IGES Institut auf der Gesundheitsökonomie-Konferenz ISPOR

Folgen der frühen Nutzenbewertung für Arzneimittel in Deutschland und Patientenpräferenzen bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis – diese Themen hat das IGES Institut auf der 18. europäischen Konferenz der "International Society for Pharmacoeconomics and Outcomes Research" (ISPOR) 2015 präsentiert.

Berlin, 12. November 2015 (IGES Institut) – IGES-Wissenschaftler zeigten in einer Analyse, dass das derzeitige Vorgehen der frühen Nutzenbewertung nach dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) Arzneimittel zur Behandlung chronischer Krankheiten benachteiligt.

In die Analyse flossen bis zum Ende 2014 abgeschlossene Verfahren ein. Bei den gegen chronische Erkrankungen eingesetzten Präparaten wurde in 41 Verfahren ein Zusatznutzen für insgesamt 89 Patientengruppen beschlossen. Für 83 Prozent dieser Gruppen konnte kein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie (ZVT) belegt werden. Bei Antidiabetika war dies sogar für 90 Prozent der Patientengruppen der Fall. Anders bei Medikamenten gegen Krebs oder Infektionen: Dort liegt der Anteil der Patientengruppen mit nicht belegtem Zusatznutzen nur bei 46 Prozent bzw. 39 Prozent.

Als mögliche Ursache für diese Unterschiede nennen die Autoren unter anderem Unterschiede bei der Auswahl der ZVT oder Hindernisse beim Nachweis patientenrelevanter Endpunkte im Rahmen der Nutzenbewertung.

Patientenpräferenzen in der Therapie der rheumatoiden Arthritis
In einem weiteren ISPOR-Beitrag legten IGES-Experten dar, welche Therapiemerkmale bei Arzneimitteln zur Behandlung der rheumatoider Arthritis (RA) am stärksten bevorzugt werden. Dies geschah am Beispiel der krankheitsmodifizierenden Medikamente bei RA, auch Basistherapie genannt (engl. Disease-Modifying-Anti-Rheumatic-Drugs, DMARD). In einem Discrete-Choice-Experiment konnten Patienten aus verschiedenen Therapien auswählen, die sich in mehreren unabhängig voneinander kombinierten Merkmalen unterschieden.

Danach hat die Anwendungsart eines Präparates den größten Einfluss auf die Wahlentscheidungen der Patienten, wobei die orale Einnahme als Tablette am stärksten bevorzugt wurde. Am zweitwichtigsten erschien das Therapiemerkmal „notwendige Kombination mit Methotrexat“, gefolgt von der Einnahmehäufigkeit und Nebenwirkungen.

Einstellung gegenüber der eigenen Behandlung entscheidet mit
Besonders wichtig war dabei, dass sich die Präferenzen der Patienten für die verschiedenen Therapiemerkmale unterschieden, je nachdem welche Einstellung sie gegenüber ihrer derzeitigen Basistherapie haben: So zeigten Patienten, die sich eher besorgt gegenüber ihrer medikamentösen Behandlung äußerten, eine stärkere Abneigung gegenüber Selbstinjektionen. Wenn Patienten zudem eine nur geringe Notwendigkeit sahen, ihre Basistherapie einzunehmen, zeigten sie darüberhinaus eine stärkere Ablehnung von Infektionen als mögliche Nebenwirkungen. Demnach stellen sich Patientenpräferenzen in der RA Basistherapie für verschiedene Patientengruppen unterschiedlich dar.

Die 18. ISPOR-Konferenz fand vom 7. bis 11. November 2015 in Mailand statt.

IGES Team