Erreichbarkeit von Apotheken bleibt trotz Rückgangs bei Apothekenstandorten weitgehend unverändert

Obwohl in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Apotheken erheblich zurückgegangen ist, können die meisten Menschen weiterhin ähnlich gut eine Apotheke erreichen wie noch im Jahr 2020. Nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung haben sich die Wege verlängert, dies vor allem im fußläufigen Nahbereich. Zu Standortaufgaben kommt es vor allem durch Verdrängungswettbewerb, wenn sich andere Apotheken in der Nähe befinden.

Berlin, 4. März 2026 (IGES Institut) – Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des IGES Instituts zur Entwicklung der Apothekenstandorte und ihrer Erreichbarkeit. Es handelt sich um eine Erstveröffentlichung von Teilergebnissen aus einem Gutachten für den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) zur Situation der Apotheken in Deutschland.

Erreichbarkeit von Apotheken mit realen Wegstrecken ermittelt

Grundlage dieser Teilergebnisse waren unter anderem Daten des Bundes-Apotheken-Registers (BAR), bevölkerungs- und raumbezogene Statistiken sowie digitale Straßenkarten, um Verkehrswege anhand realer Straßenführungen abzubilden. So wird ein realistischeres Bild der Erreichbarkeit gewonnen als durch Berechnungen auf Basis von Luftlinien.

Demnach sank die Zahl der öffentlichen Apotheken im Zeitraum 2020 bis 2025 um rund 12 Prozent von 19.081 auf 16.771, ein Minus von 2.310 Apothekenstandorten. Insgesamt wurden 3.021 Standorte infolge von Geschäftsaufgaben oder Umzügen aufgegeben, während 711 neue Standorte durch Neugründung oder Umzug hinzukamen. 16.060 der bereits 2020 bestehenden Standorte waren im Jahr 2025 weiterhin in Betrieb.

Viertelstunde Fahrtzeit zur nächsten Apotheke

Die Erreichbarkeit vom Wohnort aus bleibt trotz dieses Rückgangs auf einem hohen Niveau. Im Jahr 2025 erreichte nahezu jeder Bundesbürger (99,9 Prozent) mit dem Auto innerhalb von 15 Minuten eine Apotheke. Die fußläufige Erreichbarkeit innerhalb von fünf Minuten nahm um 0,7 Prozentpunkte ab, von ihr profitierten aber bereits 2020 nur sechs Prozent der Bevölkerung. Knapp jeder zweite Bundesbürger kann in maximal 15 Minuten eine Apotheke zu Fuß erreichen, ein geringerer, aber ähnlich hoher Anteil wie bereits 2020.

In absoluten Zahlen bedeutet der Rückgang der Apothekenstandorte: Rund 500.000 Menschen zusätzlich haben 2025 im Vergleich zu 2020 keine Apotheke mehr in fünf Minuten Gehentfernung. Etwa 1,7 Millionen Menschen (zwei Prozent der Bevölkerung) können 2025 innerhalb von 15 Minuten zu Fuß keine Apotheke mehr erreichen, die 2020 noch erreichbar war.

Im Autoverkehr sind die Effekte des Rückgangs bei den Apothekenstandorten deutlich geringer: Rund 73.000 Menschen (0,1 Prozent der Bevölkerung) erreichen 2025 auch innerhalb von 15 Minuten mit dem Auto keine Apotheke; das sind rund 10.000 mehr als im Jahr 2020.

Zweidrittel der Arztpraxen haben Apotheke in 10-Minuten-Distanz in der Nähe

Für die Versorgung mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln ist jedoch weniger die Erreichbarkeit vom Wohnort als die Erreichbarkeit nach einem Arztbesuch relevant, bei dem ein Rezept ausgestellt wird. Hier zeigt die Analyse eine deutlich bessere fußläufige Erreichbarkeit der Apotheken: Von knapp zwei Dritteln der Arztpraxen aus ist innerhalb von zehn Minuten fußläufig eine Apotheke erreichbar. Bei 34,5 Prozent der Hausarztpraxen befindet sich mindestens eine Apotheke in fünf Minuten Gehentfernung. Vom Wohnort aus trifft dies lediglich auf 5,3 Prozent der Bevölkerung zu. Damit ist die fußläufige Erreichbarkeit von Apotheken nach einem Arztbesuch deutlich besser als vom Wohnort aus.

Regionale Unterschiede beim Verlust von Apothekenstandorten zwischen städtischen und ländlichen Räumen sind den Analysen zufolge nicht erkennbar. Es gibt keine Hinweise auf überproportionale Standortaufgaben in ländlichen Regionen. Absolut betrachtet entfielen die meisten Standortaufgaben auf Ober- und Mittelzentren, was dem dort höheren Bestand an Apotheken entspricht.

Hinweise auf Verdrängungswettbewerb bei Standortaufgaben

Die Analyse der Einflussfaktoren zeigt, dass insbesondere wettbewerbliche und versorgungsbezogene Strukturen für Standortaufgaben maßgeblich sind. Eine hohe Apothekendichte im Umfeld erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Aufgabe, ebenso steht die Eröffnung neuer Standorte in engem Zusammenhang mit der Aufgabe bestehender Apotheken. Eine gute hausärztliche Versorgung im Nahbereich sowie eine große Einzugsbevölkerung wirken hingegen stabilisierend auf Apothekenstandorte.

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