichtenmedien kaum vor

Von dem „Content Intelligence“ Dienstleister "Ubermetrics" werden seit 28. September sämtliche digital veröffentlichten Artikel in deutscher Sprache (incl. transkribierte Audio- und Videobeiträge) zur Analyse bereitgestellt, die Begriffe wie "Corona", "Covid19" u. ä. enthielten.
Dies waren bis 15. November ca. 2 Millionen "Erwähnungen" (Artikel).
In dieser Menge waren ca. 10.000 Artikel enthalten, in denen auch der Begriff "Ursache" vorkam (0,5 Prozent).
In dieser Teilmenge fanden sich 541 Artikel, in denen der Begriff "Ursache" nicht mehr als zehn Wörter entfernt von Begriffen wie "Corona" standen (0,3 Promille).
Auf Twitter entfielen 340 Artikel und auf weitere "Usermedien" noch einmal 97 Artikel (zusammen 437 bzw. 0,22 Promille).
Auf die klassischen Nachrichtenmedien (Tagespresse) entfielen 104 Artikel (0,05 Promille).
Gut die Hälfte der Artikel aus den Nachrichtenmedien entfiel auf den 21. Oktober und die beiden Tage danach. Dies steht mit der Berichterstattung über das Berchtesgadener Land, in dem erstmalig seit April wieder ein kompletter Lockdown angeordnet worden war (siehe Abbildung).
Die meistgenannte Assoziation zu „Ursache“ zog der Begriff „diffus“ auf sich. Der dortige Landrat wurde in der Presse vielfach mit den Worten zitiert „Es ist nicht so, dass eine Gemeinde auffällig ist. Ich kann nur sagen: ‚Diffuses Infektionsgeschehen im Landkreis'.‘“
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Dieser Befund illustriert die massive Lücke, die die traditionellen Nachrichtenmedien offen lassen. Das Bedürfnis nach einer Erklärung für das, was aktuell geschieht und solche massiven Bedrohungen erzeugt, sucht sich seine Befriedigung eher bei Twitter. Dort landet es aber bei Inhalten, die sich häufig nicht auf Quellen beziehen, die einer faktenbasierten Überprüfung standhalten. In diesem Zusammenhang mag auch stehen, dass der Anstieg der Artikel in den Usermedien um den 1. November herum stattfindet (siehe Abbildung), als die Marke von 17.000 Neuinfektionen pro Tag überschritten wurde. Die Frage nach dem "warum" findet praktisch nur hier Antworten.

Berichte über Ursachen der Pandemie kommen in Nachrichtenmedien kaum vor

Quelle: IGES Analysen mit Daten von Ubermetrics

Bundesländer

Derzeit nicht besetzt.

Stadt- und Landkreise

Auf Kreisebene zeigen sich Entwicklungen, die für gezielte Entscheidungen zu nutzen wären

Berlin Neukölln, Berchtesgaden
06.10.2020
      
      
Die Analyse zweier Kreise, die derzeit massive Ausbrüche zeigen, legt nahe, dass es bisher keine präzise Analyse oder ausreichend wirksame Maßnahmen gegeben hat. Die Nachrichtenlage über die Ursachen der Ausbrüche ist in beiden Kreise stellvertretend für viele andere schwach.

Berchtesgadener Land
Der Landkreis ist derzeit so stark betroffen, dass er praktisch die Stärke des Ausbruchs in Gütersloh (Tönnies Schlachthof) erreicht (siehe oben).
Von den Verantwortlichen wird ein diffuses Geschehen angenommen.
Vor diesem Hintergrund sollte berücksichtigt werden, dass der Landkreis über Monate immer wieder von Ausbrüchen betroffen war, die teilweise den Bundesdurchschnitt um das Vierfache überschritten haben.
Die gezielte Auswertung der Meldungen zu diesen Fällen dürfte eine ergiebige Quelle von Informationen sein, die eingesetzt werden könnten, um weiteren Ausbrüchen vorzubeugen.

Berlin Neukölln
Der Berliner Bezirk Neukölln hat gegenwärtig (Ende Okt.) erhöhte Werte im Vergleich zu

  • Berlin gesamt: dreifach erhöht
  • Deutschland: fünffach erhöht
  • Berlin Marzahn: zehnfach erhöht
Die erhöhte Inzidenz in Berlin Neukölln besteht über das ganze Jahr und betrifft alle markanten Phasen der Pandemie:
  • Der Lockdown hatte deutlich weniger Wirkung als im restlichen Berlin.
  • Obwohl noch im Lockdown, stieg die Inzidenz in den Osterferien auf den doppelten Berliner Wert.
  • Private Feiern am Zuckerfest führten zu einer wochenlangen Überinzidenz.
  • Die gilt auch für den Rückreiseverkehr,
Der Berliner Bezirk Marzahn zeigt ein völlig anderes Profil.
Wenn zielgruppenspezifische Maßnahmen ergriffen worden waren, waren sie bislang nicht wirksam.
Dringend sind hier Nachbesserungen erforderlich.
Allgemeingültige Maßnahmen für ganz Berlin sind besonders zu begründen.

Historie der Ausbrüche der aktuell zehn am meisten betroffenen Kreise im Zeitraum vom 1.5. bis 30.9.2020

Mit einer Ausnahme (Erzgebirgskreis) hatten alle Kreise im Vorfeld zahlreiche Ausbrüche. Die oben gestellten Fragen sollten beantwortet werden.

Gibt es weitere Hinweise für das Management der Pandemie auf regionaler Ebene?

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Die 20 bevölkerungsreichsten Stadt- und Landkreise

28.11.2020

Dresden und Berlin legen bei den Corona-Fallzahlen am stärksten zu - Leipzig, Hannover und Recklinghausen nehmen am stärksten ab

  • Eine multivariate Analyse mit Bevölkerungsindikatoren (näheres dazu) ergibt "Erwartungswerte" (hellblau) und "Residuen" (orange), das sind nicht durch die Bevölkerungsindikatoren gedeckten Erwartungswerte. Beide zusammen ergeben die tatsächlich beobachtete Veränderung im Lockdown an (dunkel umrandete Säulen).
  • Die Residuen geben an, um wie viel "zusätzliche Effekte" zum aktuellen Wert der Veränderung nach dem Lockdown beigetragen haben.
  • "Zusätzliche Effekte" können hier nicht inhaltlich bestimmt werden. Es kann sich aber um die Fähigkeit des regionalen Management handeln, die Krise zu bewältigen, oder um Eigenschaften der Bevölkerung, wie diese auf die Krise und die getroffenen Maßnahmen reagiert. Darin kann zum Ausdruck kommen, wie "gut" ein Kreis seine epidemiologische Situation kontrolliert.
  • Ein hoher Residuenwert bedeutet, dass ein Kreis eine für seine Verhältnisse (Bevölkerungsdichte, Lage in Ost oder West) unerwartet hohe oder geringe Veränderungsrate hat.
    • Beispiele:
      • Dresden überschreitet die erwartete Veränderung nach dem Lockdown um 47 Prozent und legt im Lockdown insgesamt um 61,7 Prozent zu.
      • Berlin überschreitet die erwartete Veränderung nach dem Lockdown um 22 Prozent und legt im Lockdown insgesamt um 13,8 Prozent zu.
      • Leipzig unterschreitet die erwartete Veränderung nach dem Lockdown um 17 Prozent und nimmt im Lockdown insgesamt um 8,2 Prozent ab.

Dresden und Berlin legen bei den Corona-Fallzahlen am stärksten zu - Leipzig, Hannover und Recklinghausen nehmen am stärksten ab

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI und Statistischem Bundesamt

Berchtesgadener Land

28.11.2020

Entstehung des enormen Anstiegs bei den Corona-Fallzahlen nicht aus heiterem Himmel

  • Im Landkreis Berchtesgadener Land war ab der 42. Woche ein enorm steiler Anstieg der Fallzahlen zu beobachten.
  • Von lokalen Stellen wurde das Geschehen als "diffuses" Geschehen wahrgenommen.
  • Eine Betrachtung der Vorgeschichte des Anstiegs zeigt allerdings, dass bereits in der 34. Kalenderwoche unter den 15- bis 34-Jährigen über Wochen ein erhöhtes Infektionsgeschehen zu beobachten war.
  • Für diese Zeit weisen zahlreiche andere Befunde darauf hin, dass eine erhöhte Rückreisetätigkeit aus Heimatländer als mitverursachend anzunehmen ist.
  • Zwischen der 39. und 41. Woche zeigten sich kleinere Ausbrüche on den Altersgruppen zwischen 20 und 59 Jahren.
  • Ab der 42. KW kam es zu einem massiven Anstieg in allen Altersgruppen.
  • Eine Erklärung dafür könnte sein, dass insbesondere jüngere Menschen als asymptomatisch Infizierte oder mit geringen Symptomen unentdeckt breitere Bevölkerungskreise angesteckt haben könnten.
  • Kleinere Ausbrüche sollten in Zukunft konsequent aufgeklärt und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden (konsequente Quarantäne), um massive Konsequenzen wie einen kompletten Lockdown zu vermeiden.

Entstehung des enormen Anstiegs bei den Corona-Fallzahlen nicht aus heiterem Himmel

Quelle: IGES Institut Berechnungen nach RKI

4. IGES Pandemie Monitor

Ausgangspunkt und Ziele

Corona-Pandemie: viel Information - wenig Orientierung

Die Corona-Pandemie hat zu einer noch nie gekannten Fülle von quantitativen Informationen über die Entwicklung der Krise geführt. Der allgemeine Zugriff auf die Meldedaten und die offensive Nutzung des Internets hat dem "Datenjournalismus" ermöglicht, mit tagesaktuellen Karten, Statistiken und Grafiken, ein enormes Informationsangebot rund um das Infektionsgeschehen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu schaffen. Die sogenannten. "Dashboards" ermöglichen den Nutzern zusätzlich eigene Recherchemöglichkeiten, die in diesem Ausmaß bisher noch nie Bestandteil journalistischer Arbeit waren.

Dennoch übertrifft das Fernsehen in Deutschland die Online-Medien der Zeitungen und Zeitschriften als Informationsquelle über das Coronavirus und die Pandemie um das Doppelte. Laut einer Umfrage des Meinungs- und Marktforschungsinstitutes Kantar im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung nutzen 76% der 18- bis 65-jährigen das Fernsehen und 36 % entsprechende Online-Angebote von Printmedien (Ergebnisse aus der Studie "Globale Studie über die Verbreitung von Desinformationen in der Corona-Krise" (www.freiheit.org/umfrage_desinformation_naumann-stiftung.pdf). Obwohl sich die große Mehrheit in Deutschland gut oder sehr gut informiert fühlt, halten 34% der Befragten es für möglich, dass ihnen etwas verschwiegen wird. Ebenfalls 34 % halten die Medienberichterstattung für "nicht glaubhaft". Unvorteilhafte Aspekte der TV-Berichterstattung wurden kürzlich in einer qualitativen Studie ("Die Verengung der Welt") der Universität Passau aufgezeigt (www.researchgate.net/publication/_Die_Verengung_der_Welt).

Aus verschiedenen Gesprächen haben wir ferner den Eindruck gewonnen, dass die enorme Vielzahl an Informationen eher eine gewisse Indifferenz und mangelnde Einordnung von Fakten nach sich zieht. Hinzu kommt der Umstand, dass ein Ereignis das andere jagt und nach kürzester Zeit keine Lehren mehr aus einer erfolgten Befassung abgespeichert werden. Ein eigenes Urteil über sinnvolle Wege zu einer Bekämpfung der Pandemie wird dadurch ebenfalls nicht gefördert.

Last but not least hat auch die offizielle Berichterstattung des dafür zuständigen Robert Koch-Instituts (RKI) mit seiner stark wissenschaftlich geprägten Kommunikation nicht immer dazu beigetragen, das Verständnis in der Bevölkerung zu befördern. Die zahlreichen Missverständnisse um Maßzahlen wie die Verdoppelungszeit und den Reproduktionszahl "R" haben diesen Eindruck erweckt.

Daraus folgt:
Der Pandemie Monitor von IGES

Das IGES Institut hat seine Expertise in den vergangenen 40 Jahren konsequent durch empirische Analysen entwickelt. Gleich wichtig war dabei die Vermittlung der oft komplizierten wissenschaftlichen Aussagen in die politische und gesellschaftliche Praxis: "Von der Information zur Innovation".

Vor diesem Hintergrund fiel nach vier Monaten Pandemie die Entscheidung, dem Problem der unzureichenden Orientierung in der Corona-Krise mit eigenen Analysen und einem eigenen Informationsmedium entgegenzutreten: mit dem IGES Pandemie Monitor.

Der IGES Pandemie Monitor will der allgemeinen wie auch der Fachöffentlichkeit das Infektionsgeschehen so aufbereiten, dass kurz-, mittel- und langfristige Trends sichtbar werden. Gleichzeitig soll auf der Basis verfügbarer Daten schon während des Geschehens die Analyse wahrscheinlicher Ursachen erfolgen. IGES wird seine 40-jährige Erfahrung mit Analysen im Gesundheitssektor nutzen, um aus den Meldedaten und aus der Kombination mit anderen Daten mehr Erkenntnisse zu gewinnen als dies gegenwärtig häufig der Fall ist. Selbstverständlich greifen unsere Erörterungen auch auf andere seriösen Studien zurück, die im Lauf der Zeit von anderen publiziert werden.

Wo eine aktuelle Analyse der Ursachen nicht zweifelsfrei gelingt, weil die verfügbare Datenbasis zu schmal ist oder weil weitere Entwicklungen abgewartet werden müssen, wird der IGES Pandemie Monitor Hypothesen formulieren und entsprechende Fragen stellen.

Der IGES Pandemie Monitor wird eine sich ständig erweiternde Internetseite sein. Analysen und Statistiken zu wichtigen Episoden der Pandemie - wie z. B. die massiven Ausbrüche in der Fleischindustrie Mitte Juni - werden dauerhaft zugänglich bleiben und damit den Nutzern wichtige Ankerpunkte bieten, die zum Verständnis der Corona-Pandemie beitragen.

Und letztlich will der Monitor dazu beitragen, dass die Maßnahmen zur Überwindung der Corona-Pandemie sowohl im Großen wie auch im Kleinen weiterentwickelt werden können. Der IGES Pandemie Monitor will eine Plattform werden, die nicht nur in dieser Krise, sondern auch bei möglichen weiteren Pandemien hilft, die richtigen Erkenntnisse zu gewinnen und die richtigen Maßnahmen anzuleiten.

Zum Aufbau des IGES Pandemie Monitors

Die Corona-Pandemie ist leider keine kurzfristige Erscheinung. Sie ist durch ein Auf und Ab gekennzeichnet, bei dem das Wechselspiel von Infektion und Gegenmaßnahmen prägend ist: der massenhafte Ausbruch im März und der darauf folgende Lockdown, die darauf folgenden kleineren Ausbrüche und die Eindämmungsmaßnahmen auf lokaler Ebene, saisonale Zunahmen infolge des ferienbedingten Reiseverkehrs und landesweite Programme zu deren Bekämpfung. Das Geschehen folgt der sehr frühen Einschätzung von Tomas Pueyo, der die Dynamik als "the hammer and the dance" bezeichnet hat (https://medium.com/tomas-pueyo/coronavirus-articles-endorsements).

Der Wichtigkeit der zeitlichen Dimension trägt der IGES Pandemie Monitor dadurch Rechnung, dass die Darstellungen danach unterschieden werden, ob sie von kurz-, mittel-, oder langfristiger Bedeutung sind. Daher ist die zeitliche Dimension in die Kategorien "Aktuelle Lage", "Entwicklungen" und "Analysen" eingeteilt, die dieser zeitlichen Abstufung entsprechen (siehe folgendes Schema).

Die räumliche Dimension, die der IGES Pandemie Monitor berücksichtigt, bezeichnet den Rahmen, in dem die Intervention stattfindet. Diesbezüglich spielen in Deutschland der Bund, die Länder und die Kreise die Rollen, die ihnen im föderalen System zugewiesen sind. Die Ebene der Kommune kann hingegen nicht abgebildet werden, da die entsprechenden Daten aus dem Meldegesetz auf dieser Ebene nicht zugänglich sind.

Die sachliche Dimension bezeichnet die Tatsache, dass nicht nur Infektionszahlen Gegenstand von Darstellungen und Analysen sind, sondern dass auch Indikatoren aus den Bereichen "Bevölkerung" und "Infrastruktur" herangezogen werden, um das Geschehen verständlich zu machen. Hierzu werden gelegentlich auch Informationen herangezogen, die aus den Medien gewonnen werden.

Zusammengenommen liegt dem IGES Pandemie Monitor ein dreidimensionales Berichtskonzept zugrunde, das über die Menüführung angesteuert werden kann. Das folgende Schema zeigt die insgesamt neun verschiedenen Berichtsebenen, die zukünftig bedient werden.

Die einzelnen Berichtselemente sind als "Artikel" gefasst, die - ähnlich der Systematik im Zeitungswesen - jeweils zu Beginn den zeitlichen und den räumlichen Bezug ausweisen. Die Artikel sind in der Regel so gefasst, dass ein Thema durch einen empirischen Teil - meist eine Abbildung - repräsentiert ist, der in einem zugehörigen Textteil erläutert wird. Häufig werden zwischen den Berichtsebenen und Artikeln auch Bezüge erstellt.

Die meisten Abbildungen können heruntergeladen werden und teilweise kann zwischen einer Linien- und einer Balkendarstellung gewählt werden.Diese Materialien können unter Quellennennung allgemein genutzt werden.

Zu Beginn dieser Internetseite sind einige wenige "Schlagzeilen" aufgeführt, die auf die aus Sicht der Redaktion wichtigsten Themen hinweisen sollen. Hyperlinks verweisen auf die jeweils zugehörigen Artikel.

5. Methodik

5.1 Datengrundlage

5.1.1 Quelle für die Coronavirus-Fallzahlen

Die wesentliche empirische Quelle für den IGES Pandemie Monitor sind die Daten, die das Robert Koch-Institut (RKI) täglich veröffentlicht. Diese wiederum werden von den 379 Gesundheitsämtern über die jeweiligen Landesbehörden an das RKI gemeldet. Rechtliche Grundlage dafür ist das Infektionsschutzgesetz (IfSG).

5.1.1.1 Der öffentliche RKI-Datensatz

Das RKI macht täglich die neuesten Meldezahlen über eine gesonderte Internetseite der Öffentlichkeit zugänglich (https://npgeo-corona-npgeo-de.hub.arcgis.com/). Diese Daten entsprechen im Wesentlichen den Angaben, die das RKI über sein sogenannte „Dashboard“ macht (https://corona.rki.de/). Diese Daten liegen allen unseren Analysen zugrunde, sofern sie sich auf Zeiträume beziehen, die mehr als sieben Tage älter sind als der tagesaktuelle Zeitpunkt.
Angaben, die jünger sind als sieben Tage (vom aktuellen Zeitpunkt aus betrachtet), werden von einer anderen Datenquelle bezogen (s. 5.1.1.2). Der Grund dafür liegt darin, dass die RKI-Daten einem Meldeverzug unterworfen sind, der innerhalb der zurückliegenden sieben Tage zu einer starken Unterbewertung der aktuellen Zahlen führt.

In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass die im täglich veröffentlichten „Lagebericht“ des RKI gemeldeten Fälle nicht über die aktuelle Infektionslage berichten in dem Sinne, dass es sich um den Wert des vorausgegangenen Tages handelt. So wird etwa im Lagebericht vom 28.8.2020 über 1.571 neu gemeldete Fälle berichtet, die sich auf den 27.8.2020 beziehen. Das Dashboard weist jedoch am 28.8. um 19:00) für den 27.8.2020 lediglich 798 Fälle aus. Damit beziehen sich 773 Fälle auf weiter zurückliegende Fälle, die jetzt erst nachgemeldet werden (z. B. ein Fall vom 27.3.2020).
Die Meldungen aus dem Lagebericht werden häufig dahingehend falsch interpretiert, dass die Meldung aus dem Lagebericht dem vergangenen Tag zugeordnet werden.

5.1.1.2 Ergänzende Datenquellen von IGES auf Basis der Webseiten der Gesundheitsämter

Die Schwächen, die sich hinsichtlich der tagesaktuellen Berichterstattung aus dem offiziellen Meldeweg über das RKI ergeben, können teilweise kompensiert werden, weil die Gesundheitsämter in Deutschland für die insgesamt 401 Stadt- und Landkreise in Deutschland täglich auf ihren Webseiten die tagesaktuellen Zahlen der bisher insgesamt Infizierten berichten (auf Basis der ihnen gemeldeten Fälle). Aus der Differenz der Eintragungen (Tag/Vortag) errechnet der IGES Pandemie Monitor tagesaktuell die Zahl der jeweils neu Infizierten. Somit entsteht für die letzten sieben Tage ein nicht-offizieller, jedoch tagesgenauer Meldeweg, der die offiziellen RKI-Erhebungen ergänzt.
Hierzu erhebt IGES mit eigenen Mitarbeitern diese Daten täglich. Einen ähnlichen Zugang organisiert die Johns-Hopkins-Universität, die bereits sehr früh mit ihren global erhobenen Daten an die Öffentlichkeit getreten ist. In Deutschland sind noch mehrere weitere Netzwerke am Start.

5.2 Berechnungen

5.2.1 Absolute Fallzahlen

Absolute Fallzahlen werden ohne Berechnung von der offiziellen Datenbank des RKI übernommen. Für die jeweils letzten sieben Tage kommt die eigene Datenquelle des IGES Institut zum Einsatz.

5.2.2 Relative Angaben

Relative Angaben entstehen beim Bezug auf die Bevölkerungsgröße sowie bei der Berechnung von Anteilen von Teilpopulationen an der Gesamtpopulation der Fälle. Die Anteile werden jeweils auf 100.000 Einwohner bezogen. In den Abbildungen wird dies angezeigt z. B. als "Neue Fälle, relativ, ...".
Die Bevölkerungsgröße wird den Daten entnommen, die das RKI für die Kreise zugrunde legt. Sie sind unter https://www.esri.de/de-de/landingpages/corona-impact-2020/faq. veröffentlicht.
Teilpopulationen werden aus den Angaben gebildet, die das RKI für die Merkmale "Alter" und "Geschlecht" veröffentlicht.

5.2.2.3 Gemittelte Werte

Die Dynamik der Meldungen nach dem Infektionsschutzgesetz folgt in Deutschland einem ausgeprägten Wochenrhythmus. Dieser ist zwischen den Kreisen teilweise stark unterschiedlich. Er ist darauf zurückzuführen, dass sämtliche Beteiligten der Meldekette - Ärzte, Labore, Gesundheitsämter, Landesbehörden - in unterschiedlichem Umfang an Samstagen oder Sonntagen ihre Arbeit einschränken oder einstellen. In Berlin ist es beispielsweise kaum möglich, an einem Wochenende getestet zu werden, geschweige denn ein Testresultat zu erhalten.
Vor diesem Hintergrund machen intertemporale Vergleiche - die wesentliche Grundlage für die Bewertung der Situation bzw. der Effektivität von Maßnahmen - keinen Sinn, wenn sie nicht den Wochenrhythmus berücksichtigen: Abnahmen oder Zunahmen können ausschließlich durch den Vergleich zwischen verschiedenen Wochentagen bedingt sein.
Daher werden im IGES Pandemie Monitor entweder nur einzelne Wochentage untereinander verglichen oder aber ein 7-Tage-Durchschnitt berechnet, in dem eine ganze Woche gemittelt wird, um auf dieser Basis den Wochenrhythmus weitgehend auszugleichen (gekennzeichnet als "7T gD"). Durch die Durchschnittsbildung werden in den Abbildungen Daten gezeigt, die keine ganzen Zahlen sind, sondern Dezimalstellen ausweisen.

5.2.2.4 Krisenregionen

  • Unter "Krisenregionen" versteht der IGES Pandemie Monitor Stadt- oder Landkreise, für die folgendes zutrifft:
  • Durchschnittliche Zahl der Fälle in den vergangenen drei Tagen über 3,5
  • Fallzahl am Stichtag größer als am Vortag
  • Anzahl neuer Fälle pro 100.000 Einwohner am Stichtag über 1,0
  • Das Attribut "Krisenregion" ist somit nicht per se als Großereignis zu werten, sondern als Indikator für eine sich akut verschlechternde Lage.

5.2.2.5 Clusterbildung

Über die Zeit der Corona-Pandemie in Deutschland hat sich herausgestellt, dass temporäre regionale bzw. lokale Fallzahlsteigerungen ihren Schwerpunkt bei unterschiedlichen demografischen Teilen der Bevölkerung haben. So sind die ersten Ausbrüche bei vorwiegend männlichen Skisportlern aufgetreten ("Ischgl"-Infektionen). Etwas später waren alte Menschen betroffen, insbesondere in Pflegeheimen. Die Ausbrüche in der Fleischindustrie Mitte Juni betrafen wiederum überwiegend jüngere Männer, die häufig als Saisonarbeiter mit Werkverträgen tätig sind. Ebenfalls ab Mitte Juni häuften sich Ausbrüche, bei denen hauptsächlich große, kinderreiche Familien mit Migrationshintergrund betroffen waren (z. B. in Göttingen).

Vor diesem Hintergrund wird die Bevölkerung für die Analysen des IGES Pandemie Monitor in drei Cluster aufgeteilt:
M Männer Anteil der Männer an den jeweils Infizierten überwiegt
F Familien Anteil der Familien an den jeweils Infizierten überwiegt
P Pflege Anteil der Pflegebedürftigen an den jeweils Infizierten überwiegt

Ein Cluster wird nur dann berechnet, wenn die über sieben Tage gemittelte Fallzahl größer ist als vier. Zur Definition der Cluster siehe die folgende Abbildung.

Definition der Cluster

5.2.2.6 Reproduktionszahlen

Als Maße für die Entwicklungsgeschwindigkeit bieten sich Parameter an, die ausdrücken, um welchen Anteil sich eine Größe innerhalb eines definierten Zeitabschnitts verändert. In der Corona-Pandemie wurde insbesondere durch das Robert-Koch-Institut (RKI) die sog. "Reproduktionszahl" eingeführt. Durch die Wahl des Zeitraums, auf den sich die Größe bezieht, ergeben sich diverse Möglichkeiten, eine Reproduktionszahl zu definieren. Mathematisch gesehen ist die Reproduktionszahl wie ein Zinssatz zu verstehen.

Das RKI definiert zwei verschiedene Reproduktionszahlen:

Im täglichen Situationsbericht werden zwei R-Werte dargestellt. Zum einen der sensitivere 4-Tage-R-Wert. Dieser Wert bildet zeitnah den Trend der Anzahl von Neuerkrankungen ab und kann auf mögliche Trendänderungen hinweisen. Er reagiert jedoch empfindlich auf kurzfristige Änderungen der Fallzahlen – wie sie etwa durch einzelne Ausbruchsgeschehen verursacht werden können - was besonders bei insgesamt kleineren Anzahlen von Neuerkrankungen zu verhältnismäßig großen Schwankungen führen kann. Zusätzlich gint das RKI ein stabileres 7-Tage-R an, das sich auf einen längeren Zeitraum bezieht und daher weniger tagesaktuellen Schwankungen unterliegt. Das 7-Tage-R bildet Trends zuverlässiger ab, bezieht sich dabei jedoch auf ein Infektionsgeschehen, das etwas länger zurückliegt als beim 4-Tage-R-Wert.

Aus: "Was versteht man unter der Reproduktionszahl R, und wie wichtig ist sie für die Bewertung der Lage?" (RKI - Häufig gestellte Fragen. Abgerufen am 27.11.2020

Im IGES Pandemie Monitor wird ebenfalls eine Reproduktionszahl angegeben, die noch robuster ist, weil zu einem bestimmten Datum noch die 6 vorausgehenden Tage eingeschlossen werden und dieser Wert auf einen 7-Tages-Zeitraum bezogen wird, der genau 7 Tage zurückliegt.

Zuletzt geändert: 30.07.21

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