Europäischer Vergleich: Wie Impfungen in Apotheken Impfquoten verbessern

Impfungen in Apotheken können dazu beitragen, höhere Impfquoten zu erreichen. Das zeigen auf Deutschland übertragbare Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern, in denen Apotheken seit vielen Jahren impfen und insofern fester Bestandteil der gesundheitlichen Versorgung geworden sind. Vor allem mit Grippeschutzimpfungen und der Erweiterung der Impfberechtigung auf weitere Impfstoffe in Apotheken wurden positive Erfahrungen gemacht.

Berlin, 25. Januar 2026 (IGES Institut) – Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von IGES-Experten, die im Monitor Versorgungsforschung“ (01/26), erschienen ist. Der Beitrag beschreibt die Ergebnisse einer Studie, die für das Unternehmen Mylan Germany entstand und die Impfungen sowie die Erweiterung von Impfbefugnissen in Apotheken in Frankreich, Irland und der Schweiz im Vergleich mit der Situation in Deutschland beschreibt. In allen untersuchten Ländern wurden mit Grippeschutzimpfungen und der Erweiterung der Impfberechtigung auf weitere Impfstoffe in Apotheken positive Erfahrungen gemacht.

Bei der Grippeschutzimpfung ist Deutschland abgeschlagen

In Deutschland ist die Grippeschutzimpfung in Apotheken seit 2022 erlaubt. Die Impfquoten der Grippeschutzimpfung der Risikogruppe der über 65-jährigen (in Deutschland über 60-jährigen) Personen bietet sich für einen Ländervergleich aufgrund der guten internationalen Vergleichsdatenlage an.

Hier zeigen sich erhebliche Unterschiede der Impfquoten: Seit 2021 stehen Dänemark (2023: 77,5 Prozent) und Irland mit 75,71 Prozent an der Spitze. Mit weitem Abstand folgt Frankreich mit 56,2 Prozent. Deutschland liegt mit 40,4 Prozent unter dem Durchschnitt der EU-27 von 47,09 Prozent. Die Schweiz lag 2022 mit einer Impfquote von 37,5 Prozent noch unter der von Deutschland.

Unterschiedliche Impfbefugnisse in Apotheken im Ländervergleich

In Europa sind die Voraussetzungen dafür unterschiedlich: Von Land zu Land variieren die Impfbefugnisse und der Umfang der durch Apothekerinnen und Apotheker erbrachten Impfungen stark.

In Frankreich, Irland und der Schweiz ist es Apothekern gestattet, Schutzimpfungen in wesentlich breiterem Umfang zu verabreichen als in Deutschland: So dürfen etwa französische Apotheker Erwachsenen und Kindern ab 11 Jahren nahezu sämtliche Impfstoffe verordnen und verabreichen. Einschränkungen bestehen lediglich für Patienten mit eingeschränktem Immunsystem.

In Irland wurde Apothekern im Laufe der Jahre mehr Befugnisse zur Verabreichung von Schutzimpfungen verliehen. Seit 2011 sind sie gesetzlich befugt, in Apotheken die saisonale Grippeimpfung anzubieten. Im Jahr 2015 wurde ihnen die Verabreichung der Pneumokokken- und der Herpes-Zoster-Impfung erlaubt. 2020 erfolgte die Ermächtigung zur Impfung gegen COVID-19.

In der Schweiz ist die Verabreichung von Impfstoffen nicht landesweit einheitlich geregelt, sondern variiert von Kanton zu Kanton. Im Jahr 2015 wurde erstmals im Kanton Zürich Apothekern die Verabreichung der Grippeschutzimpfung gestattet. Acht Kantone erlauben die Impfung von 15 verschiedenen Impfstoffen.

Erfahrungen der Grippeschutzimpfung führen zu erweiterten Impfbefugnissen

In allen untersuchten Ländern bildeten positive Erfahrungen mit der Grippeschutzimpfung in Apotheken die Grundlage für eine spätere Ausweitung der Impfbefugnisse auf weitere Impfstoffe. Auch die Erfahrungen während der COVID-19-Pandemie haben diese Entwicklung weiter beschleunigt.

Daraus ergeben sich Handlungsbedarfe und Handlungsoptionen für Deutschland: Denn die Impfquoten für Menschen über 60 Jahre in Deutschland liegen am Beispiel der Grippeschutzimpfung deutlich unter den in anderen europäischen Ländern erreichten Werten. Auch die Grippe-Impfquoten für vorerkrankte Menschen zwischen 18 und 59 Jahren in Deutschland sind niedrig.

Zwischenzeitlich erreichte Steigerungen der Impfquoten in Deutschland während der SARS-CoV-2 Pandemie waren nicht nachhaltig, die Impfquoten sind rückläufig; dagegen sind Ländern wie Irland und Dänemark dauerhafte Steigerungen gelungen.

Mehr Impferlaubnisse führen zu höheren Impfquoten

Die Erweiterung der Impferlaubnis auf Apotheker ist eine Voraussetzung zur dauerhaften Erzielung höherer Impfquoten. So zeigt das Beispiel Irland, dass Apotheken insbesondere für die Bevölkerung zwischen 17 und 64 Jahren ein niederschwelliges Impfangebot bieten. Dort haben Impfungen in Apotheken ärztliche Impfungen nicht verdrängt, sondern ergänzt. Ärzte und Apotheker impfen alle Altersgruppen, in Apotheken dominiert die Altersgruppe zwischen 18 und 64 Jahren, bei Ärzten die ältere Altersgruppe.

Negativeffekte durch Impfungen auf Versorgungsqualität oder Patientensicherheit durch Apotheker wurden in keinem der untersuchten Länder berichtet, zeigt die Untersuchung.

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