IGES Institut setzt Kooperation mit chinesischen Gesundheitsforschern fort

Das IGES Institut und das chinesische National Health Development Research Center (CNHDRC) haben eine Kooperationsabsichtserklärung unterzeichnet. Das CNHDRC ist eine der Nationalen Gesundheitskommission (NHC) der Volksrepublik China direkt unterstellte Einrichtung für gesundheitspolitische und -ökonomische Forschung und Beratung. Es versteht sich als nationales Kompetenzzentrum für das Gesundheitswesen und wirkt an der Entwicklung und Evaluation von Gesundheitsreformen in China mit.

Berlin, 29. Mai 2026 (IGES Institut) - Für das IGES Institut ist dies keine neue Partnerschaft. Bereits 2010 hatte es eine Kooperationsvereinbarung mit dem China Health Economics Institute (CHEI), einer Vorläuferinstitution des CNHDRC, gegeben. Diese Tradition wurde nun auf eine neue institutionelle Grundlage gestellt.

Anlässlich der Unterzeichnung der Absichtserklärung reiste eine hochrangige chinesische Delegation des CNHDRC unter Leitung von Zhu Hongming, Direktor des CNHDRC, nach Berlin ins IGES Institut. Die Unterzeichnung wurde von einer bilateralen Konferenz begleitet, in der Vertreter beider Seiten aktuelle Herausforderungen ihrer jeweiligen Gesundheitssysteme vorstellten und diskutierten. Themen waren unter anderem integrierte Versorgungsmodelle, aktuelle Reformentwicklungen in Deutschland und China sowie der Transfer von Think-Tank-Ergebnissen in die Praxis.

Ziel ist es, den akademischen Austausch und die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland im Bereich der Gesundheitspolitikforschung zu fördern. So sollen etwa gemeinsame Forschungsprojekte, Personalaustauschprogramme, Projektkooperationen, gegenseitige Expertenbesuche sowie Fachveranstaltungen erfolgen.

Herausforderungen des chinesischen Gesundheitswesens

Die chinesische Delegation berichtete von den derzeitigen Herausforderungen des chinesischen Gesundheitswesens. Das Land befinde sich in einem der historisch schnellsten demografischen Alterungsprozesse weltweit. Die Zahl der Personen ab 60 Jahren überstieg 2023 die Marke von 280 Millionen, was rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Bis 2050 werde ein Anstieg auf mehr als 35 Prozent erwartet. Dies erzeuge einen rapide wachsenden Bedarf an Versorgung chronischer Erkrankungen wie Diabetes, Hypertonie und Herzerkrankungen. Allerdings sei die Primärversorgungsinfrastruktur darauf personell und strukturell nicht ausreichend vorbereitet, während Krankenhäuser überlastet seien. Ferner beständen erhebliche regionale Ungleichheiten zwischen städtischen und ländlichen Regionen fort. Mit dem Programm "Gesundes China 2030" habe die Regierung einen strategischen Rahmen für Reformen in Richtung Prävention, integrierte Versorgung und Digitalisierung gesetzt, berichteten die Experten des CNHDRC.

Primärversorgungsstrukturen beschäftigen beide Länder

Einige chinesische Herausforderungen seien auch in Deutschland nicht fremd, so IGES-Geschäftsführer Dr. Martin Albrecht. Auch hierzulande ringe man mit den Folgen des demographischen Wandels. Er verwies ferner auf das Auseinanderklaffen von Ein- und Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und berichtet von aktuellen Reformvorhaben, wie etwa der angestrebten Etablierung eines Primärarztsystems.

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