15 Erfolgsfaktoren für Telemedizinprojekte

Eine Art Checkliste soll Telemedizinprojekte künftig erfolgreicher machen. Dafür haben Experten 15 Erfolgsfaktoren ausgemacht, an denen Anbieter telemedizinischer Innovationen ihre Vorhaben bereits im frühen Entwicklungsstadium ausrichten sollten. Diese Faktoren können zudem Projekten helfen, die derzeit ohne Unterstützung durch den Innovationsfonds laufen.

Titel der Studie: Telemedizinische Prozessinnovationen in den Regelbetrieb - Lessons Learned

Hintergrund: Es gibt zahlreiche Initiativen zur Förderung der Telemedizin in Deutschland. Dennoch schaffen nur wenige Innovationen den Transfer aus der Modellphase in die breite Versorgung.

Fragestellung: Worauf sollten Entwickler telemedizinischer Prozessinnovationen bereits in frühen Phasen achten, um den Erfolg ihrer Anwendungen zu sichern?

Methode: Klassifizierung und Auswertung ausgewählter Telemedizinprojekte, Ableitung von Erfolgsfaktoren, Expertendiskussion.

Ergebnisse: Anhand von 15 Erfolgsfaktoren aus den Bereichen Marktumfeld, Qualitäts- und Nutzennachweis, Finanzierung und Vergütung sowie Patientenbedürfnisse lassen sich die Erfolgsaussichten von Telemedizinprojekten prüfen.

Autoren: Hans-Dieter Nolting, Karsten Zich
    
Auftraggeber: Bertelsmann Stiftung

Schlagwörter: Telemedizin, Verbreitung, Regelversorgung, Erfolgsfaktoren

Berlin, 08. Dezember 2017 (IGES Institut) - Innovatoren können anhand der Faktoren prüfen, ob ihre Entwicklung in die aktuelle Marktsituation passt, finanzierbar erscheint, geforderte Nutzen- und Qualitätsnachweise erbringen kann und den Patientenbedürfnissen entspricht. Dies kann den späteren Übergang in die breite Regelversorgung unterstützen.

Das ist das Ergebnis einer Studie des IGES Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Dafür werteten IGES Experten Erfahrungen mit vier als erfolgreich geltenden, telemedizinischen Pionierprojekten aus1 , die bereits seit vielen Jahren laufen. Die Analyse und die daraus entwickelten Erfolgsfaktoren können auch der Selbstverwaltung oder Politik hilfreiche Unterstützung bieten, die Erfolgsaussichten neuer Ansätze besser zu beurteilen.

Erfolgsversprechend sind demnach telemedizinische Prozessinnovationen (TmPi), wenn sie den Interessen von Institutionen entsprechen, die über die Aufnahme in die Regelversorgung entscheiden, und wenn sie Lösungen für Probleme anbieten, die hochrangige Rechtsgüter oder Systemziele betreffen. Aktuell und perspektivisch sind dies insbesondere solche Vorhaben, mit denen die medizinisch-pflegerische Versorgung der Menschen in dünn besiedelten, ländlichen Regionen sichergestellt werden kann. Aber auch Anwendungen, die die stationäre Versorgung optimieren können, erscheinen den Experten zufolge vielversprechend.

Gelegenheiten für telemedizinische Produkte bieten ferner die aktuell viel diskutierten Bereiche, die auf die Versorgung älterer Menschen ausgerichtet sind. Verstärkte Nachfrage wird es der Studie zufolge zudem nach innovativen Lösungen geben, mit denen sich die Kommunikation zwischen Patienten und Leistungserbringern unter Verringerung der Aufwände für den Patienten und dessen Angehörige verbessern lässt. Bedürfnissen der Betroffenen sollte dabei mehr Rechnung getragen werden.

Anspruchsvoll und aufwändig ist der geforderte Nutzennachweis von telemedizinischen Innovationen. Sie müssen zeigen, dass sie die Versorgung verbessern oder zumindest gleichwertig zu konventionellen Ansätzen sind. Innovatoren sollten daher rechtzeitig geeignete Evaluationsansätze selbst entwickeln und sich dabei offen gegenüber Wünschen der potenziellen Kostenträger zeigen.

Chancen auf spätere Vergütung haben TmPI, die teurere Regelleitungen ersetzen und nicht zu Doppelstrukturen bei Ärzten oder Krankenhäusern führen. Für Patienten müssen die Anwendungen einfach, praktikabel und weitgehend selbsterklärend sein.
  
Telemedizin, Telematik und E-Health waren auch ein Förderschwerpunkt des 2015 gestarteten Innovationsfonds. In diesem Themenfeld kamen lediglich 6 von 34 Projektanträgen zum Zug. Aber in den meisten der in der ersten Welle insgesamt bewilligten 29 Projekte spielen telemedizinische Komponenten eine wichtige Rolle und sind ein zentraler Erfolgsfaktor.

Innovationsfonds-Projekte müssen anspruchsvolle Evaluationsvorgaben erfüllen. Die daraus gewonnenen Daten sollen die am Ende der Förderzeit vorgesehene Prüfung des Übergangs in die allgemeine Versorgung erleichtern. Diesen Vorsprung haben Telemedizin-Projekte außerhalb des Innovationsfonds leider nicht. Daher bleiben für sie Nutzen- und Evidenznachweis weiterhin eine große Herausforderung. Diese Barriere können sie vermutlich nur unter erheblichen Anstrengungen und mit hohem Ressourceneinsatz überwinden. Daher müssen sie andere wichtige Aspekte für einen Markteintritt stärker berücksichtigen. Die entwickelten Erfolgsfaktoren sollen den Studienautoren zufolge dabei helfen.

1AVT (Ambulante videounterstützte Therapie von Parkinson-Patienten), TEMPiS (Telemedizinisches Projekt zu integrierten Schlaganfall-Versorgung in Süd-Ost-Bayern, TNA-System (Aachener holistisches Telenotarzt-System) sowie Telemedizinische Kontrolle eines implantierten Kardioverters bzw. Defibrilators und / oder eines implantierten Systems zur kardialen Synchronisationstherapie.