Berufshaftpflichtversicherung wird für Hebammen zunehmend zur Belastung

Schwangere finden meist gut wohnortnahe Hebammenhilfe. Allerdings schränkten Hebammen zum Teil Leistungen ein. Dies betrifft vor allem die außerklinische Geburtshilfe sowie die Begleitung von Geburten in 1:1-Betreuung. Ursache dafür waren starke Erhöhungen der Berufshaftpflichtprämien.

Berlin, 04. Mai 2012 (IGES Institut) - Zu diesen Ergebnissen kommt das „Gutachten zur Versorgungs- und Vergütungssituation in der außerklinischen Hebammenhilfe“ des IGES Instituts. Anlass für das vom Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegebene Gutachten waren die öffentliche Debatte sowie die unzureichende Datenlage über die Einkommens- und Arbeitssituation von Hebammen angesichts steigender Haftpflichtprämien. Die Untersuchung liefert eine in dieser Form einmalige Faktensammlung.

Eine Auswahl der wichtigsten Ergebnisse:

    • Je nach Datenquelle – es gibt keine umfassende amtliche Statistik für Hebammen – wurden Schwangere von 13.500 bis 15.000 freiberuflich aktiven Hebammen betreut.
    • Unter den für die IGES-Studie befragten Hebammen war der größte Teil zunehmend (auch) freiberuflich tätig: Ihr Anteil stieg von 75 % (2008) auf 89 % (2011). Die IGES-Forscher errechneten – je nach Datenquelle – einen Zuwachs bei freiberuflichen Hebammen zwischen 7,7 % und 9,9 % im Zeitraum 2008 bis 2010.

Einkommen steigen, aber variieren sehr stark

    • Die Einkommen der für das Gutachten befragten Hebammen (sowohl aus freiberuflicher Tätigkeit als auch die Verdienste in Angestelltenverhältnissen) haben sich im Zeitraum 2008 bis 2010 – je nach Beschäftigungsform – jahresdurchschnittlich um 1,3 % bis 3,8 % erhöht. Sie stiegen damit stärker als die Verbraucherpreise (+0,7 %).
    • Verringert haben sich hingegen die Verdienste aus Hebammentätigkeit in einem nicht ganzjährigen und/oder Teilzeit-Anstellungsverhältnis. Außerdem ergab sich für rund 8,8 % der freiberuflich tätigen Hebammen ein Verlust vor Steuern, im Mittel rund 1.250 Euro im Jahr 2010 betrug.
    • Freiberufliche Hebammen erzielten im Jahr 2010 im Mittel einen Umsatz von ca. 23.900 Euro. Für die Hebammen, die ausschließlich und ganzjährig freiberuflich tätig waren, lag der Umsatz deutlich höher bei rd. 37.350 Euro. Überwiegend erzielten sie mit ihrer freiberuflichen Tätigkeit einen Gewinn vor Steuern. Dieser lag im Mittel zwischen 15.500 Euro für freiberuflich tätige Hebammen insgesamt und 24.000 Euro für ganzjährig und ausschließlich freiberuflich tätige Hebammen.
    • Der Bruttoverdienst aus einer – vielfach neben der freiberuflichen Tätigkeit – zusätzlichen Angestelltentätigkeit als Hebamme betrug 2010 im Mittel 19.000 Euro (netto: 13.125 Euro), für Hebammen in einem ganzjährigen Vollzeit-Angestelltenverhältnis 31.000 Euro (netto: 20.400 Euro).
    • Hebammen, die sowohl freiberuflich als auch angestellt tätig waren, erzielten im Jahr 2010 im Mittel ein Gesamteinkommen (aus Bruttoverdienst und Gewinn vor Steuern) von rd. 28.088 Euro.

Berufshaftpflichtversicherung wird immer häufiger zur Belastung

    • Zur Jahresmitte 2010 erhöhte sich die Prämie für freiberuflich tätige Hebammen, die Geburtshilfe anbieten, auf fast 3.700 Euro und damit um rd. 56 % gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil der befragten Hebammen, die eine Jahresprämie von mehr als 3.600 Euro zahlten, lag im Jahr 2011 bei 16 %, in den Jahren davor bei weniger als 1 %.
    • Der ganz überwiegende Teil der sowohl freiberuflich als auch angestellt tätigen Hebammen gab in der Befragung an, selbst Prämien für ihre Berufshaftpflichtversicherungen mit Abdeckung von Geburtshilfeschäden zu zahlen.

Fazit der Autoren:

Die wohnortnahe Versorgung mit Geburtshilfe ist gegenwärtig in der Regel gewährleistet. Einschränkend ist jedoch festzustellen, dass Hebammen vor allem die Nachfrage nach 1:1-Betreuung von Geburten, aber auch nach Wochenbettbetreuung nicht voll befriedigen konnten. Auch im klinischen Bereich könnten sich regional Einschränkungen des Versorgungsangebots ergeben, wenn die Anzahl der Fachabteilungen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe wie in den vergangenen Jahren – teilweise wegen mangelnder Auslastung – weiter zurückgeht.