Arzneimittel-Atlas: Zwei Drittel der Mehrausgaben in 2024 durch Arzneimittel gegen schwere Krankheiten

Die gesetzlichen Krankenkassen haben im Jahr 2024 für ambulant verordnete Arzneimittel 55,16 Milliarden Euro ausgegeben. Das ist ein Anstieg von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das deutliche Plus geht vor allem auf einen Sondereffekt zurück: das Auslaufen des temporär erhöhten Herstellerrabattes, der zum Wiederanstieg der Ausgaben in Höhe von 1,1 Milliarden Euro führte. Den stärksten Einfluss auf das Ausgabenwachstum in Höhe von 2,6 Milliarden Euro hatte jedoch erneut der Mehrverbrauch von Arzneimitteln. Das geht aus dem neuen Arzneimittel-Atlas des IGES Instituts hervorgeht, der zum 20. Mal erscheint.

Arzneimitel Atlas 2025

Arzneimittel-Atlas 2025

Berlin, 18. Dezember 2025 (IGES Institut) - Zwei Drittel des Ausgabenzuwachses 2024 fallen dabei auf sechs Arzneimittelgruppen, mit denen überwiegend schwere bis mittelschwere Erkrankungen behandelt werden: darunter Krebserkrankungen, Multiple Sklerose, Psoriasis, schwere Immundefekte sowie Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Insgesamt wurde im Jahr 2024 9,2 Milliarden Euro für Krebstherapeutika (knapp 17 Prozent der Gesamtausgaben) ausgegeben, die damit den größten Ausgabenblock darstellen. An zweiter Stelle mit einem Anteil von fast 15 Prozent (8,1 Milliarden Euro) standen Immunsuppressiva gefolgt von Antidiabetika mit einem Anteil von fast sieben Prozent (3,1 Milliarden Euro).

Größter Ausgabenblock der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für ambulant verschriebene Arzneimittel waren erneut Krebstherapeutika. Sie hatten einen Anteil von gut 16 Prozent (8,12 Milliarden Euro) an den Ausgaben. An zweiter Stelle mit einem Anteil von 14 Prozent (7,18 Milliarden Euro) standen Immunsuppressiva gefolgt von Antidiabetika mit einem Anteil von 6,3 Prozent (3,1 Milliarden Euro).

Eine Langzeitanalyse mit Daten aus der 20-jährigen Geschichte des Arzneimittel-Atlas untersucht, warum steigende Arzneimittelpreise nicht automatisch zu höheren Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) führen, wie häufig angenommen und kritisiert wird. So wuchsen die Arzneimittelausgaben in den vergangenen 20 Jahren durchschnittlich um 4,1 Prozent pro Jahr, das ist weniger als die GKV-Gesamtausgaben mit 4,5 Prozent.

Die Atlas-Analysen zeigen, dass die typischen Einstiegspreise neuer Arzneimittel zwischen 2014 und 2024 um mehr als Doppelte stiegen. Die damit behandelbaren Patientenzahlen (Median) gingen jedoch um rund 90 Prozent zurück. Theoretisch reduziert dies den Kostendruck auf die Kassen, da weniger Versicherte damit behandelt werden. Die Ausgaben steigen aber dennoch, weil insgesamt der Mehrverbrauch von Arzneimitteln durch neue und zusätzliche Therapieoptionen wuchs. Außerdem bleibt bei vielen dieser Arzneimittel beim Patentablauf der Preiswettbewerb durch Generika aus, weil es sich um Nischenmärkte mit kleinen Patientenzahlen handelt, die für weitere Hersteller wirtschaftlich schwierig sind.

„Die Daten aus 20 Jahren Arzneimittel-Atlas zeigen, dass eine reine Preisdebatte über die Arzneimittelausgaben zu kurz greift. Denn in den vergangenen Jahren haben maßgeblich der Mehrverbrauch von Arzneimitteln vor allem gegen schwere Erkrankungen und nicht primär die Einstiegspreise neuer Medikamente die Ausgabenentwicklung bestimmt,“ sagt Prof. Bertram Häussler, Herausgeber des Arzneimittel-Atlas und IGES-Leiter.

Der Arzneimittel-Atlas gibt außerdem einen Überblick zu den Nutzenbewertungsverfahren nach dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG). Seit Start im Jahr 2011 wurden bis Ende 2024 für 482 Wirkstoffe ein Verfahren abgeschlossen. Für knapp zwei Drittel dieser Wirkstoffe (62 Prozent) wurde mindestens einmal ein Zusatznutzen attestiert. Die größte Gruppe dabei waren onkologische Wirkstoffe, von denen 35 Prozent ein beträchtlicher Zusatznutzen, die zweithöchste Bewertungskategorie im AMNOG-Verfahren, zugesprochen wurde.

Über den IGES Arzneimittel-Atlas:

Seit 2006 untersucht der Arzneimittel-Atlas jährlich den ambulanten GKV-Arzneimittelmarkt. Die Buchausgabe zeigt die wichtigsten Daten zum Verbrauchs-, Ausgaben- und Innovationsgeschehen. Weitere Informationen liefert die Online-Version. Herausgeber und Autoren sind Wissenschaftler des IGES Instituts.

Arzneimittel-Atlas 2025 – Der Arzneimittelverbrauch in der GKV. Die wichtigsten Ergebnisse - Bertram Häussler, Ariane Höer (Hrsg.), Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, ISBN: 978-3-7753-0033-9, 108 Seiten, 48 farbige Abbildungen, 31 Tabellen, 29,95 Euro, bestellbar unter: Bestellmöglichkeit Arzneimittel-Atlas 2025 als Buch; Arzneimittel-Atlas 2025 als E-Book: https://doi.org/10.32745/9783775300339

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